Benutzer:Robert O./Briefspiel: Unterschied zwischen den Versionen

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== Wiederaufnahme der Geschäfte ==
==Das Erbe der Pfortensteiner==
=== Stänkereien ===
===Ideensammlung Fortsetzung===
'''Stänkereien auf Burg Gnitzenkuhl'''<br>
- Ludolf von Pfortenstein bittet seinen Onkel Rondradan darum in die Rondra-Kirche eintreten zu dürfen, um das Vermächtnis seines Vaters fortzusetzen <br>
''Baronie Gnitzenkuhl, Ingerimm 1035 BF''
- Rondradan verspricht es ihm, bittet ihn aber um Geduld, bis er die Erbfolge von Pfortenstein und Olbershag entsprechend geklärt hat<br>
- die Vögtin Ysinthe von Pfortenstein bekommt das Junkertum Olbershag als Lehen in Aussicht gestellt, wenn ihre Tochter als alleinige Erbin der Purgation unterzogen wird und bei Rondradan Knappin wird<br>
- Rondradan unterstützt Felian von Perainsgarten bzw. Lechmin von Rallerspfort bei der Zurückerlangung der Baronswürde von Rallerspfort, wofür er im Gegenzug wieder als Junker von Pfortenstein eingesetzt wird<br>
- Ritterin Olmerga von Pfortenstein bleibt Vögtin zu Pfortenstein, solange Rondradan Landvogt von grfl. Rubreth ist


''Teil 1''<br>
==Erweiterte Wegelagerei==
===Kapitel 1===
Wulfhelm und Gerion waren den zwei Kressenburger Ochsenkarren einiges voraus, während Ingmar die Nachhut übernommen hatte. Die Greifenfurter erwarteten nicht wirklich hier im ritterlichen Herzen des Reiches auf Probleme zu stoßen, aber ihre wertvolle Fracht aus verhütteten Metallen für die Luringer Spiegelmacherzunft ließ sie vorsichtig bleiben. Das sollte sich bald unerwartet zu ihrem Vorteil erweisen.


Fassungslos  starrte Geshla auf das Missgeschick, das sich soeben ereignet hatte. Sie war an einen der Eimer gestoßen, in dem die Windeln zuerst in Wasser eingeweicht wurden bevor man sie auskochte. Entsetzt starrte sie auf die teuren  Schuhe, auf denen sich langsam  ein unfeiner Fleck ausbreitete, unfähig auch nur ein Wort zu sagen.
Gerade erst hatten die Ritter den Grenzstein zwischen den Baronien Rallerspfort und Randersburg hinter sich gelassen. An dieser Stelle zog sich ein Ausläufer des Reichsforstes bis fast an die Handelsstraße heran und verbarg den weiteren Verlauf des Weges. Hinter einer Wegbiegung bot sich ihnen plötzlich ein überraschendes Bild. Ein Handelskarren hielt nur wenige Dutzend Schritte vor ihnen mitten auf dem Weg, umringt von einer Gruppe bewaffneter, recht verlumpt daherkommender Gestalten. Eine mit einem Schwert bewaffnete Person in leichtem Lederzeug hatte sich direkt vor dem Ochsengespann aufgebaut, um ihm den Weg zu versperren. Drei Gestalten waren gerade dabei die Säcke auf der Ladefläche zu durchwühlen. Der Kutscher hatte indes abwehrend die Hände gehoben, während er offensichtlich von einer verwegen dreinschauenden Frau mit einer leichten Armbrust bedroht wurde. Ein großer grobschlächtiger Mann der schräg hinter dem Wagen stand, erblickte die Neuankömmlinge fast sofort und rief seinen Spießgesellen eine laute Warnung zu.


„Bitte sagt  nicht, dass dies nun auch wieder meine Schuld sei Hochgeboren!“ kam trocken von ihrem Gegenüber, die gerade dabei war ihre zweitgeborene Tochter zu betten. „Ich war wirklich nicht vorbereitet, dass Ihr Euch zu so später Stunde in unsere Räume gesellen möchtet. Und natürlich riecht es hier streng, wenn wir gerade damit beschäftigt sind…“
Fast gleichzeitig reagierte die überraschte Räuberbande. Die leichte gerüstete Person dreht sich nur kurz um, wobei sie für die Greifenfurter als Frau mittleren Alters erkennbar wurde, und wandte sich augenblicklich zur Flucht in den nahen Wald. Die Räuberin mit der Armbrust gab aus der Drehung einen ungezielten Schuss in Richtung der Ritter ab und folgte, ohne sich weiter umzublicken. Ein bärtiger Geselle mit einem Jagdbogen stob hinter dem Wagen hervor in die entgegengesetzte Richtung davon und schlug sich in die Büsche, gefolgt von dem Hünen, der den Warnruf ausgestoßen hatte. Auch die drei Plünderer auf dem Wagen gaben Fersengeld. Der letzte jedoch blieb mit dem Fuß an der Karrenwand hängen, stürzte kopfüber auf den Pfad und blieb regungslos liegen.


Energisch hob die Baronin zu Gnitzenkuhl ihre Hand, und gebot damit Stille. Erstaunlicher Weise verstummte dabei sogar der einjährige Greifwart, der soeben von seiner Amme frisch gemacht worden war und lautstark dagegen protestiert hatte, war es doch empfindlich kalt. Doch nun erwartete er von der dunkelhaarigen Frau wohl eines der Spiele, die Unswin, sein Vater, sonst mit ihm trieb.
Wulfhelm und Gerion hatten indes ihren Pferden die Sporen gegeben und zogen beim Anritt mit geübten Griffen die Schwerter blank. So schnell sie auch waren, konnten sie doch nicht mehr verhindern, dass sich der Rest der Bande ins Unterholz absetzte. Am Handelskarren angekommen sprang Gerion behände aus dem Sattel, um den am Boden liegenden Räuber keine Gelegenheit zur Flucht zu geben, während der Keilholtzer wachsam in Richtung des Waldes sicherte.


„So kann das hier nicht weiter gehen!presste die Baronin hinter vorgehaltenem Spitzentuch hervor, was Greifwart zum Glucksen brachte, hielt er es doch für eine neue Variante des „Guckucks- DA“ Spieles seines Vaters und grinste erwartungsvoll Geshla von Gnitzenkuhl an. Seine Amme musste sich ein Schmunzeln verkneifen.
„Schade, aus diesem hier werden wir nichts mehr rausbekommen.Der Sturmfelser entspannte sich und blickte nun auch in Richtung Unterholz, während er mit seinem ehemaligen Schwertvaters sprach. „Der hat sich beim Sturz den Hals gebrochen.


Leomara von Keilholtz, die erste Ritterin am Hofe brachte nur ein müdes „Ganz wie ihr meint!“ hervor und hoffte, dass man ihr endlich ihre Ruhe ließ. Erst dieses früh morgendliche Malheur mit der zerstörten Vase Olmergas von Gnitzenkuhls. Greifi konnte wirklich nichts dafür, dieser Tisch war einfach schon in die Jahre gekommen und hatte dem Ansturm des Jungen nichts entgegen zu setzen gehabt. Da war die Vase eben polternd zu Bruch gegangen. Angeblich ein Geschenk Olmergas an Geshla. Häßlich war sie trotzdem- die Vase! Dann  hatte sie für die Landwehr die Waffenkammern inspiziert und eine Inventur mit dem Waffenmeister erstellt, sowie gemeinsam mit dem Vogt besprochen wie man vorzugehen gedachte, beim  Erfassen der Wehrfähigen. Die Schulzen und ansässigen Adligen würden dabei eine Rolle spielen und bald hier vorstellig werden müssen. Immer, wenn sie sich mit dem Gemahl ihrer Mutter auseinander setzen musste, war es anstrengend. Doch seine Sachlichkeit führte allmählich dazu, dass sie einfach zusehends vergaß, dass er einmal eine Rolle in ihrem Leben gespielt hatte. Jetzt noch dieser unangemeldete Besuch in Räumen, die kaum für eine Familie ausreichten.
„So ein Pech aber auch“, kommentierte der Wildermarkveteran lakonisch. „Dabei hätte ich zu gerne erfahren, wo sich der Bau dieses Gesindels befindet.“ Er wartete noch ein paar Augenblicke, um sich davon zu überzeugen, dass die übrigen Räuber tatsächlich Fersengeld gegeben hatten, und sah sich dann nach dem verängstigten Kutscher um.


„Ich gedenke am morgigen Abend mit Hochwürden Travidan von Firunslicht, Hochwürden von Wasserburg sowie einigen Adligen, dem Vogt und Eurer Frau Mutter zu speisen. Wir haben uns lange nicht gesehen.“ Leomara nickte desinteressiert, waren ihr diese Verpflichtungen einer Baronin doch meist eher notwendiges Übel, denn eine Freude. „Ich erwarte Euch nebst Unswin ebenfalls!“
„Phex sei gepriesen, Hohe Herren! Ihr kamt gerade zur rechten Zeit.“ Mit zitternden Händen kauerte er sich auf den Kutschbock und nestelte an einem Trinkschlauch, den er in der Aufregung nicht aufbekam. Gerion kam ihm zu Hilfe, schnupperte kurz daran und lächelte, als er den typischen Geruch eines Gerstengebräus wahrnahm. „Seid bedankt, Herr. Ich dachte mein letztes Stündlein hätte geschlagen!“


„A…!Leomaras Widerrede blieb ihr im Halse stecken, als sie in Geshlas Miene blickte. Darin stand zu lesen, dass es keine Einladung, sondern ein Befehl gewesen war. Nach einem Moment der Stille kam ein gepresstes  „Sehr wohl!“ aus ihrem Munde. Die Baronin nickte nur kurz und entfernte sich dann schleunigst. Nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, erhob sich sogleich wieder enttäuschtes Gebrüll, war doch der kleine Keilholtzer um sein neckisches Spiel gebracht worden und forderte es nun lautstark ein.
„Das haben wir ja nun erfolgreich verhindern können.Wulfhelm hatte sein Pferd einmal im Kreis geführt und dann neben den Karren gelenkt, um mit dem Kutscher zu sprechen. „Aber sag, kamen dir diese Gestalten irgendwie bekannt vor? Oder hat es in der Gegend früher schon einmal Überfälle gegeben? So eine Bande taucht ja nicht aus dem Nichts auf. Da sie nicht beritten waren, müssen sie eigentlich irgendwo in der Nähe einen Unterschlupf haben.


''Teil 2<br>''
„Ich wünschte ich hätte darauf eine Antwort, Herr.“ Der Händler nahm noch einen Schluck und überlegte angestrengt. „Natürlich hört man immer wieder von Überfällen. Davor ist man auf der Straße nie gefeit. In den letzten Götterläufen hat es tatsächlich einige Karren in dieser Gegend erwischt. Mal auf dieser Route hier, mal auf der hinter Hornbach nach Waldstein. Aber es war nie so schlimm, dass sich die hohen Herrschaften in Randersburg, Camdenburg oder Rallerau groß damit beschäftigt hätten.“


Torandir von Darben-Dürsten stand hoch aufgeschossen hinter seiner Schwertmutter und hatte bereits Leomara von Keilholtz sowie deren Gemahl Unswin bedient, da Chaantrea am heutigen Abend frei hatte. Nun blieb ihm die Zeit in aller Ruhe den Blick schweifen zu lassen. Es war eine Weile her, dass die Tafel in Geshlas Burg derart gefüllt gewesen war. Wie immer war der alte Oblodor von Mistelstein mit seiner Gemahlin für ihn ein Ereignis der besonderen Art. Er kannte sonst keinen, dessen Temperament mit dem seiner Schwertmutter mit halten konnte. Allerdings bedauerte er sehr, dass Hochwürden von Wasserburg nicht zugegen war. Seine übertriebene Fürsorge gegenüber der Baronin wirkte bisweilen derart belustigend auf ihn, dass er sich auf den Abend mit dem Tempelvorsteher des hiesigen Praiostempels gefreut hatte. Doch jener  hatte sich bereits am Nachmittag durch seinen Novizen wegen Unpässlichkeit entschuldigen lassen. Als die Baronin dies kundt getan hatte, war vom Mistelsteiner so etwas wie „…aus der Ferne glänzt sie am meisten!“ zu hören gewesen. Zu schade aber auch!
„Was es für diejenigen die überfallen werden natürlich nicht weniger schlimm macht“, warf Gerion spitzzüngig ein.


Hamardan von Rotfurt hatte man leider ans andere Ende der Tafel gesetzt, wo er neben Wohlgeboren Ginaya von Alxertis kaum Schaden anrichten konnte. Die beiden kannten sich scheinbar gut, zumindest wirkte ihr Gespräch recht vertraut und wortreich. Ganz anders Derendan von Zillingen, der als Vertreter seiner Familie zugegen war, und mit seinem Nachbarn aus der Familie Bergstamm jediglich ein paar wenige Worte zur Begrüßung gewechselt hatte.
„Da habt Ihr vollkommen Recht, Herr“, pflichtete der Händler aus ganzen Herzen bei. „Aber sagt, was verschafft mir das Glück, dass Aves Euch just zu meiner Rettung schickte?“


Während der Knappe so schaute, fiel sein Blick auf das noch wenig vertraute Gesicht eines jungen Knaben- der Novize des neu erbauten Travia Tempels. Konzentriert hatte dieser den noch vollen Krug zwischen seinem Tempelvorsteher Travidan von Firunslicht-Oppstein und der Herrin Palinai von Isenbrunn hindurch bugsiert, in Richtung des Kelches. Doch dann begann seine Hand auch schon zu zittern. Ob der Krug zu schwer, oder der Bursche zu aufgeregt war, beides war möglich dachte Torandir so bei sich. Jaja, aller Anfang war schwer. Wenn sie entlassen wurden, weil die Herrschaften alleine sein wollten, würde er sicher Gelegenheit haben den Knaben einmal näher kennen zu lernen. Über seine Familie wusste er nichts. Wie sein Alltag wohl im Vergleich zu dem eines Knappen aussah? Seine schier zügellose Neugier begann sich zu regen, und so wartete er ungeduldig die Zeit ab, zu der man sie entlassen würde.
„Wir sind auf der Durchreise nach Luring.“ Wulfhelm blickte sich um und in diesem Moment erschien das erste Kressenburger Ochsengespann an der Wegbiegung. „Sind den ganzen Weg aus Greifenfurt über den Elfenpfad durch den Wald gekommen, deswegen die große Bedeckung. Sag, der nächste Ort ist doch nicht mehr weit entfernt, oder?


''Teil 3<br>''
„In Richtung Luring. Nein, nur etwas mehr als zwei Meilen, dann kommt ihr nach Waldenrath. Ein großer Marktflecken mit fast siebenhundert Seelen.“


„…darum möchte ich am heutigen  Abend, nachdem wir ein so gedeihliches  Beisammensein verleben durften, verkünden, dass ich mich entschlossen habe, meiner ersten Ritterin Leomara von Keilholtz für ihre herausragenden Dienste um die Belange in Gnitzenkuhl - ich erinnere hierbei nur um den wagemutigen Einsatz bei dem Kampf wider das sogenannte Untier am Darpat - ein Rittergut als Lehen zu überlassen.“
„Wirklich dreist, dass diese Bande so nah an einem so großen Ort zugeschlagen hat. Die müssen sich wirklich sicher gefühlt haben.“


Gut gelaunt, und scheinbar gänzlich unempfänglich für das frostige Schweigen von Seiten ihres Vogtes, lächelte die Baronin in die Runde und erhob ihren Kelch in Richtung der soeben ernannten nun lehnspflichtigen Leomara von Keilholtz. Travidan kam ihr sogleich nach, konnte er es doch nur gut heißen, dass die junge Familie endlich ein eigenes Heim bekommen würde. Die Baronin war eben eine wirklich götterfürchtige Frau. Der Ruf, der ihr im hiesigen Raum nachgesagt wurde war völlig haltlos. Oblodor grunzte ein „..das hat se verdient, bei Rondra!, während sein Sohn Anshelm von Mistelstein Leomara über die Tafel hinweg nur zuzwinkerte.
„In Zukunft werden sie wohl vorsichtiger sein.“ Der Keilholtzer wandte sich an den Kutscher. „Hilf Ritter Gerion den Toten auf deinen Wagen zu legen. Auf unseren ist kein Platz. Wir nehmen ihn mit nach Waldenrath und übergeben ihn den Bütteln.“


Unsicher, was Geshla damit im Schilde führte, räusperte sich die Rittfrau kurz, bevor auch sie überrascht lächelnd den Kelch erhob. Ihre Frau Mutter, Palinai von Isenbrunn, hatte noch vor ihr sogleich strahlend den Kelch erhoben und lächelte, als hätte man ihr persönlich den Dank ausgesprochen.  
„Natürlich Herr, das ist mir tatsächlich sehr Recht. Ich hätte heute sowieso nicht mehr allein weiterreisen wollen. Liefern wir diesen Lump ab und morgen schaue ich, dass ich einen Wagenzug finde, dem ich mich nach Rallerspfort anschließen kann.“ Eilfertig sprang er vom Kutschbock. Gemeinsam mit dem Sturmfelser war es ein Ding weniger Augenblicke den leblosen Körper des unglücklichen Räubers auf die Ladefläche zu verfrachten.


‚Von welchem Lehen spricht sie bloss?‘ grübelte die Rittfrau in Gedanken weiter. ‚Stadtritter vielleicht? Welches Gemäuer wollte sie  mir damit nur  zukommen lassen? Innerhalb der Stadt gab es keine Gebäude welche aufgrund mangelnder Erben wieder in Geshlas Besitz gefallen wären. Auch habe ich seit dem Bau des Travia Tempels kein Wort davon gehört, dass Aurentian von Feenwasser weitere Aufträge erhalten soll…!‘
„Gut, dann dreh dein Gespann und unsere Wagen werden sich anschließen.“ Wulfhelm wendete sein Pferd, um den Kressenburger Karren entgegenzureiten. „Gerion, übernimm die Spitze. Ich werde Ingmar indes erklären, was hier gerade vorgefallen ist.


„Auf die Hohe Dame Leomara, möge das Rittergut Mittstätten von nun an ihr, und ihrer Familie ein neues Zuhause sein, so wie es uns Travia gebietet.“ Kam dann schließlich von Seiten Geshlas, die zu diesem Augenblick die Aufmerksamkeit aller auf sich wusste. Überrascht riss Leomara die Augen auf. ‚Das Erbe der Familie der Roten Hand. Diese Schlange…!‘
===Kapitel 2===
In Waldenrath erweckte der Einzug der Kressenburger nicht wenig aufsehen. Bis man am Marktplatz vor dem Wachgebäude der Stadtbüttel angekommen war, hatte sich eine beachtliche Menschentraube hinter dem Wagenzug versammelt. Der herbeieilende Weibel der Wachen war merklich irritiert ob der Vorgänge. Als er von Ritter Wulfhelm über die Umstände aufgeklärt worden war, ließ er sogleich einen Burschen in die Taverne am anderen Ende des Marktplatzes laufen, um zwei zufällig anwesenden Ritter aus Randersburg hinzuzubitten. Nach wenigen Minuten hatten auch diese sich an dem Handelskarren mit der Leiche des unglücklichen Räubers eingefunden.


Kurz herrschte Schweigen, und alle Ortskundigen bis auf Geshla  blickten  aus unterschiedlichsten Gründen auf den Tisch, bis Palinai in die Stille hinein sprach was vermutlich einige dachten: „Aber Hochgeboren, ihr wisst doch so gut wie jeder hier in der Gegend, dass man sich sagt, dass die Geister der Alten nicht ruhen, und das Gemäuer noch immer heim suchen! Nicht umsonst steht es seit… damals leer.
„Praios zum Gruße!“ Der streng dreinblickende Ritter um die vierzig blickte mit deutlichem Missfallen auf die Szenerie. „Was haben wir denn hier?


Kühl musterte Geshla die in die Jahre gekommene Frau, und ehemalige Geliebte ihres Vaters, des Barons Seraminor von Gnitzenkuhl. Was nur hatte er an dieser blassen, farblosen Frau gefunden? Sie konnte nicht aus Ihrer Haut heraus. Nie würde sie Freundlichkeit für diese Person aufbringen können, derentwegen so viel Unheil entstanden war. Ihre besten Jahre waren vorüber, verblüht wie eine Primel, oder am falschen Platze um weiter zu gedeihen.
„Wulfhelm von Keilholtz ist mein Name, der meiner Gefährten Ingmar von Keilholtz und Gerion von Sturmfels“, stellte Wulfhelm als der Älteste die Kressenburger vor. „Wir sind als Bedeckung für einen Handelszug aus Greifenfurt hierhergekommen. Mit wem haben wir das Vergnügen?“ Bei der Frage schaute bewusst die jüngere Ritterin an, welche sich einen halben Schritt hinter dem forschen Rittersmann gehalten hatte.


„Uuuund? Wer, wenn nicht Eure rondragefällige Tochter, nebst ihrem wackeren Gatten, seines Zeichens Mitglied im Orden des Zorns, sollten es schaffen diese dummen Gerüchte zu zerstreuen. Wäre an dem Gemäuer wirklich etwas götterlästerliches, so hätte das zweifellos Hochwürden von Wasserburg ausgemerzt. Oder zweifelt ihr etwa an …?“
„Hagen von Rallerau, Hauptmann der Randersburger Garde!“, antwortete dieser wieder mit befehlsgewohnter Stimme. „Dies hier ist Ritterin Jeswine von Pfortenstein, ebenfalls in den Diensten des Pfalzgrafen von Randersburg. Was also ist hier vorgefallen?“, kam er ohne Umschweife auf seine vorherige frage zurück.


„Sicher nicht Hochgeboren!“ Fiel ihr Leomara da ins Wort und funkelte streitlustig ihre Mutter an. „Wir sind wirklich außerordentlich erfreut, geradezu sprachlos, ob dieser Großzügigkeit Eurerseits.“ Leomara hatte sich wieder gefangen, und war sich sicher, dass egal was dieses Gemäuer für Geheimnisse barg, kaum Grund sein konnte, das Lehen auszuschlagen! Sie schubste Unswin an, damit auch jener seinen Dank bekunden konnte…
„Wir wurden Zeugen, wie dieser Händler hier von einer Gruppe Räuber überfallen wurde. Als sie unser gewahr wurden gaben sie Fersengeld. Jener hier aber fiel unglücklich vom Wagen, den er gerade plündern wollte und brach sich das Genick.“ Der Keilholtzer stellte fest, dass sich die Pfortensteinerin im Hintergrund einen süffisanten Blick auf den Toten erlaubte.


Das schwer vernarbte Gesicht des Ordensritters zeigte ein Lächeln, dass je nach Blickwinkel süffisant, freundig oder nachsichtig wirken konnte, und wohl in diesem Moment tatsächlich eine Mischung all dieser Facetten war. Bedächtig griff der junge Mann mit der Linken zu seinem Kelch, erhob sich und strich dabei mit der Rechten sein Wams zu recht. Dann hob er das Glas mit ernstem Blick in Richtung der Baronin.
„Wohlan, ihr habt wohlgetan und ich danke euch im Namen des Pfalzgrafen für euer Einschreiten.“ Er sah sich zu den Wachsoldaten um. „Weibel, hängt diesen Leichnam in Sichtweiter der Stadt am Waldrand auf. Als Mahnung und Warnung für jene, die versucht sein sollten es seinen Taten gleichzutun.


"Euer Hochgeboren! Frau Travia wünscht von uns Mildtätigkeit und Gastfreundschaft. Ich bin in Eurem Hause häufig Gast gewesen. Ihr habt Euch mir, meinem Orden und nicht zuletzt meiner Familie so freigiebig gezeigt, wie man es sich nur wünschen kann. Nun gebt Ihr meiner Familie ein eigen Heim, einen Platz zum Leben und zum Wachsen. Dafür gebürt Euch Travias Dank." Er machte eine Pause und die Baronin setzte gerade ein strahlendes Lächeln auf, im Begriff dem Ritter zu antworten, als Unswin mit ruhiger Stimme fortfuhr. "Herr Praios fordert von uns aber auch Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit. Deshalb kann ich nicht verhehlen, dass ich ob des schlechten Leumunds des Gemäuers in Sorge bin, dessen Herrin meine Frau nun ist und das meine Kinder zukünftig beherbergen wird. Auch ist mir Euer wachsender Unmut über die derzeitige Situation in Eurer Burg bewusst, der mich zuletzt fürchten ließ Eure Gastfreundschaft über die Gebühr beansprucht zu haben." Das Lächeln Geshlas schmolz sichtbar dahin, doch Unswin hatte noch immer nicht geendet. Er spürte wie Leomara neben ihm unruhig auf dem Stuhl herumrutschte und legte ihr die freie Hand auf die Schulter. "Frau Rondra verlangt zudem von uns sich den Aufgaben aufrecht und mutig zu stellen die Dere für uns bereit hält. Ich werde meine Frau also mit Freuden und nach Kräften dabei unterstützen, sich den Herausforderungen zu stellen die dieses Lehen mit sich bringt. Ganz so wie Ihr es gesagt habt." Unswin führte seine Rechte nun zum Herzen während er in seiner Rede zum Ende kam. "Nicht zuletzt aber will ich meiner Freude Ausdruck verleihen, dass Ihr, Euer Hochgeboren, meine Frau als würdig befunden habt dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Denn dieses Lehen bedeutet nicht nur Heim und Herd für unsere Familie, sondern auch Verantwortung. Den Menschen gegenüber deren Herrin Leomara von nun ab sein wird, aber auch Euch gegenüber, der sie fortan nicht nur Waffentreue sondern auch Rechenschaft schuldet. Ich entbiete euch daher meinen aufrichtigen, von Herzen kommenden, Dank." Unswin hob sein Glas noch ein Stück höher, nahm einen Schluck des köstlichen Weines und setzte sich dann zufrieden wieder auf seinen Platz.
Die Büttel beeilten sich der Anweisung des Rallerauer Ritters nachzukommen.


Nervös nahm Leomara einige tiefe Schlucke. Das war knapp, doch er hatte noch den rechten Ton getroffen wie sie unschwer an Geshlas Miene sehen konnte. Sie griff nach seiner Hand und sah ihn liebevoll an. Unswin erwiderte den Blick, legte dann die Hand auf ihren Bauch und küsste sie zärtlich auf die Stirn, was ihm einen säuerlichen Blick seines Schwiegervaters einbrachte. Seit er den Rahjabund mit seiner Frau geschlossen hatte, beugte der Ordensritter die Regeln der Etikette gerne einmal, was die körperliche Nähe zueinander in Gesellschaft anging.
„Verzeiht, aber ich hielte es für sinnvoll, wenn die hohen Herren und nach Randersburg begleiten würden, um Herrn Udilbert persönlich von den Ereignissen zu berichten.“ Jeswine wandte sich von Hagen an Wulfhelm. „Die Raubüberfälle haben in den letzten Monden merklich zugenommen und ich bin mir sicher, unser Dienstherr hätte da die eine oder andere Frage, die er euch gerne persönlich stellen würde.


"...nachdem wir das also geklärt haben, die Formalitäten werden wir wann anders erledigen, würde ich sagen, dass wir nun hinüber gehen ins Kaminzimmer!"
„Da habt Ihr nicht Unrecht. Der Herr von Hardt packt die Dinge gerne selbst an.“ Hagen sah Wulfhelm fast herausfordernd an. „Wollt ihr uns also begleiten?“


''Teil 4''<br>
„Gerion und ich werden Euch sehr gerne folgen. Ritter Ingmar wird jedoch beim Handelszug verbleiben und Sorge tragen, dass unsere Waren unbeschadet Luring erreichen.“ Er sah wie such der Widerspruch in Hagens Gesicht regte und fuhr fort, bevor er unterbrochen werden konnte. „Mein Vetter war bei dem Scharmützel ohnehin in der Nachhut und hat keinen der entflohenen Räuber zu Gesicht bekommen. Er könnte sowieso nur wiedergeben, was wir ihm über diese Leute erzählt haben.“


Auf dem Weg dorthin sprach sie jemand von hinten an. Es handelte sich um den Führer der hiesigen Nebachoten, Hamardan von Rotfurt.  
„In diesem Fall macht es wirklich keinen Sinn diesen Handelszug aufzuhalten, Herr von Rallerau. Meint Ihr nicht?“ Jeswine wartete das knappe Nicken des Hauptmanns kaum ab, bevor sie sich mit einem gewinnenden Lächeln wieder an Wulfhelm richtete. „Wenn ihr zwei mit uns kommt die den Kampf ausgefochten habt, wird dies vollkommen genügen.


"Mögäh Rondrra waita eurer baida Schwärrtarm führen! Isch bin froh, dass nun ändlich ainä starke Hand wieder das Sagen übernähmen wird in Midstätten. Es wird ja auch Sait, nicht wahr! Oirä Tochter wird sicher ebenfalls eine wackere Streiterin werden." Bei diesen Worten schaute er allerdings vor allem Unswin und nicht Leomara an.
===Kapitel 3===
Wulfhelm war angenehm überrascht. Der knorrige Pfalzgraf aus dem Windhag imponierte ihm mehr als er offen zugeben mochte. Er versteckte sich nicht hinter Prunk und Protz, war klar in seinen Ansagen und ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Ordnung und Sicherheit in dem ihm übertragenen Lehen seine wichtigste Aufgabe waren. Die Kaiserin hätte sich kaum einen besseren Verwalter ihrer Krongüter in Randersburg wünschen können. Sicherlich wäre er als Diplomat zum Lieblichen Feld denkbar ungeeignet, aber hier wo es um ehrliche harte Arbeit und zupackendes Handeln ging, war er in seinem Element.  


Der Ritter war von der ungewohnten Aufmerksamkeit einen Moment überrascht, ergriff dann aber das Wort, als Hamardans Blick auf ihm hängen blieb. "Kor mit Euch, Mar'olum han Rohd'far." Unswin führte zum Gruß die rechte Faust an seine Brust und sah dem einen halben Kopf größeren Nebachoten fest in die Augen. In den Götterläufen die er nun schon zwischen den Nebachoten Perricums zugebracht hatte, hatte er gelernt dieses kämpferische Volk zu respektieren und bemühte sich ihren Sitten zu entsprechen wenn er mit ihnen verkehrte. Lediglich mit diesem unsäglichen Kelsensteiner aus Wasserburg, der seiner Meinung nach mehr Ferkina als Nebachote war, hatte der Ordensritter bisher nicht warm werden können. "Ich danke Euch für Eure Worte. Wenn die Kleine später einmal so kämpft wie sie diese Nächte über schreit, dann wird sie dereinst wohl als große Kriegerin gelten." Er verzog bei diesem Gedanken amüsiert das Gesicht, was seine Narben beunruhigend in Bewegung brachte. "Doch was die Zukunft für uns bereit hält wissen allein die Götter. Diese plötzliche Belehnung zum Beispiel ist nicht unbedingt das Naheliegendste womit wir gerechnet hätten. Ich denke wir werden eine gewisse Zeit brauchen um in Mittstätten alles herzurichten bevor wir endgültig übersiedeln können. Zumal Ihro Hochgeboren keine Eile mit dem Lehnseid zu haben scheint." Fragend sah der Ritter zu Leomara um zu erfahren, was diese wohl zu dem Verlauf der Dinge zu sagen hatte.
„Wir müssen also den Zwölfen danke, dass Ihr gerade zufällig in der Nähe wart“, fasst Udilbert die Geschichte der Greifenfurter gerade knapp zusammen. „Das gefällt mir nicht! Ich hasse es, die Dinge dem Zufall zu überlassen. Zumal uns diese immer dreister werdenden Überfälle Silber kosten, die am Ende des Götterlaufs in der Truhe der Kaiserin fehlen. Hauptmann Rallerau, warum waren Sie und Ritterin Pfortenstein nicht zur Stelle?“


Die ignorierte aber einfach den Blick ihres Gemahls, funkelte statt dessen aber Hamardan an, der nun endlich auch die Güte hatte ihr einen Blick zu schenken.
Der angesprochene nahm Haltung an und blickte zerknirscht drein, während er antwortete. „Wir hatten Weisung über Camden bis Waldenrath zu patrouillieren und über Hornbach zurückzukehren. Der grenznahe Straßenabschnitt nach Rallerspfort lag dieses Mal nicht in unserem vorgegebenen Aufgabenbereich.


"So, EINE starke Hand wird Mittstätten bald führen." Sie lächelte den imposanten Mann keineswegs schüchtern an. Ihr stand momentan zwar nicht der Sinn nach Streit, aber wenn er sie, oder Unswin schon mit den ohnehin nicht ernst gemeinten Worten behelligte, würde sie sicher nicht dazu schweigen.
„Ich verstehe. Also schon wieder. Schon wieder!“ Wütend schlug der Pfalzgraf seine rechte Faust in die linke Handfläche. Dann erkannte er die fragenden Blicke der beiden Gäste aus Kressenburg. „Diese Bande ist raffiniert. Sie unterlaufen unsere Verteidigung, schlagen Finten, sind immer dort wo wir gerade nicht sind. Es ist zum aus der Haut fahren!“ Wie ein gefangener Berglöwe tigerte er ein paar Mal vor seinem Schreibtisch hin und her. „Es ist egal wie oft wir unsere Routen verändern, es ist egal in welchem Rhythmus wir patrouillieren oder welche meiner Ritter ich aussende. Immer schlagen sie uns, schlagen sie mir, ein Schnippchen!“


"Schön, dass ihr erkannt habt, dass wir beide eine Einheit bilden." Verwundert musste sie fest stellen, wie sich ein Lächeln in des Mannes Züge schlich, der bislang kaum ein freundliches Wort für sie übrig gehabt hatte. Er blickte ihr geradewegs in die Augen und senkte auch nicht beim weiter sprechen den Blick.
„Wenn Ihr erlaubt“, begann Wulfhelm und zögerte kurz, bis ein kurzes Nicken Udilberts ihn aufforderte weiterzusprechen. „Ich habe viele Götterläufe in der Wildermark zugebracht. Ritter Gerion hier war in dieser Zeit mein Knappe. Das Aufspüren solcher Banden zählte dabei zu unseren täglichen Aufgaben bei dem schweren Versuch diesem der Gesetzlosigkeit anheimgefallenen Landstrich wieder Ordnung und Frieden zu bringen. Wir erwarten meinen Vetter erst in ein paar Wochen zurück aus Luring. Bis dahin möchten wir Euch gerne unsere Dienste anbieten und bei der Beseitigung dieses Problems behilflich sein. Erwartet bitte keine Wundertaten, aber vielleicht finden wir einen Hinweis, der bisher übersehen wurde.


"Nachbarschafltliche Bande sind in den jetzigen Zeiten wichtig zu pflegen- einerlei ob es sich nun um das Nachbargut handelt, oder um eines im Raschtullswall..." er legte hier eine kleine Pause ein und trank einen Schluck aus dem Kelch, den er noch immer mit sich führte. "...darum hoffe ich, dass wir unsere kleingeistigen Dispute der Vergangenheit überlassen und statt dessen im Hier und Jetzt leben. Feinde bedrohen unsere Heimat, ist es da nicht Zeit gewissen Unstimmigkeiten zu vergessen?"
„Ein frischer unverstellter Blick auf ein altes Bild, hm?“ Udilbert rieb sich den Dreitagebart am Kinn. „Wohlan, wenn dies Euer Wunsch ist. Ich wäre töricht die mir so freimütig angebotene Hilfe auszuschlagen. Ihr sollt auf der Randersburg Kost und Logis erhalten, bis Ihr uns verlassen müsst. Ritter Rallerau! Kümmert Euch darum, jetzt!“ Der Hauptmann stand wieder stramm, grüßte ab und entfernte, sich ohne die Miene zu verziehen. „Ritterin Pfortenstein, ich erteile euch die Aufgabe unseren Gästen alles zu erzählen und zu erklären, was für das Aufgreifen dieser verfluchten Bande notwendig ist. Ich wünsche Resultate! Ritter Keilholtz, Ritter Sturmfels, viel Erfolg.“


"Das ist ein Gedanke den ich nur gutheißen kann", ergriff Unswin wieder das Wort. "Die zwölfgöttliche Gemeinschaft beschäftigt sich schon viel zu lange mit den Streitereien untereinander, im Kleinen wie im Großen. Unser Widerstand gegen unsere wahren Feinde wird dadurch geschwächt, brauchen wir doch Einigkeit um erfolgreich gegen ihre verderbte Macht zu bestehen." Wieder blickte er seine Frau an. Er wusste um ihre Vorbehalte und ihre offene Art mit Streitereien umzugehen. Hier und jetzt bot sich aber eine Gelegenheit zur Versöhnung mit einem nebachotischen Nachbarn, eine der ersten Aufgaben die ihm vom Orden damals mit auf den Weg nach Perricum mitgegeben worden waren. "Du weißt, ich war nie ein Freund der Nebachoten, Leomara, und ich bin mir sicher, dass wir die Aufgaben in Mittstätten allein lösen können. Doch wir haben ohnedies genug Feinde denen wir uns zu stellen haben. Niemand verlangt herzliche Freundschaft, doch ein vernünftiges Miteinander kann uns alle nur stärker machen." Der Ordensritter wusste, dass er seiner Frau nur einen Rat geben konnte. Es war ihr Lehen, Perricum ihre Heimat, wo er nach nur wenigen Götterläufen für viele noch immer ein Fremder war. Er würde ihre Entscheidung in dieser Sache bedingungslos akzeptieren, doch hoffte er, dass seine Worte auf fruchtbaren Boden gefallen waren.
Jeswine, die ihren Vorgesetzten sehr gut kannte, wusste, dass sie die Schreibstube jetzt zu verlassen hatten. Sie gab den Greifenfurtern mit einem knappen Nicken zu verstehen, dass sie vorgehen sollten, und schloss am Ende hinter ihnen die Tür.„Na dann kommt mal mit. Ich hoffe euch ist klar, worauf ihr euch da eingelassen habt. Der Hardt belohnt gute Arbeit und treue Dienste immer, aber wehe, wenn ihr ihn enttäuscht.“ Mit einem freundlichen Lächeln fügte sie dann hinzu: „Ach ja, wenn wir nicht beim alten Hardt sind, könnt ihr mich gerne einfach Jeswine nennen.


Haltung bewahren! Nur keine Miene verziehen... Die Gedanken der Rittfrau überschlugen sich fast. Was im Namen der Götter wusste dieser Fuchs? Oder wusste er nichts und der Vergleich mit dem Gut im Raschtulswall war ein Zufall? Warum sprach er Unswin ausgerechnet auf Yppolita an? Warum nicht auf den Erstgeborenen, der traditionell mehr Gewicht hatte? Ihr wurde ganz übel beim Gedanken daran, dass Marnions Bote unter Umständen bei Hamardan genächtigt haben mochte, und das Schriftstück...! Aber nein, es war doch gesiegelt gewesen, und das Siegel ungebrochen. Um Zeit zu gewinnen täuschte sie einen Husten vor, der ihr ein wenig Zeit verschaffte ihre Fassung wieder zu finden, zumindest nach aussen hin.
===Kapitel 4===
Ein paar Stunden später saßen die drei Ritter zusammen im Scriptorium der Randersburg. Aldemar von Radewitz, der Sekretär des Pfalzgrafen, hatte ihnen auf ihren Wunsch hin alle Schriften zusammengetragen, welche sich in den letzten zwölf Götterläufen im Zusammenhang mit Raubüberfällen angesammelt hatten. Aufgeteilt auf die Jahrgänge, ergab sich tatsächlich schnell ein Bild, welches zu den bisherigen Aussagen passte. Denn die Pergamentstapel wurden für die letzten fünf Götterläufe beständig dicker.


"Sicher, ich werde alle unsere Nachbarn mit gleichem Maß messen, oder", sie setzte ein Lächeln auf, "...vielmehr die gleiche Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Als erste Ritterin der Baronin war ich es, die ihren Willen nach draußen trug, und damit ihr Sprachrohr. Diese Aufgabe wird vermutlich nun jemand anders übernehmen." Sollte er glauben, sie würde sich erpressen lassen, hatte er sich mächtig getäuscht. Geshla würde an ihrer Meinung fest halten, die sie zu den Nebachoten hatte. "Doch ich denke, dieser Abend sollte allen Adligen aus Gnitzenkuhl zeigen, dass Hochgeboren die Bedrohung ernst nimmt, und sich nun zuallererst den Aufgaben stellt, die wichtig sind um dem Feind zu trotzen und ihn zu besiegen."
„Ich denke wir können die Suche eingrenzen“, meinte Gerion in Anbetracht der vielen Schriftsstücke. Er blickte kurz zum Keilholtzer, der bestätigend brummte.  


Der passionierte Pferdezüchter nickte nur kurz zustimmend Leomara zu, ehe er dann zu Unswin gewandt sprach: "Wohl gesprochen. Ein gelungener Abend, und es freut mich ausserordentlich zu hören, dass ihr erkennt, dass Perricum mit seinem bunten Bild an Völkern und Meinungen erhalten werden muss, und nicht eine der Sichtweisen die allein Rechte ist! Wenn ihr mich nun entschuldigt?"
„Die letzten sechs Götterläufe sollten reichen.“ Aldemar trat heran und sammelte die nicht benötigten Schriften sorgsam wieder ein. „Haben wir eine Karte der Randersburger Lande?“, fragte Wulfhelm an den Radewitzer gerichtet.


Unswin ließ dem Nebachoten mit einem höflichen Nicken den Vortritt. So recht wusste er Harmardan und sein Verhalten nicht einzuordnen, aber die für Feinheiten der Gesellschaft, seien es die der Nebachoten oder die der Raulschen, hatte er nie viel Sinn gehabt. Im Grunde hatten sie nur einige belanglose Nettigkeiten ausgetauscht. Das Einzige was er sich davon erhoffte war ein entspanntes Verhältnis mit den zukünftigen Nachbarn, damit er und seine Frau sich den wichtigen Dingen widmen konnten ohne in kleinliche Streitereien verwickelt zu werden. Mit einem Blick auf Leomara erkannte er im von Kerzen erhellten Halbdunkel, dass ihr einige Schweißperlen auf der Stirn standen obgleich es an diesem Abend weder zu warm noch zu schwül war. Sofort gewann seine Besornis wieder die Oberhand.
Dieser nickte. „Ich werde sie holen, wenn Ihr dies wünscht.


"Ist dir nicht wohl mein Herz? Soll ich uns bei Geshla entschuldigen? Die Gesellschaft ist ja groß genug, da wird sie es sicherlich verschmerzen können, wenn wir den Abend etwas früher ausklingen lassen."
„Ja bitte, ich kenne mich in Randersburg nicht aus und ich muss, wissen wie sich diese Meldungen auf die verschiedenen Ecken der Baronie verteilen.“ Der Sekretär ließ sie mit einem stummen Nicken allein. „Sehr gut. Jeswine, Gerion, ihr fangt mit den aktuellen Meldungen an, ich kümmere mich zuerst um die alten Sachen.


"Danke, ... es geht schon. Diese unerwartete Neuigkeit will erst einmal verdaut werden." Deutlich leiser fügte sie hinzu: "...und glaube nicht, dass es ein Leichtes wird das Gut wieder zu alter Blüte zu führen! Man sagt sich sogar die Böden wären verdorben von der Brut die dort hauste!"
„Schon klar“, stichelte der Sturmfelser gegen seinen ehemaligen Schwertvater und pustete theatralisch durch. „Du willst nur nicht so viel lesen müssen. Aber ist wahrscheinlich besser so, sonst sitzen wir nächstes Jahr noch hier.
Entschlossen blickte sie aber in Richtung ihrer Frau Mutter, die unterdessen ein paar Worte mit dem jungen Tempelvorsteher der Travia wechselte, derweil der Medicus und Alchemist Geshlas mit weingeschwängertem Blick unverholen der Zofe Fiorella nachstierte.
"Aber ich bin aus anderen Holz geschnitzt als meine verzagte Frau Mutter. Wir werden das schon schaffen, wenn auch" sie blickte hinab auf den leicht gewölbten Bauch, "die Zeit etwas ungünstig ist um in ein marodes Gemäuer zu ziehen. Ich hoffe ja, dass uns ein wenig Unterstützung zuteil wird beim Umzug."


"Geshla wird uns sicherlich nicht gleich vor die Tür setzen", versuchte Unswin sie zu beruhigen, "zumal der Lehnseid formal noch gar nicht geleistet wurde. Bis das Kind geboren ist werden wir sicherlich noch hierbleiben können und in der Zwischenzeit lassen wir das Gut von den Handwerkern herrichten. Wenn wir erst einmal ein stabiles Dach über dem Kopf haben, können wir uns den anderen Problemen widmen die das Gemäuer bereiten sollte." Eherne Zuversicht sprachen aus der Stimme des Ordensritters. Seit er in Warunk nur knapp Golgari von den Schwingen gesprungen war, ließ er sich nicht mehr so leicht wie früher aus der Ruhe bringen. "Wenn es dann soweit ist wird Chaantrea auf jeden Fall mit zupacken und ich wenn Alfred in der Nähe ist, wird er es sich sicherlich auch nicht nehmen lassen zu helfen. Zudem kannst du auch ein paar deiner zukünftigen Untergebenen mit Karren zur Friedburg bestellen und unsere Sachen abholen lassen."
Jeswine kicherte überrascht los. „Verzeiht, Wulfhelm, ich wollte euch nicht auslachen.“ Ein wenig beschämt wegen ihrer mangelnden Selbstbeherrschung wurden ihre Wangen rot und sie schlug die Augen nieder.


== Reise mit Yppolita ==
„Schon gut, der Knabe da gibt einfach gerne damit an, dass er schneller lesen kann als sein alter Lehrmeister.“ Mahnend hob er den Zeigefinger in Richtung von Gerion. „Mit dem Schwert versohle ich dir trotzdem noch jederzeit den Hosenboden, Jüngelchen.“


Reisestrecke:
„Friede, Wulfhelm, Friede“, grinste dieser und hob abwehrend die Hände. „Lass uns anfangen.“
Kuslik – Punin – Gerbaldsberg – Gareth – Perricum – Seereise nach Festum


'''Dramatis Personae:'''
„Sehr gut“, meinte die Pfortensteinerin, die sich wieder gefangen hatte. „Bis Herr von Radewitz mit der Karte zurück ist, fragt mich sonst einfach, wenn euch nicht klar ist, welcher Ort zu welchem Lehen gehört.“
*[[Nebendarsteller ist::Yppolita von Gareth]]
*[[Hauptdarsteller ist::Garetien:Balrik von Keres|Balrik von Keres]]
*[[Nebendarsteller ist::Garetien:Anaxios Illosos von Ochs|Anaxios von Ochs]]
*[[Nebendarsteller ist::Garetien:Giselbert von Streitzig|Giselbert von Streitzig j.H.]]
*[[Nebendarsteller ist::Greifenfurt:Mechthild von Kieselholm|Mechthild von Kieselholm]], Knappe von [[Briefspieltext mit::Greifenfurt:Ardo von Keilholtz|Ardo von Keilholtz]]
*[[Nebendarsteller ist::Garetien:Firnwulf von Hirschfurten|Firnwulf von Hirschfurten]], Page von Ardo
*[[Nebendarsteller ist::Greifenfurt:Igor Wasjeff|Igor Wasjeff]], Heilmagier aus Norburg


=== Von Kuslik nach Punin ===
Der Keilholtzer nahm das erste Schriftstück in die Hand und überflog es. „Ich habe da gleich was. Wo liegt dieses Bronau?“
'''Auf einem Flußschiff auf dem Yaquier, Ende Ingerimm 1034 BF'''


Balrik saß in seiner Kabine und blätterte in einem grüneingebundenen Hesinde-Büchlein, das er sich in Kuslik besorgt hatte.
Nach ein paar Minuten gesellte sich Aldemar von Radewitz wieder zu ihnen und brachte die gewünschte Karte. Sie breiteten diese auf dem großen Eichentisch vor sich aus und begannen die Meldungen grob zuzuordnen. Als alle Pergamente verteilt waren ergab sich ihnen ein recht klares Bild.


Vor einigen Tagen war er mit dem gerbaldsmärker Pfalzgrafen und dem Magier Anaxios von Ochs aus Kuslik abgereist und begleiteten die Schwester der Kaiserin, Yppolita von Gareth, nach Punin. Dort wolle sie endlich ihre Adeptenprüfung ablegen, wie sie auf dem Magierkonvent verlauten ließ, und anschließend wieder zurück in ihren Exil nach Festum reisen.
„Das hier ist die Reichsstraße, richtig?“, vergewisserte sich Wulfhelm und deutete auf die dicke Linie, welche die Randersburger Land von Ost nach West in eine nödliche und eine südliche Hälfte teilte.


Sie beschloßen bis nach Punin auf einem Flußschiff zu reisen, das den Yaquier flußaufwärts fuhr. Der Kapitän war ein stämmiger Mittvierziger namens Phedro Neander, ein Horasier, der sich sehr umgänglich und von der Anwesenheit der Kaiserinschwester sehr geehrt zeigte. Zu seiner Mannschaft aber war er streng und er ließ keinen Zweifel daran, daß er hier das Sagen hatte.
„Genau“, bestätigte Jeswine. „Hier sind dann die Randersburg, Hornbach, Nuzell, Ettingen, Trullenheim und Waldenrath.“ Erklärend deutete sie auf die größeren Ortschaften der pfalzgräflichen Lande.


Eigentlich wollte auch der greifenfurtener Baron Ardo von Keilholtz Yppolita auf der Reise begleiten. Doch hatte er kurz vor der Abreise den Zorn eines Magiers auf sich gezogen, der ihn kurzerhand mit einer Art Teleportzauber verschwinden ließ – zumindest war das Balriks erster Gedanke.
„Auf der Reichsstraße haben wir erwartungsgemäß fast gar nichts., warf Gerion ein. „Aber wir haben eine massive Häufung firunwärts.


Erst nachdem Anaxios sich mit diesem Magier auseinander setzte, erfuhren sie, daß dieser Magier Thargelion von den Nebelwassern war, ein Zeitmagier, der Ardo einfach kurzerhand einige Monate in die Vergangenheit setzte!
„Das ist das Grenzgebiet nach Waldstein.“, erklärte die Hausritterin. „Die Familie Rallerau wacht seit Generationen über die einzige Handelsstraße über die Raller. Aber auf der Hälfte der Strecke liegt die Grafschaftsgrenze irgendwo mitten im Wald. Auch der Handelweg von Hornbach nach Rallerspfort, die Straße, auf der ihr auf die Räuber gestoßen seid, liegt meistenteils zu beiden Seiten von dichtem Wald gesäumt.“


Balrik hatte schon während seiner Zeit an der Kriegerakademie viele Sagen von einem Magier gehört, der in einem Turm in Weiden wohnte, dem sogenannten Nachtschattenturm, der in der Lage war durch die Zeit zu reisen – und da war auch der Name dieses Zeitmagiers gefallen.
„Ich verstehe. Ein großes unübersichtliches Gebiet, aber nicht genug Leute, um alles sinnvoll mit Patrouillen abzudecken.“ Wulfhelm strich sich nachdenklich durch seinen schwarzen Vollbart. „Ich denke wir können die Meldungen aus dem praioswärtigen Teil abräumen, Herr von Radewitz.“ Adelmar nickte stumm und tat wie ihm geheißen. „Lasst uns diese Schriften hier noch einmal genauer durchsehen, ob wir es weiter eingrenzen können.


Nachdem Anaxios ihnen versichert hatte, daß Ardo kein Leid zugefügt wurde, und derzeit wohl wieder in Greifenfurt weilte, und Balrik und Giselbert geraten hatte, den Magier nicht weiter zu behelligen, gaben sie sich mit der Antwort zufrieden. Dennoch hatte sich Balrik vorgenommen, eine Nachricht ins Kressenburgsche zu schicken um sich zu vergewissern. Auch Yppolita hatte ihnen später geraten, den Magier in Ruhe zu lassen. Auch sie vertraute hier Anaxios' Rat.
„Was mir direkt auffällt, das sind fast alles neuere Meldungen.“ Gerion deutete auf das Datum des ersten Schreibens, welches er in der Hand hielt. „Das ganze alte Zeug, was du hattest, war gut verteilt, aber jetzt häuft es sich im Norden.


Es klopfte an der Tür.
Jeswine war schon einen Schritt weiter. Sie überflog schnell alle Schreiben nach dem Ort der Meldung und hatte bald drei große und ein paar kleinere Stapel geschichtet. „Hornbach, Waldenrath, Rallerau.“ Sie tippte die Orte auf der Karte an. „In diesem Dreieck haben wir die meisten Meldungen.“


"Hoher Herr", hörte Balrik die Stimme eines Matrosen. "Wir erreichen bald Punin."
Wulfhelm nickte anerkennend. „Sehr gut! Wir wissen also, wo diese Bande operiert. Jetzt müssen wir überlegen, wie sie es anstellen auf diesem recht begrenzten Gebiet nie erwischt zu werden.


"Danke. Ich komme gleich."
„Tja, dann werden wir uns die Berichte wohl sehr gründlich durchlesen müssen.“ Der Sturmfelser seufzte gequält.


Balrik steckte das Büchlein weg und packte seine Sachen. Auf dem Deck angekommen sah er bereits die almadanische Fürstenstadt vor ihnen auftauchen. Es war ein sonniger Tag und die Eslamidische Residenz ragte auf dem Goldacker in einem strahlenden Weiß reinsten Eternienmarmors hervor. Auch die Magierakademie der Stadt, ihr Ziel, ragte über die Häuser der Stadt empor und war gut zu erkennen.
„Wenn Ihr wünscht, bin ich dabei gerne behilflich“, meldete sich der Sekretär zu Wort, der gerade damit fertig geworden war die zuletzt aussortierten Schriftrollen wegzuräumen.
Vor nicht einmal einem Jahr, hätten sie es sich nicht erlauben können, so offensichtlich durch das Fürstentum zu reisen. Als noch Selindian Hal die Kaiserkrone beanspruchte und von Punin aus Hof hielt, war es nicht ungewöhnlich, daß Adlige, die zu Kaiserin Rohaja standen, als Geiseln genommen wurden.


Doch nun war Selindian Hal tot und Almada wieder unter der Kontrolle Rohajas, und diese hatte Gwain von Harmamund zum neuen Fürsten von Almada ernannt.
„Aber gerne doch!“ Der Keilholtzer machte eine einladende Handbewegung und deutete auf einen freien Schemel am Tisch. „Achtet auf alles, was gehäuft vorkommt. Irgendein Muster müssen wir finden.


"Eyne bejachtliche Stadt, njecht wahr?", sagte Igor Wasjeff im bornischen Aktzent und trat neben ihn. Auch er war beim Magierkonvent zugegen gewesen und reiste mit ihnen seit Kuslik auf dem Schiff. "Und das Wissen erst, das hier zu finden ist! Eier Schützling hat eyne jute Wahl jetroffet, hier ihre Prüfung abzulegen."
Über ein Stundenglas verging. Das Rascheln von Pergament und das gelegentliche Räuspern eines der Ritter waren fast die einzigen Geräusche in der Schreibstube. Der Radewitzer war mit seinem Stapel als Erster fertig geworden, obgleich es der höchste gewesen war, und blickte erwartungsvoll in die Runde, der noch immer angespannt lesenden Ritter.


Balrik sagte nichts darauf. Der Grund warum Yppolita Punin wählte, war nicht das Wissen das hier zu finden war, sondern weil diese Magierakadmie die einzige Graue innerhalb des Reiches war. Andererseits, wenn es sich Balrik recht überlegte, Yppolita hätte trotz allem wohl kaum eine Akademie gewählt, in der sie nichts erlernen könnte ...
„Ich denke ich habe etwas gefunden“, sagte Adelmar ruhig. Sofort hatte er die Aufmerksamkeit der anderen. Wulfhelm schien dabei fast erleichtert zu sein, den Blick vom Pergament nehmen zu können. „Diese Schreiben hier sind alle von der Stadtwache in Hornbach gezeichnet. Aber offenbar wollte keiner der geschädigten Händler nach Hornbach. Die Überfälle erfolgten sämtlich, nachdem sie Hornbach gen Waldstein oder Rallerspfort verlassen hatten. Interessanterweise wurden zumeist recht wertvolle Transporte überfallen, da ist kaum ein Raubzug dabei, der das Risiko nicht wert war. Außerdem“, ergänzte er, „soweit es in den Berichten vermerkt ist, kamen die Überfallenen zuvor über die Angbarer Reichsstraße, zumeist aus der Reichsstadt Hirschfurt.


Allmählich kamen auch die anderen an Deck, die in Punin aussteigen wollten. Giselbert hatte seinen Lederhut auf dem Kopf und einen Rucksack geschultert. Anaxios war in einer Lektüre vertieft, die er in Händen hielt, und halb abwesend aus dem Schiffsinneren kam.  
Gerion blätterte schnell durch die Schreiben der Büttel aus Waldenrath, welche er vor sich liegen hatte. „Passt auffallend“, bestätigte er knapp „Die wollten alle nach Rallerspfort und kamen aus Hornbach.


Nur Yppolita war bereits an Deck gewesen und betrachtete die Landschaft.
Jeswine und Wulfhelm, die den Stoß der Schreiben aus Rallerau gelesen hatten, sahen sich überrascht an. „Verblüffend“, meinte die Ritterin. „Mir ist auch kein Vorfall untergekommen, wo ein Händler aus Waldstein kommend überfallen wurde. Dir Wulfhelm?“


Auch ein fünfzehnjähriges Mädchen und ein neunjähriger Junge kamen auf das Deck; ebenfalls mit Rucksäcken geschultert. Das Mädchen trug sogar ein Kurzschwert.
Der Greifenfurter schüttelte nur nachdenklich den Kopf. Sein Finger wanderte über die eingezeichnete Reichsstraße auf der Landkarte und blieb auf Hornbach liegen.


"Habt ihr alle Eure Sachen?", fragte Balrik.
„Sie haben einen Informanten. Wenn nicht in Hornbach selbst, dann irgendwo entlang der Reichsstraße. Außerdem vermute ich schon die ganze Zeit einen Maulwurf hier auf der Randersburg, sonst hätten sie in all den Götterläufen längst einmal erwischt werden müssen.“ Er sah den anderen dreien nacheinander in die Augen als er fortfuhr. „Wir können dieser Bande eine Falle stellen, aber außer uns darf nur der Pfalzgraf von diesem Plan erfahren.


"Ja, wir haben alles", antwortete das Mädchen.
Adelmar lächelte hintersinnig. „Ich danke Euch für euer Vertrauen Ritter Wulfhelm. Ihr kennt mich kaum und wollt mich doch mit einbinden.“


Das Mädchen und der Junge waren Mechthild von Kieselhom und Firnwulf von Hirschfurten, die Knappin und Page Ardos von Keilholtz. Balrik hatte sich den beiden angenommen, nachdem Ardo auf solch übernatürliche Weise verschwand.
„Wärt Ihr die undichte Stelle, hättet Ihr uns kaum auf diese Fährte gebracht. Und falls es nicht klappt, seid Ihr danach mein Hauptverdächtiger“, fügte er knurrig hinzu. „Also folgendermaßen, als Erstes brauchen wir zwei einfach Reitpferde, die uns nach Luring bringen…“


Schließlich machte das Schiff an der Pier fest und Yppolita bezahlte den Kapitän für die Reise aus. Anschließend begaben sie sich in die Magierakademie.
===Kapitel 5===
Zwischen Tirolspappeln und Steintal, Grenze zur Baronie Waldfang


== Keilholtzer Neuordnung ==
„Vergiss nicht Ingmar, wenn wir gleich in Steintal einkehren, sind wir Helme und Noreg. Du hast das Kommando und du denkst daran, dich mit dem Namen deiner Frau zu schmücken.“
=== Unerwartete Nachrichten ===
'''[[Handlungsort ist::Greifenfurt:Reichsstadt Greifenfurt|Greifenfurt]], Gasthaus Grafenhaupt, Anfang Rondra 1036 BF'''


Das Gasthaus Grafenhaupt war an diesem Abend gut besucht. Nur mit Mühe hatte [[Hauptdarsteller ist::Greifenfurt:Wulfhart von Keilholtz|Wulfhart]] noch einen kleinen Tisch in der hintersten Ecke gefunden. Ein halbes Stundenglas lang wehrte er alle Tischnachbarn ab, bis endlich [[Nebendarsteller ist::Greifenfurt:Rondwin von Keilholtz|sein Sohn]] das Lokal betrat. Schneidig sah er aus in seiner Uniform und mehr als eine Frau im Raum warf ihm einen zweiten Blick zu, als er sich durch die Stühle und Bänke seinen Weg bahnte.
„Glaubst du wirklich, dass dieser Aufwand notwendig ist?“ Der Greifenfurter Ritter trug einen Wappenrock mit den ungewohnten Farben der Familie Kesselstein. „Das ist schon sehr phexisch für meinen Geschmack. Zumal ihr euren Stand verleugnet.


"Vater." Fast förmlich neigte Rondwin den Kopf, bevor er sich setzte. Mit einem kurzen Handzeichen gab er bei der nächsten Schankmaid seine Bestellung auf. Sie verstand sofort und beeilte sich, denn der junge höfliche Offizier war ein gern gesehener und häufiger Gast. "Du hast mich wissen lassen, dass du mich noch heute Abend hier sprechen willst?" Wulfhart verließ Kressenburg selten genug, um seinen Sohn ahnen zu lassen, dass er wegen etwas Wichtigem gekommen war. Das machte Rondwin neugierig.
„Wir müssen diese Bande nun einmal täuschen, vor allem ihren Informanten. Deswegen bleiben wir bis Waldenrath zwei einfach Fuhrknechte. Wenn unsere Wagen zu schwer bewacht erscheinen, lassen sie uns womöglich passieren, egal wie teuer unsere Waren sind.“ Belehrend hob Wulfhelm den Zeigefinger. „Das darf nicht passieren. Wir wissen nicht, wo sich ihr Versteck befindet, also müssen wir sie dazu bringen uns anzugreifen.


"So ist es. Es gibt ein paar wichtige Sachen, die du erfahren sollst, denn sie betreffen die Familie aber auch dich direkt. Ich war bis vorgestern auf Reisen, sonst hätte ich dich eher aufgesucht, und was ich dir zu sagen habe, wollte ich keinem Brief oder Boten anvertrauen."
„Aber dieser Umweg ist riesig! Wir machen fast eine Rundreise durch die ganze Grafschaft.


"Bitte Vater, rede nicht so lange um den heißen Brei herum. Du siehst mich bereits über die Maßen aufmerksam." Ein mildes Lächeln stahl sich auf die ersten Züge des jungen Keilholtzers. "Du weißt doch, für Geheimnisse war ich schon immer zu haben."
„Wir müssen nun einmal über Hirschfurt und die Reichsstraße nach Hornbach kommen“, warf Gerion ein. „Wir dürfen nicht riskieren dem Informanten versehentlich durch die Lappen zu gehen.


"Nun ja, es ist in diesem Sinne kein Geheimnis und soll es auch nicht sein. Aber die vereinbarten Termine zwingen uns zu einer gewissen Dringlichkeit." Wulfhart unterbrach sich, um von der Schankmaid sein Bier entgegenzunehmen. Sein Sohn schenkte der jungen Frau ein warmes Lächeln, als er seinen Krug nahm, und bat den Vater dann mit einem Nicken fortzufahren. "Gut. Zuerst will ich dir sagen, dass ich wieder heiraten werde. Der Bund wird Mitte Travia in Dreihügeln geschlossen, unten im Nardesfeldschen."
„Genau. Wir mögen drei Tage verloren haben, weil wir über die Luringer Höhen und durch Schwarztannen gereist sind. Aber da wir nicht wissen, wo genau der Informant auf dieser Strecke lauert, müssen wir nun einmal den ganzen Weg gehen.


Rondwins Augen weiteten sich und sein Mund blieb ihm vor Überraschung offen stehen. "Nicht möglich! Vater du siehst mich vollkommen überrumpelt. Wer ist sie? Dreihügeln? Ich habe gehört dort soll es eine neue Perlvögtin aus dem Schlund geben, die mit uns entfernt verwandt ist."
„Mir gefällt es trotzdem nicht, euch das gefährlichste Stück allein reisen zu lassen.“ Ingmars Miene verriet deutlich, wie unglücklich er mit dieser Anweisung Wulfhelms war. „Ich komme mir vor wie ein Verräter.


Wulfhart nickte leicht. "So ist es. Junkerin Gramhild stammt aus einer Seitenlinie des jüngeren Hauses. Sie ist in etwa in meinem Alter, etwas jünger, und eine alte Bekannte des Barons. So kam sie an das Amt, als der alte Perlvogt verstarb."
„Wie gesagt, wir dürfen auf keinen Fall zu wehrhaft erscheinen. Vier Fuhrknechte für die zwei schweren Wagen brauchen wir nun einmal. Aber die Bande hat nur etwa ein halbes Dutzend Leute. Hätten sie deutlich mehr, wären sie nicht Hals über Kopf geflohen und hätten sich gegen Gerion und mich zur Wehr gesetzt. Deswegen musst du uns in Hornbach verlassen und über Randersburg gen Firun reiten. Mit sechs oder sieben dieser verlumpten Gesellen kommen wir schon zurecht. Zumal unsere beiden Kutscher ab Hornbach jeder ihre Armbrust versteckt bereit haben werden. Die Räuber hier haben einfach nicht den Kampfeswillen wie die Wildermärker“, fügte er mit verächtlichem Ton hinzu.


"Ich verstehe." Der junge Mann lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und sann darüber nach, was es für ihn wohl bedeuten würde eine Stiefmutter zu haben. "Und diese Junkerin Gramhild wirst du nun also heiraten?"
„Wohl gesprochen!“ Aus Gerons Stimme klang die Vorfreude auf den bevorstehenden Kampf heraus. „Sorge du nur dafür, dass du mit Jeswine und unseren Pferden in Waldenrath auf uns wartest, damit mir gleich weiterreisen können, falls sich diese Strauchdiebe doch nicht blicken lassen.


"Nein," antwortete der Ältere schmunzelnd. "Ich heirate ihre Tochter Rahjamunde."
„So, und jetzt ist Ruhe.“ Wulfhelm deutete nach vorn, wo hinter dem nächsten Hügel die ersten Hütten von Steintal in Sicht kamen. „Denkt daran Bemerkungen über unsere Ladung fallen zu lassen. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass sich das Netz der Bande von Randersburg bis hierher erstreckt, aber im Zweifelsfall ist es eine gute Übung für die nächsten Tage.


Vor lauter Verblüffung vergaß Rondwin nun vollends den Mund wieder zu schließen. "Die Tochter? Aber wenn die Junkerin jünger ist als du, dann...?"
===Kapitel 6===
Sie hatten das Dorf Haselstein vor einer knappen Stunde passiert, als die Räuber plötzlich aus dem Unterholz zu beiden Seiten auftauchten. Scheinbar nach dem gleichen Muster wie bei dem verhinderten Überfall ein paar Wochen zuvor näherten sie sich den Wagen. Die Frau mit dem Schwert, welche wohl die Anführerin war, stellte sich breitbeinig auf den Weg, um die Ochsen zu stoppen. Schräg neben ihr eilte die Armbrustschützin heran, um Kutscher und Wagenknecht des ersten Wagens, in diesem Fall Wulfhelm mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze, in Schach zu halten. Beim hinteren Wagen übernahm die Sicherung der Bogenschütze, während die übrigen drei Banditen sich mit Speer, Knüppel und Dolchen bewaffnet um die Wagen verteilten.


"Ja, Rahjamunde ist in deinem Alter, etwas jünger sogar noch." Wie schon beim Gespräch mit seinem [[Briefspieltext mit::Greifenfurt:Ardo von Keilholtz|ältesten Sohn Ardo]] konnte sich Wulfhart ein leichtes Grinsen ob der Reaktion nicht verkneifen. "Jetzt tu nicht so, als ob dein alter Vater nicht im Stande wäre seinen Travia-Pflichten nachzukommen und gewöhne dich besser schnell an den Gedanken, dass deine Stiefmutter eine ausnehmend hübsche junge Maid ist. Du und deine Brüder werdet uns nämlich vor den Geweihten geleiten."
„Ihr seid jetzt schön brav, dann passiert keinem etwas!“, tönte die Hauptfrau mit kratziger Stimme. „Einfach sitzen bleiben und die Hände da, wo ich sie sehen...


"Mit dem größten Vergnügen. Ich kann es kaum erwarten sie kennenzulernen." Noch immer vor Unglauben den Kopf schüttelnd trank Rondwin ein paar große Schlucke aus seinem Krug, um die Nachricht zu verdauen. "Das wäre also die erste Botschaft. Verrate mir lieber schnell die nächste, sonst falle ich vor Staunen noch vom Stuhl."
Der Rest der Worte ging in einem erschrockenen Keuchen unter, denn Wulfhelm nutzte das Überraschungsmoment und seinen Höhenvorteil aus. Die Frau mit der Armbrust hatte sich leichtsinnigerweise zu nah an den Wagen gestellt und mit einer schnellen Bewegung trat der Keilholtzer die vorgehaltene Waffe zur Seite. Der Schuss löste sich und der Bolzen grub sich tief in das dicke Holz der Karrenwand neben ihm. Mit einem schnellen Griff zog er das blanke Schwert aus dem Leinenbündel hinter sich und ließ sich vom Kutschbock rutschen. Die Schützin wich instinktiv vor ihm zurück, doch als er ihr nachsetzen wollte, hörte er den Wutschrei der Anführerin hinter sich. Also ließ der die Frau mit ihrer entladenen Armbrust laufen und wandte sich der größeren Gefahr zu.


"Die zweite Nachricht, die ich für dich habe, mein Sohn, ist die, dass du noch vor mir den Travia-Kreis beschreiten wirst." Wulfhart bemühte sich seine Gesichtszüge zu bändigen, damit Rondwin seine Aussage nicht als Scherz missverstehen konnte.
Gerion auf dem hinteren Wagen hatte nur auf dieses Signal gewartet. Auch er zog sein Schwert aus einem Stoffbündel hervor und sprang behände zwei Räubern entgegen, welche ihm mit Speer und Dolchen gegenüberstanden. Anselm, der Kutscher, der neben dem Sturmfelser gesessen hatte, reagierte als nächstes. Mit einem vorher geübten Griff in die Ladefläche hinter sich, holte er eine schussbereite leichte Armbrust hervor. Ohne zu zögern, legte er auf den Bogenschützen an, der sich gerade berappelte. Fast zeitgleich lösten sich die Geschosse. Der Pfeil zischte ohne Schaden anzurichten einen halben Schritt am Kutscher vorbei, während sein Bolzen sich tief in den Oberschenkel des Banditen grub. Brüllend vor Schmerz brach dieser zusammen. Im nächsten Moment stürzte aber auch Anselm mit einem Schmerzensschrei vom Bock und hielt sich den stark blutenden Oberarm. Die Räuberin mit den Dolchen hatte einen davon nach ihm geworfen, bevor Gerion sie hatte abhalten können.


"Moment bitte." Der junge Mann stellte den Bierkrug mit zitternden Händen auf dem Tisch ab. Als er feststellte, dass sein Vater sich keinen Spaß mit ihm erlaubte, versteinerte seine Miene förmlich. "Das ist dein Ernst?"
Baldur, der zweite Kutscher, hatte nun auch endlich seine leichte Armbrust schussbereit. Der letzte Bandit, ein bulliger Typ, den man gut statt eines Ochsen in ein Joch hätte spannen können, hatte sich mit halb erhobener Stachelkeule unentschlossen noch kaum vom Fleck bewegt, da er sich offenbar nicht entscheiden konnte an welcher Stelle er eingreifen sollte. Doch nahm er sehr wohl die Bewegung des Kutschers wahr und als dieser auf ihn schoss sprang er unerwartet geschickt zur Seite. Der Bolzen streifte ihn lediglich an der Schulter und eher wütend als verwundet rappelte er sich wieder auf. Baldur fluchte über den schlechten Schuss, griff nach dem groben Knüppel zu seinen Füßen und stieg mit geübten Bewegungen vom Bock, um dem Angreifer die Tracht Prügel zu verpassen, die er seiner Meinung nach mehr als verdient hatte.


"Ja, das ist es." Wulfhart nickte nachdrücklich und stellte seinen Humpen ebenfalls beiseite. "Der [[kos:Erlan von Sindelsaum|Baron von Sindelsaum]], einer unserer Koscher Nachbarn und Waffengefährte deines älteren Bruders, hat uns gebeten, für seine [[Briefspieltext mit::Greifenfurt:Yolande von Sindelsaum|Tochter Yolande]] einen Ehegatten aus der Familie Keilholtz zu finden. Er wünscht sich einflussreiche Freunde in Greifenfurt und ist gewillt einen nicht unbeträchtlichen Teil seines ebenfalls nicht unbeträchtlichen Vermögens in die Wacht am Finsterkamm fließen zu lassen. Natürlich wird das auch unserer Familie zu Gute kommen."
Die Anführerin der Bande hatte indes erst wenige Hiebe mit Wulfhelm ausgetauscht, doch reichten diese ihr, um zu erkennen, dass sie hier an einen klar besseren Gegner geraten war. Einem Ausfall des Keilholtzers konnte sie mit Mühe ausweichen und nutzte den gewonnenen Abstand, um sich mit einem lauten Rückzugsbefehl auf den Lippen zur Flucht zu wenden. Die restlichen Banditen ließen sich das nicht zweimal sagen. Der mit dem Speer zwang Gerion mit einem wilden Stoß zum Zurückweichen, dann drehten er und seine Spießgesellin sich um und rannten in den Wald. Der bullige Kerl mit der Stachelkeule ließ unterdessen von Baldur ab, den er bereits bis zurück an die Karrenwand gedrängt hatte und verschwand in die andere Richtung. Lediglich der sich noch immer vor Schmerzen windende Bogenschütze lag auf dem Waldboden neben dem hinteren Wagen.


"Aber warum ausgerechnet ich, Vater?" In Rondwins Stimme lag ein Hauch von Verzweiflung. "Ich habe noch zwei Brüder, die dem sicherlich offener gegenüberstehen würden."
„Wulfhelm, komm her, wir haben einen! Und Anselm blutet wie ein Schwein!“


"Ganz einfach," begann Wulfhart ruhig zu erklären. "Für [[Briefspieltext mit::Greifenfurt:Firnward von Keilholtz|Firnward]] habe ich bereits andere Pläne und [[Briefspieltext mit::Greifenfurt:Travhelm von Keilholtz|Travhelm]] steht sowieso nicht zur Debatte. Du und Yolande seid in etwa im selben Alter. Sie hat zuletzt an der Seite ihren Schwertvaters in der Wildermark gekämpft und nach der Märkischen Schlacht dort den Ritterschlag erhalten. Ihr Vater hat sich beim neuen Meister der Mark um ein Lehen für seine Tochter bemüht. Soweit ich weiß, wird sie ein Junkerngut in Weihenhorst erhalten. Du machst also eine blendende Partie." Der Ritter wusste, dass er seinen Sohn böse überrumpelt hatte und versuchte ihm nun alles schmackhaft zu machen. Auch wenn es letztlich nicht darauf ankam, denn Wulfhart war das Familienoberhaupt und seine Söhne hatten ihm zu gehorchen.
„Orkendreck! Ja ist gut, ich komme!“ Wulfhelm erhaschte einen letzten Blick auf die Flüchtenden, griff dann nach dem Leinentuch, in welchem sein Schwert verborgen gewesen war und eilte damit zum hinteren Wagen. „Baldur!“, herrschte er im Vorbeirennen den zweiten Kutscher an. „Pass auf, dass sich der Angeschossene da nicht davonwieselt! Ich habe Fragen!“


"Ich will diese Yolande von und zu Sindelsaum nicht ehelichen, Vater." Mit merkwürdiger Ruhe hatte Rondwin die Worte gesprochen, mit denen er seinem Vater das erste Mal im Leben widersprach. "Wärst du damit vor einigen Wochen gekommen, hätte ich mich deinem Wunsch ohne zu Zögern gefügt, doch jetzt sehe ich mich dazu außerstande."
Die kampferfahrenen Ritter entfernten mit geübten Handgriffen den tiefsitzenden Wurfdolch und innerhalb weniger Minuten war der unglückliche Kutscher verbunden. Der Keilholtzer hieß ihn sich vorerst an eines der großen Wagenräder zu lehnen und zu ruhen, während er zusammen mit dem jungen Sturmfelser den gefangenen Räuber verhören wollte.


"Was soll das heißen, Junge?" Jetzt war es Wulfharts Miene, die zu Stein wurde, während er seinen Zweitgeborenen streng musterte. "Hast du dich etwa ohne mein Wissen bereits gebunden?"
„Nun zu dir Bursche!“ Grob packte er ihn unter den Schultern, zwang ihn auf die Beine und drückte ihn mit dem Rücken an die Karrenwand. „Oho, ich erkenne dich doch! Du hast uns vorgestern in der Taverne in Blaustein das Bier ausgeschenkt!“ Wulfhelm schnalzte mit der Zunge. Hier war also derjenige, der für die Bande die Handelszüge ausgespäht hatte. „Der Bolzen sitzt gut und du wirst verbluten, wenn dir nicht schnell geholfen wird. Also verschwende deine und meine Zeit nicht und sage mir einfach, für wen ihr arbeitet. Wer ist euer Auftraggeber?


"Nein, das nicht. Zumindest nicht vor Travia," wand sich Rondwin verlegen und sah auf die Tischplatte. "Aber es gibt da ein Mädchen, Vater, und... sie erwartet mein Kind. Ich habe ihr versprochen sie zu heiraten, bevor ihr Zustand allgemein bekannt wird." Kaum war es heraus, schaute der junge Mann auf und sah seinen Vater besorgt an. Das letzte, was er provozieren wollte, war ein Familienstreit in einer vollbesetzten Taverne.
„Der Ritter…“, jammerte der Räuber erbärmlich. „Bitte lasst mich runter… argh!“


Wulfhelm indes blieb für ihn selbst überraschend ruhig. Auch er war nicht auf Streit aus, sondern versuchte das Beste aus der Situation zu machen. Er atmete dreimal tief durch und lehnte sich dann zu seinem Sohn nach vorn. Um ein wenig Zeit zu bekommen seine Gedanken zu ordnen, stellte er erst einmal nur eine einfache Frage. "Wer ist das Mädchen?"
Wulfhelm hatte den Kragen fester gepackt und ihn einmal durchgeschüttelt. „Welcher Ritter? Gib mir den Namen, dann bin ich sogar bereit dich mit zum nächsten Peraine-Tempel zu schleppen.“ Gnädig ließ er den Verwundeten sich wieder setzen und ging vor ihm in die Hocke, um ihm eindringlich in die Augen sehen zu können. Gerion stand mit finsterer Miene und verschränkten Armen auf der anderen Seite.


Rondwin sah sich um und deutete dann mit einem Nicken zu der Schankmagd, die sie beide bedient hatte. "Ihr Name ist Hildelind. Sie und ihre Familie sind aus der Wildermark geflohen und sie arbeitet seit ein paar Monden hier. Ich habe bei der letztjährigen Zwölfgöttlichen Turney im Rahja zu viel getrunken und erwachte am nächste Morgen mit ihr auf einem der Zimmer." Flehend griff er nach des Vaters Hand. "Ich bitte dich, Vater, ich habe es ihr bei meiner Ehre versprochen. Außerdem wird ihr Vater sie zum Stadttor hinausprügeln, wenn er es erfährt. Sie hat furchtbare Angst deswegen. Nachdem sie es mir gebeichtet hatte, konnte ich sie nur mit Mühe davon abbringen sich in die Breite zu stürzen. Hab auch Mitleid mit ihr und lass sie nicht für meinen Fehler büßen. Es ist meine Verantwortung und ich akzeptiere jede Strafe, wenn sie nur nicht darunter zu leiden hat."
„Rothbert! Ritter Rothbert von Hold… ARGH…“ Mit einem schmatzenden Geräusch grub sich ein Bolzen in die Brust des Gefangenen. Ein Schmerzensschrei, dann sackte er tödlich getroffen zur Seite. Wulfhelm wich eilig zurück und drehte sich zum Wald.


"Es ehrt dich, dass du die Verantwortung übernimmst und sie zu schützen versuchst. Doch zu einer rahjagefälligen Nacht gehören immer zwei." Noch immer grübelte Wulfhart über die Folgen des Geschehenen. "Wann hattest du eigentlich vor es mir zu sagen?"
Gerion hatte bereits reagiert. Er rief Baldur an seine Seite und stürmte das Schwert voran ins Unterholz. Nach ein paar Minuten kehrten sie jedoch unverrichteter Dinge wieder zurück.


"Ich weiß es selbst erst seit ein paar Tagen. Seitdem habe ich gegrübelt, wie ich dich um deine Segen bitten sollte. Dann kam gestern deine Nachricht, dass du mich treffen willst. Da dachte ich, die Götter hätten es so gefügt und wollte es dir heute offenbaren."
„Keine Chance ohne Spürhund. Das Unterholz ist einfach zu dicht.“ Wütend trat der Sturmfelser gegen das nächste Karrenrad. „Was machen wir jetzt?“


Der Vater betrachtete die Hand seines Sohnes lange, ehe er zu einem Entschluss gekommen war. Er löste den Griff und beugte sich vor, damit er sicher war, dass nur Rondwin ihn verstehen würde. "Hör mir genau zu mein Sohn. Du wirst Yolande von Sindelsaum am 30. Tag des Rondramondes auf der Kressenburg ehelichen und ihr in Travias Namen ein treuer Ehegatte sein, mit allen Rechten und Pflichten. Ich verlange nicht, dass du sie liebst, aber du wirst deine Pflicht tun. Betrachte es meinethalben als deine Strafe. Um dein Liebchen werde ich mich kümmern. Ihr geschieht nichts Böses, das verspreche ich dir. Ich sorge dafür, dass es ihr und dem Kinde an nichts mangeln wird. Doch von dir verlange ich, dass du dich ab sofort und in Zukunft von ihr fernhälst. Du wirst noch heute deine Sachen packen und mich morgen früh zurück nach Kressenburg begleiten. Sollte irgendetwas davon herauskommen und unseren Vertrag mit dem Sindelsaumer gefährden, werde ich das Mädchen wie eine heiße Rübe fallenlassen. Hast du mich verstanden?"
„Wir setzen den Weg wie besprochen bis Waldenrath fort. Wir haben einen Namen. Ritter Rothbert von Holdirgendwas. Jeswine wird sicherlich etwas damit anzufangen wissen. Außerdem liegt der nächste Peraine-Tempel auch dort, da können wir gleich Anselm zu einer Geweihten bringen.


"Klar und deutlich Vater." Rondwins Stimme war leise und tonlos. "Ich bin dein getreuer Sohn und gehorche." Seine Gestalt sackte auf dem Stuhl zusammen bevor er sich daran erinnerte wo er sich befand und um Haltung bemüht den Rücken und die Schultern durchstreckte. "Wenn du mich entschuldigst Vater, ich möchte jetzt zur Garnision zurückkehren und anfangen zu packen."
„Sehr gut.“ Der jüngere Ritter sah sich kurz um. „Baldur, hilf mir den Toten zu verladen. Vielleicht erkennt ihn jemand und kann uns noch mehr zu ihm sagen. Ansonsten freut sich die Büttel in Waldenrath sicherlich, dass sie noch einen zur Warnung aufhängen können.


"Natürlich mein Sohn. Ich erwarte dich bei Sonnenaufgang an [[Greifenfurt:Answins Sicht|Answins Sicht]]." Mit einem stummen Nicken verabschiedete sich Rondwin vom Vater und verließ eiligen Schrittes das Gasthaus, während Wulfhart sich mit einem schwerem Seufzen wieder seinem Bier zuwandt.
===Kapitel 7===
Nachdem die Dinge in Waldenrath geregelt waren und Ingmar mit Karren gen Greifenfurt aufgebrochen war, ritten Wulfhelm, Gerion und Jeswine über Camden zurück nach Randersburg. Zu ihrer Überraschung, aber auch Freude hörten sie, dass auch Ritter Rothbert seit dem Vorabend auf der Burg weilte. Nach einem kurzen Rapport beim Pfalzgrafen, entschied dieser seine Ritter und Hofgeweihten zur Klärung der Angelegenheit im Rittersaal zusammenzurufen.


=== Versöhnung ===
Udilberth von Hardt hatte den Saal freiräumen lassen. Tische und Bänke waren an die Seitenwände geschoben. Am Kopfende des Saales, unter dem großen Wappenbanner Randersburgs, waren ein paar gepolsterte Lehnstühle aufgestellt, auf denen der Pfalzgraf selbst nebst Gattin zu seiner Linken Platz nahm. Zu seiner Rechten saßen dagegen die Geweihten des Herrn Praios, Audora von Ystar, und der Herrin Rondra, Albin von Radewitz. Ganz außen hatte man an einem kleinen Tisch samt Schemel aufgestellt, an welchem der pfalzgräfliche Sekretär Aldemar von Radewitz als Schreiber fungierte. Die Ritter des Hofes hatten sich indes auf den Bänken zu beiden Seiten zusammengefunden.
'''[[Handlungsort ist::Greifenfurt:Burg Kressenburg|Kressenburg]], Mitte Efferd 1036 BF'''


Wulfhart nimmt seinen Bruder Roderich und dessen Kinder wieder in die Familie auf
„Meine Herrschaften, Ihr fragt Euch sicherlich, warum ich Euch zusammenrufen ließ“, eröffnete Udilbert die Versammlung ohne große Einleitung. „Es ist keine Kleinigkeit wie Ihr Euch sicherlich denken könnt. Um es kurz zu machen, es gilt Gericht zu halten über einen der Anwesenden.“


=== Ein wilder Märker ===
Ein Raunen ging durch den Saal. Ein jeder blickte seinen Nebenmann an, doch waren die meisten Blicke recht ratlos.
'''[[Handlungsort ist::Greifenfurt:Burg Kressenburg|Kressenburg]], ??? 1036 BF'''


Heimkehr von Wulfharts jüngerem Bruder Wulfhelm, der mit Ludalf von Wertlingen in der Wildermark war
„Ritter Keilholtz!“, beendete Udilberts donnernde Stimme das eingesetzte Getuschel. „Tretet vor Uns und tragt Eure Klage vor.“


=== Schlagwetter ===
Wulfhelm erhob sich und das Getuschel der Höflinge setzte wieder ein. Außer ein paar Hausrittern war er niemandem bekannt und nur Gerion und Jeswine wussten was nun kommen sollte.
'''[[Handlungsort ist::Greifenfurt:Burg Kressenburg|Kressenburg]], Ende 1036 BF'''


Den alten Junker Bogumil trifft der Schlag.
„Ihro Gnaden“, verneigte er sich zuerst vor der Geweihtenschaft, „euer Hochwohlgeboren von Hardt. Ich bin Wulfhelm von Keilholtz, Ritter aus Kressenburg, und ich erhebe Anklage gegen den Ritter Rothbert von Holdbrucken! Ich beschuldige ihn der Anstiftung und Unterstützung von Wegelagerei in den Randersburger Landen!“


== DEUS VULT ==
„Das ist unerhört! Wie könnt Ihr es wagen?“ Ein stark ergrauter Mittfünfziger erhob sich sichtlich erzürnt von der gegenüberstehenden Bank. Sein Wappenrock zeigte zwei weiße Schwanenköpfe auf blauem Grund die einen goldenen Reif zwischen sich in den Schnäbeln hielten. „Wie kommt Ihr dazu mir dergleichen zu unterstellen? Was gibt Euch das Recht dazu? Ich kenne Euch überhaupt nicht!“
=== Keine goldenen Zeiten ===
 
{{Brief
„Und ich kannte Euch bis zu diesem Zeitpunkt nicht.“, erwiderte der Greifenfurter ruhig. „Aber ich bin Euren Spießgesellen begegnet, als sie den Handelszug überfielen, für dessen Sicherheit ich meinem Dienstherrn, dem Baron von Kressenburg, verpflichtet war. Zumindest einer dieser Strolche stammte aus Eurem Lehen, dem Dorf Blaustein. Er nannte mir sterbend Euren Namen als Kopf hinter diesem Raubgesindel, welches, wie ich hier erfuhr, wohl schon seit einigen Götterläufen die Wege firunwärts der Stadt Hornbach unsicher macht.“
|Adressat=An Seine Hochgeboren
 
„Es ist unerhört!“, schimpfte der ältere Ritter weiter und wandte sich nun an den Pfalzgrafen. „Euer Hochwohlgeboren, ich verbitte mir derlei infame Unterstellungen von einem Dahergereisten! Zumal er seine Anschuldigungen auf Grundlage der angeblichen Aussage eines toten Gemeinen erhebt.“
 
„Wenn Ihr meinem Ehrenwort allein nicht glauben wollt, so rufe ich Ritter Gerion von Sturmfels auf.“ Wie auf Kommando erhob sich der Genannte und trat einen Schritt vor. „Er hat mich begleitet und kann die letzten Worte des Banditen ebenso bezeugen.“
 
„Es ist mir gleich, was dieser Lump Euch gesagt hat! Wenn er meinen Namen in diesem Zusammenhang erwähnte, war das eine Lüge, um mir zu schaden!“ Wieder ging ein Blick fast flehentlich zum Pfalzgrafen. „So weit kommt es wohl noch, dass ich meinen guten Namen durch jenen hier“, deutete er wild mit dem Zeigefinger auf Wulfhelm, „in den Dreck ziehen lassen muss.“
 
„Genug.“ Die Stimme der jungen Praiosgeweihten war nicht laut, doch genügte es vollkommen, um den Saal sofort zum Schweigen zu bringen. Audora erhob sich würdevoll und sah erst Rothbert und dann die Greifenfurter für einen langen Augenblick an. „Ritter Wulfhelm von Keilholtz, Ritter Gerion von Sturmfels, seid Ihr bereit vor dem Götterfürsten einen Eid abzulegen, dass Eure Worte der Wahrheit entsprechen?“
 
Die Angesprochenen senkten ehrerbietig ihr Köpfe. Ohne sich zuvor anzusehen, antworteten sie fast zeitgleich. „Das sind wir Euer Gnaden.“
 
„Ritter Rothbert von Holdbrucken“, fuhr die Geweihte fort, „seid Ihr bereit vor dem Götterfürsten einen Eid abzulegen, dass die gegen Euch erhobenen Anschuldigungen unwahr sind?“
 
„Euer Gnaden, ich erkenne wirklich nicht, warum das notwendig sein sollte. Meine Ehre als Ritter sollte hier nicht in Frage gestellt werden und…“
 
„Seid Ihr bereit Eure Unschuld zu beschwören?“ Audoras Stimme war eine ganze Spur schärfer geworden und schnitt dem Ritter förmlich das Wort ab.
 
„Euer Hochwohlgeboren“, wandte sich Rothbert flehentlich an den Pfalzgrafen, „das muss doch nicht sein. Ich habe Euch immer treu gedient…“
 
„GENUG!“ Diesmal hallte die Stimme der Praiosgeweihten wie Donnerhall durch den Rittersaal. Ohne Eile, fast lauernd konnte man es nennen, ging sie auf den Blausteiner Ritter zu und blieb etwa einen Schritt vor ihm stehen. „Ich frage euch nun zum dritten und letzten Mal. Seid Ihr bereit Eure Unschuld im Namen des Götterfürsten zu bezeugen?“ Ihr Tonfall sprach von einer Autorität, die kein derischer Truppenführer und keine Landesherrin jemals erreichen würden.
 
Rothbert stand wie erstarrt vor der halb so alten und etwa einen halben Kopf kleineren Audora. Ihr Blick bohrte sich wie güldene Pfeile in seine Augen und ließ nicht zu, dass er sich von ihr abwandte. Seine Lippen begannen unkontrolliert zu beben. Er öffnete den Mund, um zu sprechen, doch statt einer Antwort sank er schluchzend vor ihr auf die Knie.
 
===Kapitel 8===
„Wie gut, dass Rothbert am Ende doch noch mit der Sprache rausgerückt ist, wo das Lager dieser Strauchdiebe finden zu finden ist.“ Jeswine drückte die niedrigen Äste des Unterholzes zur Seite, damit Wulfhelm und der Rest des Trupps hinter ihm ihr folgen konnten. „In diesem Gestrüpp hätten wir sie über Monde nicht gefunden. Bis dahin hätten sie längst Wind davon bekommen, dass sie aufgeflogen sind und sich über die Raller davon gemacht.“
 
„Das könnte wohl damit zusammenhängen, dass der Hardt dem Holdbrucken nochmal klar gemacht hat, dass er so oder so zu Boron geht“, meinte der Greifenfurter lapidar, „und ihm die Wahl gelassen hat zwischen dem ehrlosen Strick und dem gnädigen Richtschwert.“
 
„Ich glaube ja eher, dass es Ihro Gnadens Predigt von den ewigen Qualen in den Niederhöllen war, die ihn erwartet, wenn er vor dem Tode nicht angemessen Reue zeigt.“
 
„Sehr gut möglich.“ Der Keilholtzer hatte in seiner Zeit in der Wildermark zu viele menschliche Abgründe kennengelernt, um sich noch ernsthaft Gedanken über die möglichen Beweggründe von Verbrechern zu machen. „Mich beeindruckt übrigens Ritter Hagen. Sein Schwiegervater wurde der Wegelagerei und Hehlerei überführt und zum Tode verurteilt. Aber er war der Erste, der sich gemeldet hat, als es darum ging einen Trupp zusammenzustellen, der das Versteck ausräuchert.
 
„So wie ich ihn kennengelernt habe, ist er ein sehr ehrbarer Mann. Loyal und dem Pfalzgrafen treu ergeben. Dass der Holdbrucken seine Ehre wegen ein paar Spielschulden verkauft hat, hat den Hauptmann vermutlich mehr mitgenommen als jeden anderen auf der Randersburg.“
 
Das Geräusch einer sich lösenden Armbrustsehne ließ den erfahrenen Ritter instinktiv reagieren. Unvermittelt warf er sich auf Jeswine und rollte mit ihr ihn den nächsten Busch, während dort wo sich soeben noch der Kopf der Ritterin befunden hatte, ein Bolzen in den nächsten Baumstamm einschlug.
 
„Verzeih“, keuchte Wulfhelm, als er auf Jeswine zu liegen kam, sodass ihre Gesichter nur wenige Finger voneinander getrennt waren. „Ich hoffe du unterstellst mir jetzt keine Unsittlichkeit.“, fügte er in halb scherzhaftem Ton hinzu.
 
„Aufregend“, atmete sie schwer unter ihm, im Bewusstsein gerade haarscharf dem Tod entronnen zu sein. Dann verklärte sich ihr Blick etwas, als sie Wulfhelm tief in die Augen sah. „Und wahrlich nicht so unangenehm, dass du dich dafür entschuldigen müsstest.“
 
„Uh, nehmt euch ein Zimmer, bitte.“ Gerion hatte im Eilschritt aufgeschlossen, um zu sehen, ob seinem alten Schwertvater und der Pfortensteinerin nichts geschehen war. „Kommt schon, dafür habt ihr später noch Zeit. Jetzt müssen wir schauen, dass uns diese Halunken nicht entwischen.“
 
Neben ihnen liefen gerade leicht geduckt Hauptmann Hagen, Ritterin Quelina und Ritter Aldemar vorbei.
 
„Hardt, Ihr nach links, Plitzenberg, die rechte Flanke! Greifenfurt, nachrücken!“ Der Rallerauer war offenkundig in seinem Element und stürmte grimmig voran.


[[Nebendarsteller ist::Greifenfurt:Ardo von Keilholtz|Ardo von Keilholtz ä.H.]]
„Dann wollen wir mal.“ Gerion zog erst Wulfhelm auf die Beine und sammelte dann die beim Sturz verlorenen Schwerter der beiden auf.  


Baron zu Kressenburg
Der Keilholtzer nahm indes die Ritterin an beiden Händen und hob sie mit Leichtigkeit hoch. Als Jeswine vom Sturmfelser ihr Schwert gereicht bekam, trat sie ganz nah an Wulfhelm heran, der zwischen ihnen stand, und griff um ihn herum. „Ich danke dir“, sagte sie leise, als ihr Lippen auf Höhe seines Ohrs waren. Es hätte für jeden der beiden Ritter gedacht sein können. Sie nahm ihr Schwert von Gerion entgegen, löste sich vom sprachlosen Wulfhelm und eilte den anderen Randersburger Rittern hinterher.


|Text=Praios zum Gruße!
„Komm, alter Mann, oder bist du versteinert?“, holte der Sturmfelser seinen Schwertvater aus den Gedanken. „Es wäre doch eine Schande, wenn wir den Reichsforstern den ganzen Spaß allein überlassen.“


Uns ist durch seine Hochwürden [[Briefspieltext mit::Greifenfurt:Badilak von Praiostann|Badilak von Praiostann]] kund getan worden, dass Ihr in den Euch zum Lehen gegebenen Kressenburger Landen den Neubau eines dem Herrn Praios geweihten und seinem Diener Garafan gewidmeten Tempels in Angriff nehmen wollt. Wir begrüßen dieses Unterfangen ausdrücklich und erteilen Euch dafür den Segen des Götterfürsten.
„Quatsche nicht und geh vor“, grummelte Wulfhelm mürrisch und nahm sein Schwert. „Los! Vermutlich werden wir wieder irgendeinen von ihnen retten müssen.


Uns wurde ebenso Euer Wunsch mitgeteilt, dass sich die Kirche des Götterfürsten an den anfallenden Kosten Eures Bauvorhabens beteiligen möge. Hierzu sei Euch gesagt, dass die Mittel die der Praios-Kirche in den Landen der Markgrafschaft Greifenfurt zur Verfügung stehen begrenzt sind. Dem gegenüber erscheinen uns die Aufgaben und Verpflichtungen denen Wir Uns derzeit gegenübersehen so mannigfaltig, dass Wir sie nicht in einfache Worte oder Zahlen zu fassen vermögen. Das sorgsame Auge des Götterfürsten liegt derzeit auf den Teilen der Mark, welche die Bürden der vergangenen Götterläufe weniger unbeschadet überstanden haben, als es bei den Kressenburger Landen der Fall ist.
{{Trenner Garetien}}


Wir vertrauen darauf, dass Ihr das Versprochene und Begonnene zu Ehren des Götterfürsten mit der gebotenen Ernsthaftigkeit vorantreibt. Unsere Gebete werden Euch auf diesem Weg begleiten.
Der Kampf im Versteck der Diebe war kurz gewesen. Die von Hauptmann Rallerau befohlene Zangenbewegung hatte dafür gesorgt, dass keiner der übrigen fünf Räuber entkommen konnte. Gegen Hagen, Quelina und Aldemar hatten sie sich noch erfolgreich zur Wehr gesetzt, zumal sie nicht mehr hatten überrascht werden können, doch als dann noch Jeswine, Wulfhelm und Gerion in den Kampf eingegriffen hatten, waren die Verbrecher schnell überwältigt worden. Zwei wurden niedergemacht, drei lebend nach Randersburg gebracht, wo sie vom Pfalzgrafen nach kurzem Prozess zum Tod durch den Strang verurteilt wurden. Rothbert von Holdbrucken blieb wie ihm versprochen wurde das Spektakel auf dem Marktplatz erspart. Sein Richtplatz befand sich im Großen Hof der Randersburg, vor den Stufen des Rondra-Tempels. Nachdem Kopf und Rumpf des Ritters fortgeschafft worden waren, bat Udilbert von Hardt den Keilholtzer noch einmal in seine Schreibstube.


Die Zwölfe mit Euch, Praios voran!
„Ritter Keilholtz“, fing der Pfalzgraf wie es seine Art war ohne große Umschweife an, sobald die Tür hinter ihnen verschlossen war. „ich möchte mich noch einmal persönlich dafür bedanken, dass Ihr Euch in dieser Angelegenheit so sehr bemüht habt. Ihr habt mir und damit dem Reich und der Kaiserin einen großen Dienst erwiesen. Aus diesem Grund möchte ich euch nun eine Frage stellen. Steht Ihr im Lehensverhältnis zu Eurem Herrn oder sonst irgendwem, oder seid Ihr ein einfacher Dienstritter?“


|Absender=Seine Ehrwürden
„Weder noch, Euer Hochwohlgeboren.“ Wulfhelm beeilte ob Udilberts fragenden Blick diesen Umstand aufzuklären. „Tatsächlich ist mein Dienstherr, der Baron zu Kressenburg, mein eigener Neffe, der Sohn meines ältesten Bruders. Als ich vor einiger Zeit, nach vielen Götterläufen des Dienstes für die Krone, mit nichts als meinem Pferd, meiner Rüstung und meinem Schwert aus der Wildermark heimkehrte, nahm er mich in seine Dienste, damit ich ein Auskommen und einen Sinn auf Dere habe und nicht etwa zum Heckenritter verkomme. Ich besitze seitdem nicht sehr viel mehr als zuvor, doch muss ich mir zumindest um die nächste Mahlzeit oder die Reparatur meiner Rüstung keine Sorgen mehr machen.“


[[Hauptdarsteller ist::Greifenfurt:Praiomon Caitmar von Dergelstein|Praiomon Caitmar von Dergelstein]]
„Ich verstehe.“ Der Hardt nickte wie zu sich selbst. „Das erleichtert mein Anliegen ungemein. Wie Euch nicht entgangen sein dürfte, stehe ich gerade vor der Aufgabe ein vakantes Lehen neu vergeben zu müssen. Ritter Holdbrucken hatte natürlich Kinder. Seine älteste Tochter lebt hier auf der Randersburg und ist die Gemahlin meines Gardehauptmanns, was Ihr vielleicht schon wisst. Doch ist mein Vertrauen in die Familie Holdbrucken gerade nicht das Beste, wie Ihr Euch sicherlich ebenfalls vorstellen könnt. Da es sich bei der Herrschaft Blaufelden zudem rein rechtlich um kein erbliches Lehen handelt, steht es mir frei jemanden Geeignetes für diese Position zu finden. Um es kurz zu machen, mir hat Euer Verhalten, Eure Tatkraft und Gewitztheit sehr imponiert. Ich erkenne in Euch einen erfahrenen, zupackenden Kämpen und da keine anderen Verpflichtungen Euch binden, biete ich Euch an, die Herrschaft Blaufelden zu übernehmen und damit mein Lehnsmann zu werden. De jure gehört die Herrschaft natürlich zum Junkertum Trullensee. Aber ich denke der Junker wird sich meiner ausdrücklichen Bitte, Euch für diese Position auszuwählen, nicht verwehren.“


Illuminatus der Mark Greifenfurt
Wulfhelm schwieg vor Überraschung, während der Pfalzgraf ihn erwartungsvoll ansah. „Puh, da habt Ihr mich mit heruntergelassenen Hosen erwischt, wie man so schön sagt“, brach es mit einem Grinsen aus ihm heraus, als er die Sprache wiederfand. „Da sage ich doch einfach mal ja, bevor Ihr es Euch anders überlegt. Mein Neffe wird den Verlust eines Dienstritter verschmerzen können. Wahrscheinlich ist er im Stillen eher froh darum mich von der Kostenliste zu streichen, auch wenn er das natürlich nie zugeben würde. Die Familie ist bei uns heilig.“ Der letzte Satz klang aus seinem Munde tatsächlich mehr wie eine heilige Formel als nach einem einfachen Sprichwort. „Wann kann ich meinen Lehnseid leisten?“
}}


=== Klinkenputzen ===
„Wenn Ihr das wünscht, sofort.“ Udilbert warf einen Blick auf den fast leeren Burghof. Nur ein paar Mägde waren noch damit beschäftigt mit Sand und Spänen die Blutlache vor dem Rondra-Tempel zu entfernen. „Ihro Gnaden Audora sollte inzwischen wieder in der Praios-Kapelle anzutreffen sein.“
{{Brief
|Adressat=An Ihre Wohlgeboren
[[Nebendarsteller ist::Garetien:Turike zu Stippwitz|Turike zu Stippwitz]]


Burgvögtin zur Praiosburg
===Kapitel 9===
Ehevertrag in der Taverne, Unruhige Zeiten Geschichte anpassen


|Text=Werte Base,
===Kapitel 10===
Jeswines Schwangerschaft, Unruhige zeiten Geschichte anpassen


schon ist ein Götterlauf geschwind ins Land gezogen, seitdem Ihr mit Eurem Gatten zu Gast auf meinem Hochzeitsfeste in Kressenburg weiltet.
==Die Vertrauten der Krone==
===Kein Ordensland in Greifenhorst===
'''Phex 1046 BF, Greifenhorst'''


Leider ermöglichen mir meine Geschäfte derzeit keine Reise ins Hartsteensche, doch entsende ich Euch meinen [[Briefspieltext mit::Greifenfurt:Wulfhart von Keilholtz|Herrn Vater]] mit den besten Grüßen. Ich hoffe, dass ich Euch damit eine Freude bereite, begleitet ihn doch Euer lieber Sohn [[Briefspieltext mit::Garetien:Edelbrecht Roban zu Stippwitz|Edelbrecht]]. Wie ich höre macht er sich ganz hervorragend und versieht seinen Pagendienst mit angemessenem Eifer. Sicherlich wird er Euch viel zu berichten haben. Anbei sende ich Euch ebenso einige Figuren aus den Händen unserer zwergischen Zinngießer. Ich bin mir sicher, dass sie Edelbrechts jüngeren Geschwistern viel Freude bereiten werden.
„Ardo, welch Freude dich wieder einmal in Greifenhorst begrüßen zu können.


Zuletzt mag ich Euch darüber in Kenntnis setzen, dass in Kressenburg zum Jahreswechsel mit dem Neubau eines Praios-Tempels begonnen wird. Er wird zu Ehren des großen Sieges unserer Markgräfin in der Schlacht am Stein errichtet und soll dem Greifenfürsten Garafan gewidmet sein, in dessen Namen die Getreuen der Mark den Sieg wider die Verräter erstritten.  
„Die Freude ist ganz meinerseits, Otwin. Es ist immer wieder schön, dein gastliches Heim zu betreten.


Gleichwohl mir die noch immer angespannten Verhältnisse im Hartsteenschen bewusst sind, würde es mich freuen, wenn es Euch oder der Familie Eures Gatten möglich erscheint, mit einer bescheidenen Spende an diesem Bau und dessen Ausstattung mitzuwirken.
„Zu viel der Ehre. Rustikal trifft es eher, und das weißt du ganz genau. Schließlich bist du oft genug im Garetischen, um das zu erkennen.


Die Zwölfe mit Euch!
„Ach weißt du, der ganze Prunk und die Annehmlichkeiten der garetischen Lustschlösser mag recht angenehm sein. Aber nur hier am Finsterkamm erkennen wir wirklich, wo unser von Praios gegebener Platz auf Dere ist und welche wichtige Aufgabe uns als Herren über das Land zufällt.“


|Absender=Seine Hochgeboren
„Wohl gesprochen. Komm doch herein und setzt dich erstmal. Das Bier steht schon bereit.“


[[Hauptdarsteller ist::Greifenfurt:Ardo von Keilholtz|Ardo von Keilholtz ä.H.]]
„Das lasse ich mir nicht zweimal sagen.


Baron zu Kressenburg
„Was verschlägt dich also nach Greifenhorst, kaum dass der Schnee die Wege freigegeben hat?“
}}


=== Freundschaftsdienst ===
„Zweierlei. Zum Ersten möchte ich Dich und die Deinen für Anfang Praios nach Kressenburg einladen. Der Praios-Tempel ist nach zwölf Götterläufen Bauzeit endlich fertiggestellt und zur Tempelweihe seid ihr alle herzlich willkommen.“
{{Brief
|Adressat=An Seine Wohlgeboren
[[Nebendarsteller ist::Greifenfurt:Dankwart von Bugenbühl|Dankwart zu Stippwitz von Bugenbühl]]


Junker zu Lohengrunde
„Diesem freudigen Anlass werden wir natürlich nicht fernbleiben. Karina und ich werden auf jeden Fall anreisen.“


|Text=Werter Dankwart,
„Wunderbar! Die restlichen Garafanisten werde ich dieser Tage auch noch aufsuchen und persönlich einladen. Immerhin ist der Tempel dem Heiligen Garafan gewidmet und soll die spirituelle Heimstätte der Ritterschaft Greifenfurts werden.“


mit diesem Schreiben werden Dich die ersten Rinder aus Kressenburg erreichen, welche Dir zum Aufbau einer eigenen Herde in Lohengrunde versprochen waren. War der Schachzug des [[Briefspieltext mit::Garetien:Anaxios Illosos von Ochs|Magiers]] auch wenig ehrenhaft, so stehe ich doch zu meinem vor Praios gegebenen Wort. Immerhin hat uns der Handel die verdiente Ehre des Marschallsamtes und die Entscheidung für den Ausbau des Elfenpfades eingebracht. Allerdings werde ich Dir nicht alle vereinbarten Tiere auf einmal schicken können, müsste ich Kressenburg dafür doch fast gänzlich seiner eigenen Herden berauben.
„Ich kann es kaum erwarten ihn in seiner Vollendung zu sehen. Das letzte Mal als ich dich besuchte, war man gerade erst dabei die Kuppel zu schließen.


In einer gänzlich anderen Sache möchte ich aber Deine Hilfe erbitten. Am ersten Tag des Herrn Praios im neuen Götterlauf 1036 nach Bosparans Fall, wird in Kressenburg der Grundstein für einen neuen Tempel des Götterfüsten gelegt werden. Er wird dem Greifenfürsten Garafan gewidmet sein, in dessen Namen wir gemeinsam den Sieg in der Schlacht am Stein erringen konnten. Da ich vor der Schlacht geschworen habe den Bau zu beginnen und zu einem guten Ende zu führen, bin ich darauf bedacht ihn zügig voranzutreiben. Allein mir fehlen die Mittel. Sicherlich ist ein Anfang gemacht, werden sich doch [[Briefspieltext mit::Greifenfurt:Irmenella von Wertlingen|die Greifin]] selbst an den Unkosten beteiligen. Dennoch werde ich mit den aktuellen Mitteln kaum ein Viertel von dem bestreiten können, was der Tempel mich letztendlich wohl kosten wird.  
„Ja, die Zeit vergeht manchmal wie im Flug. Doch lass mich zu meinem anderen Anliegen kommen. Wie du weißt, stehe ich seit seiner Gründung dem Orden von Korgond vor und bin zuletzt in dieser Position auch bestätigt worden.


Mir ist bewusst, dass Du in Lohengrunde selbst vor schwierigen Zeiten stehst und keine Goldgrube dein Eigen nennst. Aus diesem Grunde bitte ich Dich darum, bei Deiner Familie im Kosch darauf zu dringen, diesen göttergefälligen Bau in Kressenburg zu unterstützen. Ich weiß, dass sie als Händler nicht nur von ihrem Geld, sondern auch von ihrem guten Ruf leben. Spräche die Unterstützung des Tempelbaus auch schon für sich selbst, so wäre ich zusätzlich bereit der [[Garetien:Familie Stippwitz|Familie Stippwitz]] in Kressenburg und darüber hinaus mit meinem Einfluss Türen zu öffnen.
„Das ist mir bekannt, auch wenn ich selbst nicht Teil dieser Gemeinschaft bin. Ich war bisher mit dem Finsterkamm und den Schwarzpelzen genug beschäftigt, als dass ich mich mit dieser Groß-Garetischen Geschichte hätte befassen können.


Sollte es Dir gelingen, Dein Familienoberhaupt davon zu überzeugen mich zu unterstützen, so wird auch Dein Anteil daran nicht vergessen sein. Der neue Tempel wird auch das spirituelle Heim der [[Briefspieltext mit::Greifenfurt:Foedus Vigilis Garaphani|Garafanisten]] sein, denen nicht zuletzt unsere Markgräfin selbst angehört. Deine Unterstützung für den Bund und die Praios-Kirche wird mit Sicherheit wohlwollend aufgenommen werden.
„Das verstehe ich nur zu gut. Trotzdem sind jene Mysterien, mit denen sich der Orden befasst nicht unwichtig, basiert auf ihnen doch das Verständnis für eine gute Herrschaft über das Land. Ich bin mir bewusst, dass gerade in Greifenfurt viele Edle der Idee Groß-Garetiens skeptisch gegenüberstehen, weil sie es als politische Idee verstehen. Auch ich habe kein Verlangen danach ein Vasall des neuen Großfürsten zu werden und das ist auch nicht der Kerngedanke Korgonds. Das Land vom Kamm bis zu den Zacken mag durch Sumu mythisch verbunden sein, doch werden wir sicherlich nicht an den von Praios gegebenen Grenzen und Gesetzen rütteln.


Die Zwölfe mit Dir!
„So weit, so gut, doch wie kann ich dir nun behilflich sein?“


|Absender=Seine Hochgeboren
„Auf dem letzten Kapiteltreffen des Ordens, wurde beschlossen nach einer Heimstatt für die Korgonder zu suchen. Ein spirituelles Zentrum wie der Praios-Tempel in Kressenburg es für die Garafanisten sein wird.“


[[Hauptdarsteller ist::Greifenfurt:Ardo von Keilholtz|Ardo von Keilholtz ä.H.]]
„Und das suchst du ausgerechnet bei mir in Greifenhorst, am Rande der Zivilisation?“


Baron zu Kressenburg
„Entsinnst du dich, dass ich im letzten Herbst mit einer Gruppe Edler im Kamm an den Grenzen deiner Lande unterwegs war, um den Gerüchten um eine Drachensichtung nachzugehen? Dabei stießen wir auf ein abgelegenes Tal in den Bergen, unweit eines Hirtendorfes.“
}}


=== Ein Tempel für Answin ===
„Ja, ich habe deinen Brief erhalten. Es waren ja letztlich nur ein Meckerdrache und eine entlaufene Bauerntochter, die die Leute dort zum Narren gehalten haben.“
{{Brief
|Adressat=An Seine Hochgeboren


[[Nebendarsteller ist::Greifenfurt:Ardo von Keilholtz|Ardo von Keilholtz ä.H.]]
„So ist es. Doch in dem Tal, wo wir sie aufspürten, gab es auch uralte Trollruinen. Zudem liegt es auf einer jener mystischen Kraftlinien, welche der Orden zu ergründen versucht. Wir wissen ja nicht viel über die Trolle und ihr untergegangenes Reich, aber sie scheinen ihre Städte ganz bewusst auf diesen Linien errichtet zu haben.“


Baron zu Kressenburg
„Tatsächlich sind mir diese Trollsteine nicht unbekannt gewesen. So wie du sagst, sind sie dort seit Menschengedenken und meine Bauern halten sich vernünftigerweise fern davon.“


|Text=Praios zum Gruße!
„Nun, eben jene Ruinen und ihre Lage machen das Hochtal für den Orden von Korgond aber interessant. Sie bieten eben jene mythische Verbindung zum Land, welche wir zu ergründen suchen. Deswegen hat mich das Kapitel bei unserem letzten Treffen damit betraut in dieser Sache bei dir vorzusprechen. Könntest du dir vorstellen das Tal und die umliegenden Ländereien mit dem Hirtendorf dem Orden zu übergeben? Denn natürlich würde es auch einige Arbeitskräfte und Erträge brauchen, um den Ordensstützpunkt aufzubauen und zu unterhalten.“


Die Ereignisse der letzten Monde haben Uns dazu bewogen, erneut über Euer Gesuch nach finanzieller Unterstützung zu entscheiden. Wie in Unserem ersten Bescheid beschrieben, sind die Pflichten der Praios-Kirche vielfältig und eine jede bedarf sorgfältiger und fortlaufender Überprüfung um die Belastungen für die Kirche in einem tragbaren Rahmen zu halten.
„Leider muss ich deine Bitte abschlagen und ich denke du weißt warum. Für jene in eurem Orden welche aus Garetien und Perricum stammen mag das keine große Sache sein. Doch du kannst sicherlich einschätzen, welchen Verlust die vergleichsweise mageren Einnahmen eines so kleinen Hirtendorfes in meine Kassen reißen würde.


Uns stets gegenwärtig ist jedoch auch der Wille des Götterfürsten. Die Ereignisse in Gareth und die Rückkehr des Ewigen Lichts lassen keine Zweifel mehr daran, welchen Weg der Herr Praios für seine derischen Diener vorgesehen hat. Sein Wort zu verkünden und von Seiner Macht zu zeugen soll Unser oberstes Gebot sein.  
„Dessen bin ich mir wohl bewusst und meine Hoffnung war gering eine andere Antwort zu erhalten. Ich verstehe und akzeptiere deine Absage, doch bitte verstehe, dass ich fragen musste.


Aus diesem Grund werden Wir Euch großzügigerweise im selben Maße unterstützen, wie es Euch die Markgräfin bereits von Seiten der Mark zugesichert hat. Seid gemahnt, dass wir Uns des zügigen Fortschritt stets versichern werden und weder Verzögerung noch Schlendrian an diesem praiosgefälligen Bau dulden werden.
„Du hast gefragt, ich habe dir geantwortet. Damit soll es gut sein. Ich habe da aber auch noch eine Sache, bei der ich stattdessen dich um einen Gefallen bitten möchte.


Da Ihr bereits mit Eurem Vorhaben des Neubaus Eure praiosgefällige Gesinnung bewiesen habt, wollen Wir Euch ein weiteres Anliegen des Götterfürsten ans Herz legen. Praios' Wunsch ist es, dass dem [[Briefspieltext mit::Answin von Rabenmund|Heiligen Answin]] in den zwölfgöttlichen Landen eine größere Verehrung zuteil werde, damit ein jeder die wahre Größe des in weiten Teilen des Reiches noch immer als Reichsverräter verleumdeten Heiligen erkenne. Aus diesem Grunde werden Wir dem neuen Tempel in Kressenburg eine Reliquie des Heiligen Answin stiften und möchten diese in dem Bau entsprechend gewürdigt wissen.  
„Nur zu, ich helfe gern, wenn es in meiner Macht steht.


Die Zwölfe mit Euch, Praios voran!
„Oh, ich bin mir sicher, dass es das tut. Meine Schwiegertochter erwartet ihr erstes Kind. So TSA will wird es irgendwann nach dem Jahreswechsel das Licht Deres erblicken.“


|Absender=Seine Ehrwürden
„Alle guten Wünsche für Mutter und Kind sind dir gewiss. Was genau brauchst du von mir?“


[[Hauptdarsteller ist::Greifenfurt:Praiomon Caitmar von Dergelstein|Praiomon Caitmar von Dergelstein]]
„Gerion und vor allem Adaque haben den Wunsch geäußert, dass du die Patenschaft über das Kind übernehmen mögest. Offenbar habt ihr seit den Traviafeierlichkeiten einen guten Draht zueinander. Auch ich würde mich geehrt fühlen, wenn du dem zukünftigen Erben von Greifenhorst als Oheim, und wenn die Zeit reif ist als Schwertvater, anleiten würdest.“


Illuminatus der Mark Greifenfurt
„Die Ehre liegt ganz auf meiner Seite Otwin. Mit Freuden akzeptiere ich diese Bitte und Aufgabe.“
}}


== Sertiser Sonnenstände ==
„Wundervoll, sie werden glücklich sein das zu hören! Aber sieh, da kommen sie gerade. Du kannst es ihnen gerade selbst sagen.
=== Abendmahl ===
[[Hauptdarsteller ist::Greifenfurt:Praiodane von Immingen|Die junge Praios-Geweihte]] und ihre Begleiter, der Bannstrahler und der junge Breitenhainer Ritter, wurden von Burgvogt [[Nebendarsteller ist::Garetien:Reo Rondriol vom Wirsel|Reo Rondriol vom Wirsel]] auf der [[Handlungsort ist::Garetien:Pfalz Breitenhain|Pfalz Breitenhain]] empfangen. Wortreich entschuldigte sich der Kastellan für die Abwesenheit [[Briefspieltext mit::Garetien:Hilbert von Hartsteen|des Pfalzgrafen]], sei dieser doch zur Grafenkrönung seines Anverwandten nach Hartsteen unterwegs. Auf einen Wink hin eilte der Stallknecht herbei und nahm die Pferde der Neuankömmlinge in Empfang.


"Wenn Ihr gestattet Euer Gnaden, so werde ich Euch sogleich das beste Zimmer der Burg herrichten lassen und Euch einen persönlichen Diener zuweisen. Verzeiht wenn Ihr mich in unangemessener Eile seht, doch ich habe ein dringendes Hilfegesuch aus [[Garetien:Baronie Linara|Baronie Linara]] erhalten, welches ich im Namen seiner Hochwohlgeboren noch heute beantworten muss."
==Auf dem Holzweg==
===Gebotene Eile===
Mitte Praios 1041 BF, Kressenburg


"Was hat es denn damit auf sich?" Neugierig und ein wenig misstrauisch forschte die Greifenfurterin sogleich nach.
Die kleine Keilholtzer Reisegruppe war schnell vorangekommen. Neben Baron Ardo, seinem Vater Wulfhart und dem entfernten Vetter Unswin, bestand sie noch aus den diversen Knappen und Pagen der hohen Herren. Sie hatten von Gareth aus den Weg durch Waldstein, den Elfenpfad, gewählt. Ardo war vor allem neugierig, wie weit die bauliche Instandsetzung dieses Handelsweges auf der garetischen Seite fortgeschritten war. Die elfische Gräfin hatte sich damals sehr entschieden gegen den weiteren Ausbau ausgesprochen, was den hochfliegenden Plänen des Waldsteiner Adels und den angrenzenden Greifenfurter Baronen etwas den Wind aus den Segeln genommen hatte. So stimmte es Ardo sehr froh zu sehen, dass die Waldsteiner Edlen sich unter dem Einfluss Leomars von Zweifelsfels doch mehrheitlich gegen den Wunsch ihrer Gräfin zu stellen schienen und das einzig Richtige taten, was den Handel in dieser Region voranzubringen vermochte. Der Karrenweg Richtung Greifenfurt war an vielen Orten verbreitert und bis zur Stadt Osenbrück sogar vollständig mit Feldsteinen befestigt worden. Auch zwei neue Gasthäuser waren dem Kressenburger aufgefallen, die bei seiner letzten Durchreise noch nicht fertig gestellt gewesen waren. Auch das letzte Teilstück durch das Gebiet der Junker von Hagenbronn war trotz der schwelenden Feindschaft friedlich verlaufen. Drei gut gerüstete Ritter samt ihrem Gefolge schüchterten die Büttel genug ein, dass sie sich diesmal kaum mehr als ein paar unfreundliche Blicke und ein mürrischen Knurren gewagt hatten. So war die Heimreise vom Kaiserturnier in Gareth deutlich angenehmer gewesen, als Baron Ardo es erwartet hatte.


"Oh, nur eine unbedeutende Kleinigkeit Euer Gnaden. [[Briefspieltext mit::Garetien:Tahlmare zu Leustein|Die Baronin von Linara]] ist letzte Woche bei einem Turnier schwer gestürzt. Ihr treuer Vasall [[Briefspieltext mit::Garetien:Irberod von Leustein|Junker Irberod]] hat derweil die Geschäfte übernommen und hat sogleich einige verdächtige Gestalten aufgegriffen, die er der Hexerei und der Schwarzen Magie verdächtigt."
Im heimatlichen Kressenburg öffneten sich schnell alle Tore vor ihnen. Ardo merkte vor allem am Baufortschritt des Praios-Tempels, dass er schon wieder für mehrere Monde fern seines Lehens gewesen war. Die üblichen Schuldgefühle überkamen ihn und zum wiederholten Male nahm er sich vor, in Zukunft deutlich mehr Zeit bei seiner Gemahlin und den Kindern zu verbringen. Sie waren auch kaum auf den Burghof geritten und von den Pferden gestiegen, als eine kleine lärmende Kleinkinderschar aus den Stallungen stürmte und sie umringte. Kurz danach traten zwei jungen Edeldamen dazu. Die eine zierlich von Gestalt und von fast elfenhafter Anmut. Die andere nicht minder schön, doch von eher muskulöser Statur, der man die Kriegerin auf eine halbe Meile Entfernung ansah, die zudem einen etwa fünf Monde alten Säugling auf dem Arm hielt.


"Und das nennt Ihr eine Kleinigkeit?" Praiodanes Stimme klang in ehrlichem Zorn laut über den Burghof. "Warum wendet sich der Junker an den Pfalzgrafen? Gibt es in Linara denn keinen Vertreter des Götterfürsten der sich der Sache annehmen kann?"
Noch bevor Wulfhart und Ardo ihre Gemahlinnen begrüßen konnten, trat eine dritte, noch etwas jüngere Frau dazu, gewappnet und in den Farben der Mark gewandet. Das eher gezwungene Lächeln, das sie zur Schau stellte als sie Ardo sah, sagte dem Baron, dass seine Tante nicht auf einen Freundschaftsbesuch vorbeigekommen war. Nachdem sich der größte Trubel des Willkommens gelegt hatte, nahm die Ritterin der Mark den Baron dann auch kurz zur Seite, um ihre Botschaft los zu werden.


"Ich fürchte nein, Euer Gnaden," sagte Wirsel kleinlaut. "Die Baronin herrscht nun seit gut zweieinhalb Jahrzehnten über ihre Lande doch ein von Praios gesegnetes Bauwerk werdet ihr dort nicht finden." Leise raunte der Kastellan der Geweihten zu. "Sie ist eine Halbelfe müsst Ihr wissen, die von Kaiser Hal dort eingesetzt wurde."
„Die Greifin wünscht dich umgehend zu sehen, Neffe! Ich weiß, du bist gerade erst heimgekehrt, aber es wird das Beste sein, du lässt dein Pferd sofort wieder satteln und begleitest mich jetzt sofort, damit wir noch vor Sonnenuntergang in der Residenz sein können.


"So, so, eine Halbelfe also sagt Ihr," wiederholte Praiodane laut. "Das erklärt natürlich die Zustände die Ihr beschreibt."
==Keilholtzer Neuordnung==
===Geordnete Verhältnisse===
{{Brief
|Adressat=Ich, [[Greifenfurt:Ardo von Keilholtz|Ardo von Keilholtz ä.H.]], Baron zu Kressenburg, verfüge Folgendes als meinen letzten Willen:
|Text=1. Als Erbe der Baronswürde bestimme ich meinen Vater [[Greifenfurt:Wulfhelm von Keilholtz|Wulfhelm von Keilholtz]].<br>
2. Ihm nachfolgen soll mein Erstgeborener [[Greifenfurt:Answin Shazar von Keilholtz|Answin Shazar]]. Sollte dieser sein Erbe nach dem Willen der Zwölfen nicht antreten können, so bestimme ich an seiner Statt eines meiner nachgeborenen Kinder in der Reihenfolge ihrer Geburt.<br>
3. Sollte nach der Götter Willen keines meiner Kinder das Erbe antreten können, so bestimme ich meine Geschwister aus der ersten Ehe meines Vaters in der Reihenfolge ihrer Geburt, mir nachzufolgen. Bedingung dafür sei, dass sie und ihre Nachkommen den Namen der Familie Keilholtz fortführen.<br>
4. Sollte nach der Götter Willen keines meiner genannten Geschwister das Erbe antreten können, so bestimme ich die Geschwister meines Vaters und ihre Nachkommen in der Reihenfolge ihrer Geburt. Bedingung dafür sei, dass sie und ihre Nachkommen den Namen der Familie Keilholtz fortführen.<br>
5. Sollte es dem Herrn Boron gefallen mich und meinen Vater zu sich rufen, bevor mein rechtmäßiger Erbe die Mündigkeit erreicht, so bestimme ich meine Gemahlin [[Greifenfurt:Praiadne Leuinherz Keilholtz|Praiadne Leuinherz Keilholtz]] zur Verweserin der Baronie Kressenburg, bis mein Erbe dieses antreten kann.<br>
6. Meiner Gemahlin Praiadne Leuinherz Keilholtz sei das [[Greifenfurt:Herrschaft Greifenwehr|Edlengut Greifenwehr]] bis zu ihrem Tode als Wittibengut zugesprochen, auf das es ihr im Leben an nichts mangele.<br>
7. Meine derischen Besitztümer vermache ich meinem rechtmäßigen Erben, ausgenommen der nachfolgend genannten.<br>
8. Aus meiner Privatschatulle erhält die Praioskirche Zwölf mal Zwölf Dukaten um den Bau des neuen Kressenburger Tempels voranzutreiben.<br>
9. Meine Gemahlin Praiadne Leuinherz Keilholtz erhält mein Gebetsbüchlein, auf das es ihr in dunklen Stunden Trost spende.<br>
10. Mein Bruder [[Greifenfurt:Firnward von Keilholtz|Firnward von Keilholtz]] erhält mein Schwert Orkentod.<br>
11. Meine Knappin [[Greifenfurt:Mechthild von Kieselholm|Mechthild von Kieselholm]] erhält mein Streitross Boromil. Sollte das treue Tier mit mir verstorben sein, so erhält sie ein Streitross aus der Zucht des Märkischen Marstalls.<br>
12. Es ist mein Wunsch und Wille in der Krypta des [[Greifenfurt:Praios-Tempel Sankt Garafan vor dem Tore|Praios-Tempels Sankt Garafan vor dem Tore]] zu Kressenburg meine letzte Ruhestatt zu finden. Dieselbe soll sein die Grablege meiner Familie auf immerdar.<br>


Wirsel zuckte kurz zusammen und blickte unsicher über den Burghof. "Ja, so ist es Euer Gnaden. Und weil der werte Herr Junker meinen Herren als praiosfürchtigen Mann kennt und schätzt, hat er ihn um Hilfe gebeten."
Gegeben am 1. Tag des Herrn Phex im Jahre 1037 nach Bosparans Fall
|Absender=Gesiegelt und bezeugt


Die Greifenfurter Geweihte überlegte kurz und fällte dann eine schnelle Entscheidung. "Da seine Hochwohlgeboren noch eine zeit auf Reisen ist, kann ich hier vor Ort sowieso nichts ausrichten. Schreibt Junker Irberod, dass ich persönlich nach Linara kommen werde um über die Verdächtigen Gericht zu halten. Sendet den Boten noch heute. Wir haben eine lange Reise hinter uns und werden eine Nacht ruhen bevor wir morgen in aller Frühe aufbrechen."
[[Greifenfurt:Badilak von Praiostann|Badilak von Praiostann]]<br>
Ardo von Keilholtz ä.H.<br>
[[Greifenfurt:Praiomel von Kieselholm|Praiomel von Kieselholm]]
}}


"Sehr wohl Euer Gnaden. ich werde es genauso einrichten wie Ihr es wünscht." Artig machte Wirsel einen Diener. "Wenn Ihr mir dann bitte nach drinnen folgen wollt? Das Abendessen wird in etwa einem Stundenglas serviert werden."
== DEUS VULT ==
=== Bauarbeiten ===
*Bauholz: aus Kressenburg
*Stein: ggf. eigener Steinbruch (Neuerschließung mit Folgenutzung, mit Volker abklären) oder aus dem Finsterkamm (Spieler?)
*Versorgung der Arbeiter: zusätzliche Getreidelieferungen aus Eslamsroden und Hexenhain
*Gold: aus Gareth?
*Marmor: Eslamsgrund? oder andere Quelle?
*Arbeiter: Tagelöhner aus der Region (Mark und Waldstein), ggf.dauerhafte Erhöhung der Einwohnerzahlen durch Zuzug? (mit Volker abklären)


== Die Blaue Sau ==
=== Gästeliste zur Einweihung ===
=== Kressenburger Aufruf zur Jagd ===
Geladene Gäste:
Baron Ardo läd seine Freunde zu einer Jagdgesellschaft in den Kressenburger Forst.
*Kaiserin [[Rohaja von Gareth]] mit Prinzgemahl [[Perricum:Rondrigan Paligan|Rondrigan Paligan]]
=== Rückkehr eines Barons ===
*Markgräfin [[Greifenfurt:Irmenella von Wertlingen|Irmenella von Wertlingen]] mit Prinz [[Greifenfurt:Edelbrecht vom Eberstamm|Edelbrecht von Eberstamm-Wertlingen]]
Ein verschollen geglaubter Adliger kehrt aus den Tiefen des Reichsforstes zurück.
*Illuminatus [[Greifenfurt:Praiomon Caitmar von Dergelstein|Praiomon Caitmar von Dergelstein]]
*Markvogt [[Garetien:Barnhelm von Rabenmund|Barnhelm von Rabenmund]] (als letzter (?) Answinspross)
*Burggräfin [[Garetien:Irmhelde von Luring-Rabenmund|Irmhelde von Luring-Rabenmund]] (als Answins Urenkelin)
*Praios-Novizin/-Geweihte [[Garetien:Fredegard von Rabenmund|Fredegard von Rabenmund]] (Irmheldes Schwester)
*???

Aktuelle Version vom 15. September 2025, 17:52 Uhr

Das Erbe der Pfortensteiner

Ideensammlung Fortsetzung

- Ludolf von Pfortenstein bittet seinen Onkel Rondradan darum in die Rondra-Kirche eintreten zu dürfen, um das Vermächtnis seines Vaters fortzusetzen
- Rondradan verspricht es ihm, bittet ihn aber um Geduld, bis er die Erbfolge von Pfortenstein und Olbershag entsprechend geklärt hat
- die Vögtin Ysinthe von Pfortenstein bekommt das Junkertum Olbershag als Lehen in Aussicht gestellt, wenn ihre Tochter als alleinige Erbin der Purgation unterzogen wird und bei Rondradan Knappin wird
- Rondradan unterstützt Felian von Perainsgarten bzw. Lechmin von Rallerspfort bei der Zurückerlangung der Baronswürde von Rallerspfort, wofür er im Gegenzug wieder als Junker von Pfortenstein eingesetzt wird
- Ritterin Olmerga von Pfortenstein bleibt Vögtin zu Pfortenstein, solange Rondradan Landvogt von grfl. Rubreth ist

Erweiterte Wegelagerei

Kapitel 1

Wulfhelm und Gerion waren den zwei Kressenburger Ochsenkarren einiges voraus, während Ingmar die Nachhut übernommen hatte. Die Greifenfurter erwarteten nicht wirklich hier im ritterlichen Herzen des Reiches auf Probleme zu stoßen, aber ihre wertvolle Fracht aus verhütteten Metallen für die Luringer Spiegelmacherzunft ließ sie vorsichtig bleiben. Das sollte sich bald unerwartet zu ihrem Vorteil erweisen.

Gerade erst hatten die Ritter den Grenzstein zwischen den Baronien Rallerspfort und Randersburg hinter sich gelassen. An dieser Stelle zog sich ein Ausläufer des Reichsforstes bis fast an die Handelsstraße heran und verbarg den weiteren Verlauf des Weges. Hinter einer Wegbiegung bot sich ihnen plötzlich ein überraschendes Bild. Ein Handelskarren hielt nur wenige Dutzend Schritte vor ihnen mitten auf dem Weg, umringt von einer Gruppe bewaffneter, recht verlumpt daherkommender Gestalten. Eine mit einem Schwert bewaffnete Person in leichtem Lederzeug hatte sich direkt vor dem Ochsengespann aufgebaut, um ihm den Weg zu versperren. Drei Gestalten waren gerade dabei die Säcke auf der Ladefläche zu durchwühlen. Der Kutscher hatte indes abwehrend die Hände gehoben, während er offensichtlich von einer verwegen dreinschauenden Frau mit einer leichten Armbrust bedroht wurde. Ein großer grobschlächtiger Mann der schräg hinter dem Wagen stand, erblickte die Neuankömmlinge fast sofort und rief seinen Spießgesellen eine laute Warnung zu.

Fast gleichzeitig reagierte die überraschte Räuberbande. Die leichte gerüstete Person dreht sich nur kurz um, wobei sie für die Greifenfurter als Frau mittleren Alters erkennbar wurde, und wandte sich augenblicklich zur Flucht in den nahen Wald. Die Räuberin mit der Armbrust gab aus der Drehung einen ungezielten Schuss in Richtung der Ritter ab und folgte, ohne sich weiter umzublicken. Ein bärtiger Geselle mit einem Jagdbogen stob hinter dem Wagen hervor in die entgegengesetzte Richtung davon und schlug sich in die Büsche, gefolgt von dem Hünen, der den Warnruf ausgestoßen hatte. Auch die drei Plünderer auf dem Wagen gaben Fersengeld. Der letzte jedoch blieb mit dem Fuß an der Karrenwand hängen, stürzte kopfüber auf den Pfad und blieb regungslos liegen.

Wulfhelm und Gerion hatten indes ihren Pferden die Sporen gegeben und zogen beim Anritt mit geübten Griffen die Schwerter blank. So schnell sie auch waren, konnten sie doch nicht mehr verhindern, dass sich der Rest der Bande ins Unterholz absetzte. Am Handelskarren angekommen sprang Gerion behände aus dem Sattel, um den am Boden liegenden Räuber keine Gelegenheit zur Flucht zu geben, während der Keilholtzer wachsam in Richtung des Waldes sicherte.

„Schade, aus diesem hier werden wir nichts mehr rausbekommen.“ Der Sturmfelser entspannte sich und blickte nun auch in Richtung Unterholz, während er mit seinem ehemaligen Schwertvaters sprach. „Der hat sich beim Sturz den Hals gebrochen.“

„So ein Pech aber auch“, kommentierte der Wildermarkveteran lakonisch. „Dabei hätte ich zu gerne erfahren, wo sich der Bau dieses Gesindels befindet.“ Er wartete noch ein paar Augenblicke, um sich davon zu überzeugen, dass die übrigen Räuber tatsächlich Fersengeld gegeben hatten, und sah sich dann nach dem verängstigten Kutscher um.

„Phex sei gepriesen, Hohe Herren! Ihr kamt gerade zur rechten Zeit.“ Mit zitternden Händen kauerte er sich auf den Kutschbock und nestelte an einem Trinkschlauch, den er in der Aufregung nicht aufbekam. Gerion kam ihm zu Hilfe, schnupperte kurz daran und lächelte, als er den typischen Geruch eines Gerstengebräus wahrnahm. „Seid bedankt, Herr. Ich dachte mein letztes Stündlein hätte geschlagen!“

„Das haben wir ja nun erfolgreich verhindern können.“ Wulfhelm hatte sein Pferd einmal im Kreis geführt und dann neben den Karren gelenkt, um mit dem Kutscher zu sprechen. „Aber sag, kamen dir diese Gestalten irgendwie bekannt vor? Oder hat es in der Gegend früher schon einmal Überfälle gegeben? So eine Bande taucht ja nicht aus dem Nichts auf. Da sie nicht beritten waren, müssen sie eigentlich irgendwo in der Nähe einen Unterschlupf haben.“

„Ich wünschte ich hätte darauf eine Antwort, Herr.“ Der Händler nahm noch einen Schluck und überlegte angestrengt. „Natürlich hört man immer wieder von Überfällen. Davor ist man auf der Straße nie gefeit. In den letzten Götterläufen hat es tatsächlich einige Karren in dieser Gegend erwischt. Mal auf dieser Route hier, mal auf der hinter Hornbach nach Waldstein. Aber es war nie so schlimm, dass sich die hohen Herrschaften in Randersburg, Camdenburg oder Rallerau groß damit beschäftigt hätten.“

„Was es für diejenigen die überfallen werden natürlich nicht weniger schlimm macht“, warf Gerion spitzzüngig ein.

„Da habt Ihr vollkommen Recht, Herr“, pflichtete der Händler aus ganzen Herzen bei. „Aber sagt, was verschafft mir das Glück, dass Aves Euch just zu meiner Rettung schickte?“

„Wir sind auf der Durchreise nach Luring.“ Wulfhelm blickte sich um und in diesem Moment erschien das erste Kressenburger Ochsengespann an der Wegbiegung. „Sind den ganzen Weg aus Greifenfurt über den Elfenpfad durch den Wald gekommen, deswegen die große Bedeckung. Sag, der nächste Ort ist doch nicht mehr weit entfernt, oder?“

„In Richtung Luring. Nein, nur etwas mehr als zwei Meilen, dann kommt ihr nach Waldenrath. Ein großer Marktflecken mit fast siebenhundert Seelen.“

„Wirklich dreist, dass diese Bande so nah an einem so großen Ort zugeschlagen hat. Die müssen sich wirklich sicher gefühlt haben.“

„In Zukunft werden sie wohl vorsichtiger sein.“ Der Keilholtzer wandte sich an den Kutscher. „Hilf Ritter Gerion den Toten auf deinen Wagen zu legen. Auf unseren ist kein Platz. Wir nehmen ihn mit nach Waldenrath und übergeben ihn den Bütteln.“

„Natürlich Herr, das ist mir tatsächlich sehr Recht. Ich hätte heute sowieso nicht mehr allein weiterreisen wollen. Liefern wir diesen Lump ab und morgen schaue ich, dass ich einen Wagenzug finde, dem ich mich nach Rallerspfort anschließen kann.“ Eilfertig sprang er vom Kutschbock. Gemeinsam mit dem Sturmfelser war es ein Ding weniger Augenblicke den leblosen Körper des unglücklichen Räubers auf die Ladefläche zu verfrachten.

„Gut, dann dreh dein Gespann und unsere Wagen werden sich anschließen.“ Wulfhelm wendete sein Pferd, um den Kressenburger Karren entgegenzureiten. „Gerion, übernimm die Spitze. Ich werde Ingmar indes erklären, was hier gerade vorgefallen ist.“

Kapitel 2

In Waldenrath erweckte der Einzug der Kressenburger nicht wenig aufsehen. Bis man am Marktplatz vor dem Wachgebäude der Stadtbüttel angekommen war, hatte sich eine beachtliche Menschentraube hinter dem Wagenzug versammelt. Der herbeieilende Weibel der Wachen war merklich irritiert ob der Vorgänge. Als er von Ritter Wulfhelm über die Umstände aufgeklärt worden war, ließ er sogleich einen Burschen in die Taverne am anderen Ende des Marktplatzes laufen, um zwei zufällig anwesenden Ritter aus Randersburg hinzuzubitten. Nach wenigen Minuten hatten auch diese sich an dem Handelskarren mit der Leiche des unglücklichen Räubers eingefunden.

„Praios zum Gruße!“ Der streng dreinblickende Ritter um die vierzig blickte mit deutlichem Missfallen auf die Szenerie. „Was haben wir denn hier?“

„Wulfhelm von Keilholtz ist mein Name, der meiner Gefährten Ingmar von Keilholtz und Gerion von Sturmfels“, stellte Wulfhelm als der Älteste die Kressenburger vor. „Wir sind als Bedeckung für einen Handelszug aus Greifenfurt hierhergekommen. Mit wem haben wir das Vergnügen?“ Bei der Frage schaute bewusst die jüngere Ritterin an, welche sich einen halben Schritt hinter dem forschen Rittersmann gehalten hatte.

„Hagen von Rallerau, Hauptmann der Randersburger Garde!“, antwortete dieser wieder mit befehlsgewohnter Stimme. „Dies hier ist Ritterin Jeswine von Pfortenstein, ebenfalls in den Diensten des Pfalzgrafen von Randersburg. Was also ist hier vorgefallen?“, kam er ohne Umschweife auf seine vorherige frage zurück.

„Wir wurden Zeugen, wie dieser Händler hier von einer Gruppe Räuber überfallen wurde. Als sie unser gewahr wurden gaben sie Fersengeld. Jener hier aber fiel unglücklich vom Wagen, den er gerade plündern wollte und brach sich das Genick.“ Der Keilholtzer stellte fest, dass sich die Pfortensteinerin im Hintergrund einen süffisanten Blick auf den Toten erlaubte.

„Wohlan, ihr habt wohlgetan und ich danke euch im Namen des Pfalzgrafen für euer Einschreiten.“ Er sah sich zu den Wachsoldaten um. „Weibel, hängt diesen Leichnam in Sichtweiter der Stadt am Waldrand auf. Als Mahnung und Warnung für jene, die versucht sein sollten es seinen Taten gleichzutun.“

Die Büttel beeilten sich der Anweisung des Rallerauer Ritters nachzukommen.

„Verzeiht, aber ich hielte es für sinnvoll, wenn die hohen Herren und nach Randersburg begleiten würden, um Herrn Udilbert persönlich von den Ereignissen zu berichten.“ Jeswine wandte sich von Hagen an Wulfhelm. „Die Raubüberfälle haben in den letzten Monden merklich zugenommen und ich bin mir sicher, unser Dienstherr hätte da die eine oder andere Frage, die er euch gerne persönlich stellen würde.“

„Da habt Ihr nicht Unrecht. Der Herr von Hardt packt die Dinge gerne selbst an.“ Hagen sah Wulfhelm fast herausfordernd an. „Wollt ihr uns also begleiten?“

„Gerion und ich werden Euch sehr gerne folgen. Ritter Ingmar wird jedoch beim Handelszug verbleiben und Sorge tragen, dass unsere Waren unbeschadet Luring erreichen.“ Er sah wie such der Widerspruch in Hagens Gesicht regte und fuhr fort, bevor er unterbrochen werden konnte. „Mein Vetter war bei dem Scharmützel ohnehin in der Nachhut und hat keinen der entflohenen Räuber zu Gesicht bekommen. Er könnte sowieso nur wiedergeben, was wir ihm über diese Leute erzählt haben.“

„In diesem Fall macht es wirklich keinen Sinn diesen Handelszug aufzuhalten, Herr von Rallerau. Meint Ihr nicht?“ Jeswine wartete das knappe Nicken des Hauptmanns kaum ab, bevor sie sich mit einem gewinnenden Lächeln wieder an Wulfhelm richtete. „Wenn ihr zwei mit uns kommt die den Kampf ausgefochten habt, wird dies vollkommen genügen.“

Kapitel 3

Wulfhelm war angenehm überrascht. Der knorrige Pfalzgraf aus dem Windhag imponierte ihm mehr als er offen zugeben mochte. Er versteckte sich nicht hinter Prunk und Protz, war klar in seinen Ansagen und ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Ordnung und Sicherheit in dem ihm übertragenen Lehen seine wichtigste Aufgabe waren. Die Kaiserin hätte sich kaum einen besseren Verwalter ihrer Krongüter in Randersburg wünschen können. Sicherlich wäre er als Diplomat zum Lieblichen Feld denkbar ungeeignet, aber hier wo es um ehrliche harte Arbeit und zupackendes Handeln ging, war er in seinem Element.

„Wir müssen also den Zwölfen danke, dass Ihr gerade zufällig in der Nähe wart“, fasst Udilbert die Geschichte der Greifenfurter gerade knapp zusammen. „Das gefällt mir nicht! Ich hasse es, die Dinge dem Zufall zu überlassen. Zumal uns diese immer dreister werdenden Überfälle Silber kosten, die am Ende des Götterlaufs in der Truhe der Kaiserin fehlen. Hauptmann Rallerau, warum waren Sie und Ritterin Pfortenstein nicht zur Stelle?“

Der angesprochene nahm Haltung an und blickte zerknirscht drein, während er antwortete. „Wir hatten Weisung über Camden bis Waldenrath zu patrouillieren und über Hornbach zurückzukehren. Der grenznahe Straßenabschnitt nach Rallerspfort lag dieses Mal nicht in unserem vorgegebenen Aufgabenbereich.“

„Ich verstehe. Also schon wieder. Schon wieder!“ Wütend schlug der Pfalzgraf seine rechte Faust in die linke Handfläche. Dann erkannte er die fragenden Blicke der beiden Gäste aus Kressenburg. „Diese Bande ist raffiniert. Sie unterlaufen unsere Verteidigung, schlagen Finten, sind immer dort wo wir gerade nicht sind. Es ist zum aus der Haut fahren!“ Wie ein gefangener Berglöwe tigerte er ein paar Mal vor seinem Schreibtisch hin und her. „Es ist egal wie oft wir unsere Routen verändern, es ist egal in welchem Rhythmus wir patrouillieren oder welche meiner Ritter ich aussende. Immer schlagen sie uns, schlagen sie mir, ein Schnippchen!“

„Wenn Ihr erlaubt“, begann Wulfhelm und zögerte kurz, bis ein kurzes Nicken Udilberts ihn aufforderte weiterzusprechen. „Ich habe viele Götterläufe in der Wildermark zugebracht. Ritter Gerion hier war in dieser Zeit mein Knappe. Das Aufspüren solcher Banden zählte dabei zu unseren täglichen Aufgaben bei dem schweren Versuch diesem der Gesetzlosigkeit anheimgefallenen Landstrich wieder Ordnung und Frieden zu bringen. Wir erwarten meinen Vetter erst in ein paar Wochen zurück aus Luring. Bis dahin möchten wir Euch gerne unsere Dienste anbieten und bei der Beseitigung dieses Problems behilflich sein. Erwartet bitte keine Wundertaten, aber vielleicht finden wir einen Hinweis, der bisher übersehen wurde.“

„Ein frischer unverstellter Blick auf ein altes Bild, hm?“ Udilbert rieb sich den Dreitagebart am Kinn. „Wohlan, wenn dies Euer Wunsch ist. Ich wäre töricht die mir so freimütig angebotene Hilfe auszuschlagen. Ihr sollt auf der Randersburg Kost und Logis erhalten, bis Ihr uns verlassen müsst. Ritter Rallerau! Kümmert Euch darum, jetzt!“ Der Hauptmann stand wieder stramm, grüßte ab und entfernte, sich ohne die Miene zu verziehen. „Ritterin Pfortenstein, ich erteile euch die Aufgabe unseren Gästen alles zu erzählen und zu erklären, was für das Aufgreifen dieser verfluchten Bande notwendig ist. Ich wünsche Resultate! Ritter Keilholtz, Ritter Sturmfels, viel Erfolg.“

Jeswine, die ihren Vorgesetzten sehr gut kannte, wusste, dass sie die Schreibstube jetzt zu verlassen hatten. Sie gab den Greifenfurtern mit einem knappen Nicken zu verstehen, dass sie vorgehen sollten, und schloss am Ende hinter ihnen die Tür.„Na dann kommt mal mit. Ich hoffe euch ist klar, worauf ihr euch da eingelassen habt. Der Hardt belohnt gute Arbeit und treue Dienste immer, aber wehe, wenn ihr ihn enttäuscht.“ Mit einem freundlichen Lächeln fügte sie dann hinzu: „Ach ja, wenn wir nicht beim alten Hardt sind, könnt ihr mich gerne einfach Jeswine nennen.“

Kapitel 4

Ein paar Stunden später saßen die drei Ritter zusammen im Scriptorium der Randersburg. Aldemar von Radewitz, der Sekretär des Pfalzgrafen, hatte ihnen auf ihren Wunsch hin alle Schriften zusammengetragen, welche sich in den letzten zwölf Götterläufen im Zusammenhang mit Raubüberfällen angesammelt hatten. Aufgeteilt auf die Jahrgänge, ergab sich tatsächlich schnell ein Bild, welches zu den bisherigen Aussagen passte. Denn die Pergamentstapel wurden für die letzten fünf Götterläufe beständig dicker.

„Ich denke wir können die Suche eingrenzen“, meinte Gerion in Anbetracht der vielen Schriftsstücke. Er blickte kurz zum Keilholtzer, der bestätigend brummte.

„Die letzten sechs Götterläufe sollten reichen.“ Aldemar trat heran und sammelte die nicht benötigten Schriften sorgsam wieder ein. „Haben wir eine Karte der Randersburger Lande?“, fragte Wulfhelm an den Radewitzer gerichtet.

Dieser nickte. „Ich werde sie holen, wenn Ihr dies wünscht.“

„Ja bitte, ich kenne mich in Randersburg nicht aus und ich muss, wissen wie sich diese Meldungen auf die verschiedenen Ecken der Baronie verteilen.“ Der Sekretär ließ sie mit einem stummen Nicken allein. „Sehr gut. Jeswine, Gerion, ihr fangt mit den aktuellen Meldungen an, ich kümmere mich zuerst um die alten Sachen.“

„Schon klar“, stichelte der Sturmfelser gegen seinen ehemaligen Schwertvater und pustete theatralisch durch. „Du willst nur nicht so viel lesen müssen. Aber ist wahrscheinlich besser so, sonst sitzen wir nächstes Jahr noch hier.“

Jeswine kicherte überrascht los. „Verzeiht, Wulfhelm, ich wollte euch nicht auslachen.“ Ein wenig beschämt wegen ihrer mangelnden Selbstbeherrschung wurden ihre Wangen rot und sie schlug die Augen nieder.

„Schon gut, der Knabe da gibt einfach gerne damit an, dass er schneller lesen kann als sein alter Lehrmeister.“ Mahnend hob er den Zeigefinger in Richtung von Gerion. „Mit dem Schwert versohle ich dir trotzdem noch jederzeit den Hosenboden, Jüngelchen.“

„Friede, Wulfhelm, Friede“, grinste dieser und hob abwehrend die Hände. „Lass uns anfangen.“

„Sehr gut“, meinte die Pfortensteinerin, die sich wieder gefangen hatte. „Bis Herr von Radewitz mit der Karte zurück ist, fragt mich sonst einfach, wenn euch nicht klar ist, welcher Ort zu welchem Lehen gehört.“

Der Keilholtzer nahm das erste Schriftstück in die Hand und überflog es. „Ich habe da gleich was. Wo liegt dieses Bronau?“

Nach ein paar Minuten gesellte sich Aldemar von Radewitz wieder zu ihnen und brachte die gewünschte Karte. Sie breiteten diese auf dem großen Eichentisch vor sich aus und begannen die Meldungen grob zuzuordnen. Als alle Pergamente verteilt waren ergab sich ihnen ein recht klares Bild.

„Das hier ist die Reichsstraße, richtig?“, vergewisserte sich Wulfhelm und deutete auf die dicke Linie, welche die Randersburger Land von Ost nach West in eine nödliche und eine südliche Hälfte teilte.

„Genau“, bestätigte Jeswine. „Hier sind dann die Randersburg, Hornbach, Nuzell, Ettingen, Trullenheim und Waldenrath.“ Erklärend deutete sie auf die größeren Ortschaften der pfalzgräflichen Lande.

„Auf der Reichsstraße haben wir erwartungsgemäß fast gar nichts.“, warf Gerion ein. „Aber wir haben eine massive Häufung firunwärts.“

„Das ist das Grenzgebiet nach Waldstein.“, erklärte die Hausritterin. „Die Familie Rallerau wacht seit Generationen über die einzige Handelsstraße über die Raller. Aber auf der Hälfte der Strecke liegt die Grafschaftsgrenze irgendwo mitten im Wald. Auch der Handelweg von Hornbach nach Rallerspfort, die Straße, auf der ihr auf die Räuber gestoßen seid, liegt meistenteils zu beiden Seiten von dichtem Wald gesäumt.“

„Ich verstehe. Ein großes unübersichtliches Gebiet, aber nicht genug Leute, um alles sinnvoll mit Patrouillen abzudecken.“ Wulfhelm strich sich nachdenklich durch seinen schwarzen Vollbart. „Ich denke wir können die Meldungen aus dem praioswärtigen Teil abräumen, Herr von Radewitz.“ Adelmar nickte stumm und tat wie ihm geheißen. „Lasst uns diese Schriften hier noch einmal genauer durchsehen, ob wir es weiter eingrenzen können.“

„Was mir direkt auffällt, das sind fast alles neuere Meldungen.“ Gerion deutete auf das Datum des ersten Schreibens, welches er in der Hand hielt. „Das ganze alte Zeug, was du hattest, war gut verteilt, aber jetzt häuft es sich im Norden.“

Jeswine war schon einen Schritt weiter. Sie überflog schnell alle Schreiben nach dem Ort der Meldung und hatte bald drei große und ein paar kleinere Stapel geschichtet. „Hornbach, Waldenrath, Rallerau.“ Sie tippte die Orte auf der Karte an. „In diesem Dreieck haben wir die meisten Meldungen.“

Wulfhelm nickte anerkennend. „Sehr gut! Wir wissen also, wo diese Bande operiert. Jetzt müssen wir überlegen, wie sie es anstellen auf diesem recht begrenzten Gebiet nie erwischt zu werden.“

„Tja, dann werden wir uns die Berichte wohl sehr gründlich durchlesen müssen.“ Der Sturmfelser seufzte gequält.

„Wenn Ihr wünscht, bin ich dabei gerne behilflich“, meldete sich der Sekretär zu Wort, der gerade damit fertig geworden war die zuletzt aussortierten Schriftrollen wegzuräumen.

„Aber gerne doch!“ Der Keilholtzer machte eine einladende Handbewegung und deutete auf einen freien Schemel am Tisch. „Achtet auf alles, was gehäuft vorkommt. Irgendein Muster müssen wir finden.“

Über ein Stundenglas verging. Das Rascheln von Pergament und das gelegentliche Räuspern eines der Ritter waren fast die einzigen Geräusche in der Schreibstube. Der Radewitzer war mit seinem Stapel als Erster fertig geworden, obgleich es der höchste gewesen war, und blickte erwartungsvoll in die Runde, der noch immer angespannt lesenden Ritter.

„Ich denke ich habe etwas gefunden“, sagte Adelmar ruhig. Sofort hatte er die Aufmerksamkeit der anderen. Wulfhelm schien dabei fast erleichtert zu sein, den Blick vom Pergament nehmen zu können. „Diese Schreiben hier sind alle von der Stadtwache in Hornbach gezeichnet. Aber offenbar wollte keiner der geschädigten Händler nach Hornbach. Die Überfälle erfolgten sämtlich, nachdem sie Hornbach gen Waldstein oder Rallerspfort verlassen hatten. Interessanterweise wurden zumeist recht wertvolle Transporte überfallen, da ist kaum ein Raubzug dabei, der das Risiko nicht wert war. Außerdem“, ergänzte er, „soweit es in den Berichten vermerkt ist, kamen die Überfallenen zuvor über die Angbarer Reichsstraße, zumeist aus der Reichsstadt Hirschfurt.“

Gerion blätterte schnell durch die Schreiben der Büttel aus Waldenrath, welche er vor sich liegen hatte. „Passt auffallend“, bestätigte er knapp „Die wollten alle nach Rallerspfort und kamen aus Hornbach.“

Jeswine und Wulfhelm, die den Stoß der Schreiben aus Rallerau gelesen hatten, sahen sich überrascht an. „Verblüffend“, meinte die Ritterin. „Mir ist auch kein Vorfall untergekommen, wo ein Händler aus Waldstein kommend überfallen wurde. Dir Wulfhelm?“

Der Greifenfurter schüttelte nur nachdenklich den Kopf. Sein Finger wanderte über die eingezeichnete Reichsstraße auf der Landkarte und blieb auf Hornbach liegen.

„Sie haben einen Informanten. Wenn nicht in Hornbach selbst, dann irgendwo entlang der Reichsstraße. Außerdem vermute ich schon die ganze Zeit einen Maulwurf hier auf der Randersburg, sonst hätten sie in all den Götterläufen längst einmal erwischt werden müssen.“ Er sah den anderen dreien nacheinander in die Augen als er fortfuhr. „Wir können dieser Bande eine Falle stellen, aber außer uns darf nur der Pfalzgraf von diesem Plan erfahren.“

Adelmar lächelte hintersinnig. „Ich danke Euch für euer Vertrauen Ritter Wulfhelm. Ihr kennt mich kaum und wollt mich doch mit einbinden.“

„Wärt Ihr die undichte Stelle, hättet Ihr uns kaum auf diese Fährte gebracht. Und falls es nicht klappt, seid Ihr danach mein Hauptverdächtiger“, fügte er knurrig hinzu. „Also folgendermaßen, als Erstes brauchen wir zwei einfach Reitpferde, die uns nach Luring bringen…“

Kapitel 5

Zwischen Tirolspappeln und Steintal, Grenze zur Baronie Waldfang

„Vergiss nicht Ingmar, wenn wir gleich in Steintal einkehren, sind wir Helme und Noreg. Du hast das Kommando und du denkst daran, dich mit dem Namen deiner Frau zu schmücken.“

„Glaubst du wirklich, dass dieser Aufwand notwendig ist?“ Der Greifenfurter Ritter trug einen Wappenrock mit den ungewohnten Farben der Familie Kesselstein. „Das ist schon sehr phexisch für meinen Geschmack. Zumal ihr euren Stand verleugnet.“

„Wir müssen diese Bande nun einmal täuschen, vor allem ihren Informanten. Deswegen bleiben wir bis Waldenrath zwei einfach Fuhrknechte. Wenn unsere Wagen zu schwer bewacht erscheinen, lassen sie uns womöglich passieren, egal wie teuer unsere Waren sind.“ Belehrend hob Wulfhelm den Zeigefinger. „Das darf nicht passieren. Wir wissen nicht, wo sich ihr Versteck befindet, also müssen wir sie dazu bringen uns anzugreifen.“

„Aber dieser Umweg ist riesig! Wir machen fast eine Rundreise durch die ganze Grafschaft.“

„Wir müssen nun einmal über Hirschfurt und die Reichsstraße nach Hornbach kommen“, warf Gerion ein. „Wir dürfen nicht riskieren dem Informanten versehentlich durch die Lappen zu gehen.“

„Genau. Wir mögen drei Tage verloren haben, weil wir über die Luringer Höhen und durch Schwarztannen gereist sind. Aber da wir nicht wissen, wo genau der Informant auf dieser Strecke lauert, müssen wir nun einmal den ganzen Weg gehen.“

„Mir gefällt es trotzdem nicht, euch das gefährlichste Stück allein reisen zu lassen.“ Ingmars Miene verriet deutlich, wie unglücklich er mit dieser Anweisung Wulfhelms war. „Ich komme mir vor wie ein Verräter.“

„Wie gesagt, wir dürfen auf keinen Fall zu wehrhaft erscheinen. Vier Fuhrknechte für die zwei schweren Wagen brauchen wir nun einmal. Aber die Bande hat nur etwa ein halbes Dutzend Leute. Hätten sie deutlich mehr, wären sie nicht Hals über Kopf geflohen und hätten sich gegen Gerion und mich zur Wehr gesetzt. Deswegen musst du uns in Hornbach verlassen und über Randersburg gen Firun reiten. Mit sechs oder sieben dieser verlumpten Gesellen kommen wir schon zurecht. Zumal unsere beiden Kutscher ab Hornbach jeder ihre Armbrust versteckt bereit haben werden. Die Räuber hier haben einfach nicht den Kampfeswillen wie die Wildermärker“, fügte er mit verächtlichem Ton hinzu.

„Wohl gesprochen!“ Aus Gerons Stimme klang die Vorfreude auf den bevorstehenden Kampf heraus. „Sorge du nur dafür, dass du mit Jeswine und unseren Pferden in Waldenrath auf uns wartest, damit mir gleich weiterreisen können, falls sich diese Strauchdiebe doch nicht blicken lassen.“

„So, und jetzt ist Ruhe.“ Wulfhelm deutete nach vorn, wo hinter dem nächsten Hügel die ersten Hütten von Steintal in Sicht kamen. „Denkt daran Bemerkungen über unsere Ladung fallen zu lassen. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass sich das Netz der Bande von Randersburg bis hierher erstreckt, aber im Zweifelsfall ist es eine gute Übung für die nächsten Tage.“

Kapitel 6

Sie hatten das Dorf Haselstein vor einer knappen Stunde passiert, als die Räuber plötzlich aus dem Unterholz zu beiden Seiten auftauchten. Scheinbar nach dem gleichen Muster wie bei dem verhinderten Überfall ein paar Wochen zuvor näherten sie sich den Wagen. Die Frau mit dem Schwert, welche wohl die Anführerin war, stellte sich breitbeinig auf den Weg, um die Ochsen zu stoppen. Schräg neben ihr eilte die Armbrustschützin heran, um Kutscher und Wagenknecht des ersten Wagens, in diesem Fall Wulfhelm mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze, in Schach zu halten. Beim hinteren Wagen übernahm die Sicherung der Bogenschütze, während die übrigen drei Banditen sich mit Speer, Knüppel und Dolchen bewaffnet um die Wagen verteilten.

„Ihr seid jetzt schön brav, dann passiert keinem etwas!“, tönte die Hauptfrau mit kratziger Stimme. „Einfach sitzen bleiben und die Hände da, wo ich sie sehen...“

Der Rest der Worte ging in einem erschrockenen Keuchen unter, denn Wulfhelm nutzte das Überraschungsmoment und seinen Höhenvorteil aus. Die Frau mit der Armbrust hatte sich leichtsinnigerweise zu nah an den Wagen gestellt und mit einer schnellen Bewegung trat der Keilholtzer die vorgehaltene Waffe zur Seite. Der Schuss löste sich und der Bolzen grub sich tief in das dicke Holz der Karrenwand neben ihm. Mit einem schnellen Griff zog er das blanke Schwert aus dem Leinenbündel hinter sich und ließ sich vom Kutschbock rutschen. Die Schützin wich instinktiv vor ihm zurück, doch als er ihr nachsetzen wollte, hörte er den Wutschrei der Anführerin hinter sich. Also ließ der die Frau mit ihrer entladenen Armbrust laufen und wandte sich der größeren Gefahr zu.

Gerion auf dem hinteren Wagen hatte nur auf dieses Signal gewartet. Auch er zog sein Schwert aus einem Stoffbündel hervor und sprang behände zwei Räubern entgegen, welche ihm mit Speer und Dolchen gegenüberstanden. Anselm, der Kutscher, der neben dem Sturmfelser gesessen hatte, reagierte als nächstes. Mit einem vorher geübten Griff in die Ladefläche hinter sich, holte er eine schussbereite leichte Armbrust hervor. Ohne zu zögern, legte er auf den Bogenschützen an, der sich gerade berappelte. Fast zeitgleich lösten sich die Geschosse. Der Pfeil zischte ohne Schaden anzurichten einen halben Schritt am Kutscher vorbei, während sein Bolzen sich tief in den Oberschenkel des Banditen grub. Brüllend vor Schmerz brach dieser zusammen. Im nächsten Moment stürzte aber auch Anselm mit einem Schmerzensschrei vom Bock und hielt sich den stark blutenden Oberarm. Die Räuberin mit den Dolchen hatte einen davon nach ihm geworfen, bevor Gerion sie hatte abhalten können.

Baldur, der zweite Kutscher, hatte nun auch endlich seine leichte Armbrust schussbereit. Der letzte Bandit, ein bulliger Typ, den man gut statt eines Ochsen in ein Joch hätte spannen können, hatte sich mit halb erhobener Stachelkeule unentschlossen noch kaum vom Fleck bewegt, da er sich offenbar nicht entscheiden konnte an welcher Stelle er eingreifen sollte. Doch nahm er sehr wohl die Bewegung des Kutschers wahr und als dieser auf ihn schoss sprang er unerwartet geschickt zur Seite. Der Bolzen streifte ihn lediglich an der Schulter und eher wütend als verwundet rappelte er sich wieder auf. Baldur fluchte über den schlechten Schuss, griff nach dem groben Knüppel zu seinen Füßen und stieg mit geübten Bewegungen vom Bock, um dem Angreifer die Tracht Prügel zu verpassen, die er seiner Meinung nach mehr als verdient hatte.

Die Anführerin der Bande hatte indes erst wenige Hiebe mit Wulfhelm ausgetauscht, doch reichten diese ihr, um zu erkennen, dass sie hier an einen klar besseren Gegner geraten war. Einem Ausfall des Keilholtzers konnte sie mit Mühe ausweichen und nutzte den gewonnenen Abstand, um sich mit einem lauten Rückzugsbefehl auf den Lippen zur Flucht zu wenden. Die restlichen Banditen ließen sich das nicht zweimal sagen. Der mit dem Speer zwang Gerion mit einem wilden Stoß zum Zurückweichen, dann drehten er und seine Spießgesellin sich um und rannten in den Wald. Der bullige Kerl mit der Stachelkeule ließ unterdessen von Baldur ab, den er bereits bis zurück an die Karrenwand gedrängt hatte und verschwand in die andere Richtung. Lediglich der sich noch immer vor Schmerzen windende Bogenschütze lag auf dem Waldboden neben dem hinteren Wagen.

„Wulfhelm, komm her, wir haben einen! Und Anselm blutet wie ein Schwein!“

„Orkendreck! Ja ist gut, ich komme!“ Wulfhelm erhaschte einen letzten Blick auf die Flüchtenden, griff dann nach dem Leinentuch, in welchem sein Schwert verborgen gewesen war und eilte damit zum hinteren Wagen. „Baldur!“, herrschte er im Vorbeirennen den zweiten Kutscher an. „Pass auf, dass sich der Angeschossene da nicht davonwieselt! Ich habe Fragen!“

Die kampferfahrenen Ritter entfernten mit geübten Handgriffen den tiefsitzenden Wurfdolch und innerhalb weniger Minuten war der unglückliche Kutscher verbunden. Der Keilholtzer hieß ihn sich vorerst an eines der großen Wagenräder zu lehnen und zu ruhen, während er zusammen mit dem jungen Sturmfelser den gefangenen Räuber verhören wollte.

„Nun zu dir Bursche!“ Grob packte er ihn unter den Schultern, zwang ihn auf die Beine und drückte ihn mit dem Rücken an die Karrenwand. „Oho, ich erkenne dich doch! Du hast uns vorgestern in der Taverne in Blaustein das Bier ausgeschenkt!“ Wulfhelm schnalzte mit der Zunge. Hier war also derjenige, der für die Bande die Handelszüge ausgespäht hatte. „Der Bolzen sitzt gut und du wirst verbluten, wenn dir nicht schnell geholfen wird. Also verschwende deine und meine Zeit nicht und sage mir einfach, für wen ihr arbeitet. Wer ist euer Auftraggeber?“

„Der Ritter…“, jammerte der Räuber erbärmlich. „Bitte lasst mich runter… argh!“

Wulfhelm hatte den Kragen fester gepackt und ihn einmal durchgeschüttelt. „Welcher Ritter? Gib mir den Namen, dann bin ich sogar bereit dich mit zum nächsten Peraine-Tempel zu schleppen.“ Gnädig ließ er den Verwundeten sich wieder setzen und ging vor ihm in die Hocke, um ihm eindringlich in die Augen sehen zu können. Gerion stand mit finsterer Miene und verschränkten Armen auf der anderen Seite.

„Rothbert! Ritter Rothbert von Hold… ARGH…“ Mit einem schmatzenden Geräusch grub sich ein Bolzen in die Brust des Gefangenen. Ein Schmerzensschrei, dann sackte er tödlich getroffen zur Seite. Wulfhelm wich eilig zurück und drehte sich zum Wald.

Gerion hatte bereits reagiert. Er rief Baldur an seine Seite und stürmte das Schwert voran ins Unterholz. Nach ein paar Minuten kehrten sie jedoch unverrichteter Dinge wieder zurück.

„Keine Chance ohne Spürhund. Das Unterholz ist einfach zu dicht.“ Wütend trat der Sturmfelser gegen das nächste Karrenrad. „Was machen wir jetzt?“

„Wir setzen den Weg wie besprochen bis Waldenrath fort. Wir haben einen Namen. Ritter Rothbert von Holdirgendwas. Jeswine wird sicherlich etwas damit anzufangen wissen. Außerdem liegt der nächste Peraine-Tempel auch dort, da können wir gleich Anselm zu einer Geweihten bringen.“

„Sehr gut.“ Der jüngere Ritter sah sich kurz um. „Baldur, hilf mir den Toten zu verladen. Vielleicht erkennt ihn jemand und kann uns noch mehr zu ihm sagen. Ansonsten freut sich die Büttel in Waldenrath sicherlich, dass sie noch einen zur Warnung aufhängen können.“

Kapitel 7

Nachdem die Dinge in Waldenrath geregelt waren und Ingmar mit Karren gen Greifenfurt aufgebrochen war, ritten Wulfhelm, Gerion und Jeswine über Camden zurück nach Randersburg. Zu ihrer Überraschung, aber auch Freude hörten sie, dass auch Ritter Rothbert seit dem Vorabend auf der Burg weilte. Nach einem kurzen Rapport beim Pfalzgrafen, entschied dieser seine Ritter und Hofgeweihten zur Klärung der Angelegenheit im Rittersaal zusammenzurufen.

Udilberth von Hardt hatte den Saal freiräumen lassen. Tische und Bänke waren an die Seitenwände geschoben. Am Kopfende des Saales, unter dem großen Wappenbanner Randersburgs, waren ein paar gepolsterte Lehnstühle aufgestellt, auf denen der Pfalzgraf selbst nebst Gattin zu seiner Linken Platz nahm. Zu seiner Rechten saßen dagegen die Geweihten des Herrn Praios, Audora von Ystar, und der Herrin Rondra, Albin von Radewitz. Ganz außen hatte man an einem kleinen Tisch samt Schemel aufgestellt, an welchem der pfalzgräfliche Sekretär Aldemar von Radewitz als Schreiber fungierte. Die Ritter des Hofes hatten sich indes auf den Bänken zu beiden Seiten zusammengefunden.

„Meine Herrschaften, Ihr fragt Euch sicherlich, warum ich Euch zusammenrufen ließ“, eröffnete Udilbert die Versammlung ohne große Einleitung. „Es ist keine Kleinigkeit wie Ihr Euch sicherlich denken könnt. Um es kurz zu machen, es gilt Gericht zu halten über einen der Anwesenden.“

Ein Raunen ging durch den Saal. Ein jeder blickte seinen Nebenmann an, doch waren die meisten Blicke recht ratlos.

„Ritter Keilholtz!“, beendete Udilberts donnernde Stimme das eingesetzte Getuschel. „Tretet vor Uns und tragt Eure Klage vor.“

Wulfhelm erhob sich und das Getuschel der Höflinge setzte wieder ein. Außer ein paar Hausrittern war er niemandem bekannt und nur Gerion und Jeswine wussten was nun kommen sollte.

„Ihro Gnaden“, verneigte er sich zuerst vor der Geweihtenschaft, „euer Hochwohlgeboren von Hardt. Ich bin Wulfhelm von Keilholtz, Ritter aus Kressenburg, und ich erhebe Anklage gegen den Ritter Rothbert von Holdbrucken! Ich beschuldige ihn der Anstiftung und Unterstützung von Wegelagerei in den Randersburger Landen!“

„Das ist unerhört! Wie könnt Ihr es wagen?“ Ein stark ergrauter Mittfünfziger erhob sich sichtlich erzürnt von der gegenüberstehenden Bank. Sein Wappenrock zeigte zwei weiße Schwanenköpfe auf blauem Grund die einen goldenen Reif zwischen sich in den Schnäbeln hielten. „Wie kommt Ihr dazu mir dergleichen zu unterstellen? Was gibt Euch das Recht dazu? Ich kenne Euch überhaupt nicht!“

„Und ich kannte Euch bis zu diesem Zeitpunkt nicht.“, erwiderte der Greifenfurter ruhig. „Aber ich bin Euren Spießgesellen begegnet, als sie den Handelszug überfielen, für dessen Sicherheit ich meinem Dienstherrn, dem Baron von Kressenburg, verpflichtet war. Zumindest einer dieser Strolche stammte aus Eurem Lehen, dem Dorf Blaustein. Er nannte mir sterbend Euren Namen als Kopf hinter diesem Raubgesindel, welches, wie ich hier erfuhr, wohl schon seit einigen Götterläufen die Wege firunwärts der Stadt Hornbach unsicher macht.“

„Es ist unerhört!“, schimpfte der ältere Ritter weiter und wandte sich nun an den Pfalzgrafen. „Euer Hochwohlgeboren, ich verbitte mir derlei infame Unterstellungen von einem Dahergereisten! Zumal er seine Anschuldigungen auf Grundlage der angeblichen Aussage eines toten Gemeinen erhebt.“

„Wenn Ihr meinem Ehrenwort allein nicht glauben wollt, so rufe ich Ritter Gerion von Sturmfels auf.“ Wie auf Kommando erhob sich der Genannte und trat einen Schritt vor. „Er hat mich begleitet und kann die letzten Worte des Banditen ebenso bezeugen.“

„Es ist mir gleich, was dieser Lump Euch gesagt hat! Wenn er meinen Namen in diesem Zusammenhang erwähnte, war das eine Lüge, um mir zu schaden!“ Wieder ging ein Blick fast flehentlich zum Pfalzgrafen. „So weit kommt es wohl noch, dass ich meinen guten Namen durch jenen hier“, deutete er wild mit dem Zeigefinger auf Wulfhelm, „in den Dreck ziehen lassen muss.“

„Genug.“ Die Stimme der jungen Praiosgeweihten war nicht laut, doch genügte es vollkommen, um den Saal sofort zum Schweigen zu bringen. Audora erhob sich würdevoll und sah erst Rothbert und dann die Greifenfurter für einen langen Augenblick an. „Ritter Wulfhelm von Keilholtz, Ritter Gerion von Sturmfels, seid Ihr bereit vor dem Götterfürsten einen Eid abzulegen, dass Eure Worte der Wahrheit entsprechen?“

Die Angesprochenen senkten ehrerbietig ihr Köpfe. Ohne sich zuvor anzusehen, antworteten sie fast zeitgleich. „Das sind wir Euer Gnaden.“

„Ritter Rothbert von Holdbrucken“, fuhr die Geweihte fort, „seid Ihr bereit vor dem Götterfürsten einen Eid abzulegen, dass die gegen Euch erhobenen Anschuldigungen unwahr sind?“

„Euer Gnaden, ich erkenne wirklich nicht, warum das notwendig sein sollte. Meine Ehre als Ritter sollte hier nicht in Frage gestellt werden und…“

„Seid Ihr bereit Eure Unschuld zu beschwören?“ Audoras Stimme war eine ganze Spur schärfer geworden und schnitt dem Ritter förmlich das Wort ab.

„Euer Hochwohlgeboren“, wandte sich Rothbert flehentlich an den Pfalzgrafen, „das muss doch nicht sein. Ich habe Euch immer treu gedient…“

„GENUG!“ Diesmal hallte die Stimme der Praiosgeweihten wie Donnerhall durch den Rittersaal. Ohne Eile, fast lauernd konnte man es nennen, ging sie auf den Blausteiner Ritter zu und blieb etwa einen Schritt vor ihm stehen. „Ich frage euch nun zum dritten und letzten Mal. Seid Ihr bereit Eure Unschuld im Namen des Götterfürsten zu bezeugen?“ Ihr Tonfall sprach von einer Autorität, die kein derischer Truppenführer und keine Landesherrin jemals erreichen würden.

Rothbert stand wie erstarrt vor der halb so alten und etwa einen halben Kopf kleineren Audora. Ihr Blick bohrte sich wie güldene Pfeile in seine Augen und ließ nicht zu, dass er sich von ihr abwandte. Seine Lippen begannen unkontrolliert zu beben. Er öffnete den Mund, um zu sprechen, doch statt einer Antwort sank er schluchzend vor ihr auf die Knie.

Kapitel 8

„Wie gut, dass Rothbert am Ende doch noch mit der Sprache rausgerückt ist, wo das Lager dieser Strauchdiebe finden zu finden ist.“ Jeswine drückte die niedrigen Äste des Unterholzes zur Seite, damit Wulfhelm und der Rest des Trupps hinter ihm ihr folgen konnten. „In diesem Gestrüpp hätten wir sie über Monde nicht gefunden. Bis dahin hätten sie längst Wind davon bekommen, dass sie aufgeflogen sind und sich über die Raller davon gemacht.“

„Das könnte wohl damit zusammenhängen, dass der Hardt dem Holdbrucken nochmal klar gemacht hat, dass er so oder so zu Boron geht“, meinte der Greifenfurter lapidar, „und ihm die Wahl gelassen hat zwischen dem ehrlosen Strick und dem gnädigen Richtschwert.“

„Ich glaube ja eher, dass es Ihro Gnadens Predigt von den ewigen Qualen in den Niederhöllen war, die ihn erwartet, wenn er vor dem Tode nicht angemessen Reue zeigt.“

„Sehr gut möglich.“ Der Keilholtzer hatte in seiner Zeit in der Wildermark zu viele menschliche Abgründe kennengelernt, um sich noch ernsthaft Gedanken über die möglichen Beweggründe von Verbrechern zu machen. „Mich beeindruckt übrigens Ritter Hagen. Sein Schwiegervater wurde der Wegelagerei und Hehlerei überführt und zum Tode verurteilt. Aber er war der Erste, der sich gemeldet hat, als es darum ging einen Trupp zusammenzustellen, der das Versteck ausräuchert.

„So wie ich ihn kennengelernt habe, ist er ein sehr ehrbarer Mann. Loyal und dem Pfalzgrafen treu ergeben. Dass der Holdbrucken seine Ehre wegen ein paar Spielschulden verkauft hat, hat den Hauptmann vermutlich mehr mitgenommen als jeden anderen auf der Randersburg.“

Das Geräusch einer sich lösenden Armbrustsehne ließ den erfahrenen Ritter instinktiv reagieren. Unvermittelt warf er sich auf Jeswine und rollte mit ihr ihn den nächsten Busch, während dort wo sich soeben noch der Kopf der Ritterin befunden hatte, ein Bolzen in den nächsten Baumstamm einschlug.

„Verzeih“, keuchte Wulfhelm, als er auf Jeswine zu liegen kam, sodass ihre Gesichter nur wenige Finger voneinander getrennt waren. „Ich hoffe du unterstellst mir jetzt keine Unsittlichkeit.“, fügte er in halb scherzhaftem Ton hinzu.

„Aufregend“, atmete sie schwer unter ihm, im Bewusstsein gerade haarscharf dem Tod entronnen zu sein. Dann verklärte sich ihr Blick etwas, als sie Wulfhelm tief in die Augen sah. „Und wahrlich nicht so unangenehm, dass du dich dafür entschuldigen müsstest.“

„Uh, nehmt euch ein Zimmer, bitte.“ Gerion hatte im Eilschritt aufgeschlossen, um zu sehen, ob seinem alten Schwertvater und der Pfortensteinerin nichts geschehen war. „Kommt schon, dafür habt ihr später noch Zeit. Jetzt müssen wir schauen, dass uns diese Halunken nicht entwischen.“

Neben ihnen liefen gerade leicht geduckt Hauptmann Hagen, Ritterin Quelina und Ritter Aldemar vorbei.

„Hardt, Ihr nach links, Plitzenberg, die rechte Flanke! Greifenfurt, nachrücken!“ Der Rallerauer war offenkundig in seinem Element und stürmte grimmig voran.

„Dann wollen wir mal.“ Gerion zog erst Wulfhelm auf die Beine und sammelte dann die beim Sturz verlorenen Schwerter der beiden auf.

Der Keilholtzer nahm indes die Ritterin an beiden Händen und hob sie mit Leichtigkeit hoch. Als Jeswine vom Sturmfelser ihr Schwert gereicht bekam, trat sie ganz nah an Wulfhelm heran, der zwischen ihnen stand, und griff um ihn herum. „Ich danke dir“, sagte sie leise, als ihr Lippen auf Höhe seines Ohrs waren. Es hätte für jeden der beiden Ritter gedacht sein können. Sie nahm ihr Schwert von Gerion entgegen, löste sich vom sprachlosen Wulfhelm und eilte den anderen Randersburger Rittern hinterher.

„Komm, alter Mann, oder bist du versteinert?“, holte der Sturmfelser seinen Schwertvater aus den Gedanken. „Es wäre doch eine Schande, wenn wir den Reichsforstern den ganzen Spaß allein überlassen.“

„Quatsche nicht und geh vor“, grummelte Wulfhelm mürrisch und nahm sein Schwert. „Los! Vermutlich werden wir wieder irgendeinen von ihnen retten müssen.“

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Der Kampf im Versteck der Diebe war kurz gewesen. Die von Hauptmann Rallerau befohlene Zangenbewegung hatte dafür gesorgt, dass keiner der übrigen fünf Räuber entkommen konnte. Gegen Hagen, Quelina und Aldemar hatten sie sich noch erfolgreich zur Wehr gesetzt, zumal sie nicht mehr hatten überrascht werden können, doch als dann noch Jeswine, Wulfhelm und Gerion in den Kampf eingegriffen hatten, waren die Verbrecher schnell überwältigt worden. Zwei wurden niedergemacht, drei lebend nach Randersburg gebracht, wo sie vom Pfalzgrafen nach kurzem Prozess zum Tod durch den Strang verurteilt wurden. Rothbert von Holdbrucken blieb wie ihm versprochen wurde das Spektakel auf dem Marktplatz erspart. Sein Richtplatz befand sich im Großen Hof der Randersburg, vor den Stufen des Rondra-Tempels. Nachdem Kopf und Rumpf des Ritters fortgeschafft worden waren, bat Udilbert von Hardt den Keilholtzer noch einmal in seine Schreibstube.

„Ritter Keilholtz“, fing der Pfalzgraf wie es seine Art war ohne große Umschweife an, sobald die Tür hinter ihnen verschlossen war. „ich möchte mich noch einmal persönlich dafür bedanken, dass Ihr Euch in dieser Angelegenheit so sehr bemüht habt. Ihr habt mir und damit dem Reich und der Kaiserin einen großen Dienst erwiesen. Aus diesem Grund möchte ich euch nun eine Frage stellen. Steht Ihr im Lehensverhältnis zu Eurem Herrn oder sonst irgendwem, oder seid Ihr ein einfacher Dienstritter?“

„Weder noch, Euer Hochwohlgeboren.“ Wulfhelm beeilte ob Udilberts fragenden Blick diesen Umstand aufzuklären. „Tatsächlich ist mein Dienstherr, der Baron zu Kressenburg, mein eigener Neffe, der Sohn meines ältesten Bruders. Als ich vor einiger Zeit, nach vielen Götterläufen des Dienstes für die Krone, mit nichts als meinem Pferd, meiner Rüstung und meinem Schwert aus der Wildermark heimkehrte, nahm er mich in seine Dienste, damit ich ein Auskommen und einen Sinn auf Dere habe und nicht etwa zum Heckenritter verkomme. Ich besitze seitdem nicht sehr viel mehr als zuvor, doch muss ich mir zumindest um die nächste Mahlzeit oder die Reparatur meiner Rüstung keine Sorgen mehr machen.“

„Ich verstehe.“ Der Hardt nickte wie zu sich selbst. „Das erleichtert mein Anliegen ungemein. Wie Euch nicht entgangen sein dürfte, stehe ich gerade vor der Aufgabe ein vakantes Lehen neu vergeben zu müssen. Ritter Holdbrucken hatte natürlich Kinder. Seine älteste Tochter lebt hier auf der Randersburg und ist die Gemahlin meines Gardehauptmanns, was Ihr vielleicht schon wisst. Doch ist mein Vertrauen in die Familie Holdbrucken gerade nicht das Beste, wie Ihr Euch sicherlich ebenfalls vorstellen könnt. Da es sich bei der Herrschaft Blaufelden zudem rein rechtlich um kein erbliches Lehen handelt, steht es mir frei jemanden Geeignetes für diese Position zu finden. Um es kurz zu machen, mir hat Euer Verhalten, Eure Tatkraft und Gewitztheit sehr imponiert. Ich erkenne in Euch einen erfahrenen, zupackenden Kämpen und da keine anderen Verpflichtungen Euch binden, biete ich Euch an, die Herrschaft Blaufelden zu übernehmen und damit mein Lehnsmann zu werden. De jure gehört die Herrschaft natürlich zum Junkertum Trullensee. Aber ich denke der Junker wird sich meiner ausdrücklichen Bitte, Euch für diese Position auszuwählen, nicht verwehren.“

Wulfhelm schwieg vor Überraschung, während der Pfalzgraf ihn erwartungsvoll ansah. „Puh, da habt Ihr mich mit heruntergelassenen Hosen erwischt, wie man so schön sagt“, brach es mit einem Grinsen aus ihm heraus, als er die Sprache wiederfand. „Da sage ich doch einfach mal ja, bevor Ihr es Euch anders überlegt. Mein Neffe wird den Verlust eines Dienstritter verschmerzen können. Wahrscheinlich ist er im Stillen eher froh darum mich von der Kostenliste zu streichen, auch wenn er das natürlich nie zugeben würde. Die Familie ist bei uns heilig.“ Der letzte Satz klang aus seinem Munde tatsächlich mehr wie eine heilige Formel als nach einem einfachen Sprichwort. „Wann kann ich meinen Lehnseid leisten?“

„Wenn Ihr das wünscht, sofort.“ Udilbert warf einen Blick auf den fast leeren Burghof. Nur ein paar Mägde waren noch damit beschäftigt mit Sand und Spänen die Blutlache vor dem Rondra-Tempel zu entfernen. „Ihro Gnaden Audora sollte inzwischen wieder in der Praios-Kapelle anzutreffen sein.“

Kapitel 9

Ehevertrag in der Taverne, Unruhige Zeiten Geschichte anpassen

Kapitel 10

Jeswines Schwangerschaft, Unruhige zeiten Geschichte anpassen

Die Vertrauten der Krone

Kein Ordensland in Greifenhorst

Phex 1046 BF, Greifenhorst

„Ardo, welch Freude dich wieder einmal in Greifenhorst begrüßen zu können.“

„Die Freude ist ganz meinerseits, Otwin. Es ist immer wieder schön, dein gastliches Heim zu betreten.“

„Zu viel der Ehre. Rustikal trifft es eher, und das weißt du ganz genau. Schließlich bist du oft genug im Garetischen, um das zu erkennen.“

„Ach weißt du, der ganze Prunk und die Annehmlichkeiten der garetischen Lustschlösser mag recht angenehm sein. Aber nur hier am Finsterkamm erkennen wir wirklich, wo unser von Praios gegebener Platz auf Dere ist und welche wichtige Aufgabe uns als Herren über das Land zufällt.“

„Wohl gesprochen. Komm doch herein und setzt dich erstmal. Das Bier steht schon bereit.“

„Das lasse ich mir nicht zweimal sagen.“

„Was verschlägt dich also nach Greifenhorst, kaum dass der Schnee die Wege freigegeben hat?“

„Zweierlei. Zum Ersten möchte ich Dich und die Deinen für Anfang Praios nach Kressenburg einladen. Der Praios-Tempel ist nach zwölf Götterläufen Bauzeit endlich fertiggestellt und zur Tempelweihe seid ihr alle herzlich willkommen.“

„Diesem freudigen Anlass werden wir natürlich nicht fernbleiben. Karina und ich werden auf jeden Fall anreisen.“

„Wunderbar! Die restlichen Garafanisten werde ich dieser Tage auch noch aufsuchen und persönlich einladen. Immerhin ist der Tempel dem Heiligen Garafan gewidmet und soll die spirituelle Heimstätte der Ritterschaft Greifenfurts werden.“

„Ich kann es kaum erwarten ihn in seiner Vollendung zu sehen. Das letzte Mal als ich dich besuchte, war man gerade erst dabei die Kuppel zu schließen.“

„Ja, die Zeit vergeht manchmal wie im Flug. Doch lass mich zu meinem anderen Anliegen kommen. Wie du weißt, stehe ich seit seiner Gründung dem Orden von Korgond vor und bin zuletzt in dieser Position auch bestätigt worden.“

„Das ist mir bekannt, auch wenn ich selbst nicht Teil dieser Gemeinschaft bin. Ich war bisher mit dem Finsterkamm und den Schwarzpelzen genug beschäftigt, als dass ich mich mit dieser Groß-Garetischen Geschichte hätte befassen können.“

„Das verstehe ich nur zu gut. Trotzdem sind jene Mysterien, mit denen sich der Orden befasst nicht unwichtig, basiert auf ihnen doch das Verständnis für eine gute Herrschaft über das Land. Ich bin mir bewusst, dass gerade in Greifenfurt viele Edle der Idee Groß-Garetiens skeptisch gegenüberstehen, weil sie es als politische Idee verstehen. Auch ich habe kein Verlangen danach ein Vasall des neuen Großfürsten zu werden und das ist auch nicht der Kerngedanke Korgonds. Das Land vom Kamm bis zu den Zacken mag durch Sumu mythisch verbunden sein, doch werden wir sicherlich nicht an den von Praios gegebenen Grenzen und Gesetzen rütteln.“

„So weit, so gut, doch wie kann ich dir nun behilflich sein?“

„Auf dem letzten Kapiteltreffen des Ordens, wurde beschlossen nach einer Heimstatt für die Korgonder zu suchen. Ein spirituelles Zentrum wie der Praios-Tempel in Kressenburg es für die Garafanisten sein wird.“

„Und das suchst du ausgerechnet bei mir in Greifenhorst, am Rande der Zivilisation?“

„Entsinnst du dich, dass ich im letzten Herbst mit einer Gruppe Edler im Kamm an den Grenzen deiner Lande unterwegs war, um den Gerüchten um eine Drachensichtung nachzugehen? Dabei stießen wir auf ein abgelegenes Tal in den Bergen, unweit eines Hirtendorfes.“

„Ja, ich habe deinen Brief erhalten. Es waren ja letztlich nur ein Meckerdrache und eine entlaufene Bauerntochter, die die Leute dort zum Narren gehalten haben.“

„So ist es. Doch in dem Tal, wo wir sie aufspürten, gab es auch uralte Trollruinen. Zudem liegt es auf einer jener mystischen Kraftlinien, welche der Orden zu ergründen versucht. Wir wissen ja nicht viel über die Trolle und ihr untergegangenes Reich, aber sie scheinen ihre Städte ganz bewusst auf diesen Linien errichtet zu haben.“

„Tatsächlich sind mir diese Trollsteine nicht unbekannt gewesen. So wie du sagst, sind sie dort seit Menschengedenken und meine Bauern halten sich vernünftigerweise fern davon.“

„Nun, eben jene Ruinen und ihre Lage machen das Hochtal für den Orden von Korgond aber interessant. Sie bieten eben jene mythische Verbindung zum Land, welche wir zu ergründen suchen. Deswegen hat mich das Kapitel bei unserem letzten Treffen damit betraut in dieser Sache bei dir vorzusprechen. Könntest du dir vorstellen das Tal und die umliegenden Ländereien mit dem Hirtendorf dem Orden zu übergeben? Denn natürlich würde es auch einige Arbeitskräfte und Erträge brauchen, um den Ordensstützpunkt aufzubauen und zu unterhalten.“

„Leider muss ich deine Bitte abschlagen und ich denke du weißt warum. Für jene in eurem Orden welche aus Garetien und Perricum stammen mag das keine große Sache sein. Doch du kannst sicherlich einschätzen, welchen Verlust die vergleichsweise mageren Einnahmen eines so kleinen Hirtendorfes in meine Kassen reißen würde.“

„Dessen bin ich mir wohl bewusst und meine Hoffnung war gering eine andere Antwort zu erhalten. Ich verstehe und akzeptiere deine Absage, doch bitte verstehe, dass ich fragen musste.“

„Du hast gefragt, ich habe dir geantwortet. Damit soll es gut sein. Ich habe da aber auch noch eine Sache, bei der ich stattdessen dich um einen Gefallen bitten möchte.“

„Nur zu, ich helfe gern, wenn es in meiner Macht steht.“

„Oh, ich bin mir sicher, dass es das tut. Meine Schwiegertochter erwartet ihr erstes Kind. So TSA will wird es irgendwann nach dem Jahreswechsel das Licht Deres erblicken.“

„Alle guten Wünsche für Mutter und Kind sind dir gewiss. Was genau brauchst du von mir?“

„Gerion und vor allem Adaque haben den Wunsch geäußert, dass du die Patenschaft über das Kind übernehmen mögest. Offenbar habt ihr seit den Traviafeierlichkeiten einen guten Draht zueinander. Auch ich würde mich geehrt fühlen, wenn du dem zukünftigen Erben von Greifenhorst als Oheim, und wenn die Zeit reif ist als Schwertvater, anleiten würdest.“

„Die Ehre liegt ganz auf meiner Seite Otwin. Mit Freuden akzeptiere ich diese Bitte und Aufgabe.“

„Wundervoll, sie werden glücklich sein das zu hören! Aber sieh, da kommen sie gerade. Du kannst es ihnen gerade selbst sagen.“

Auf dem Holzweg

Gebotene Eile

Mitte Praios 1041 BF, Kressenburg

Die kleine Keilholtzer Reisegruppe war schnell vorangekommen. Neben Baron Ardo, seinem Vater Wulfhart und dem entfernten Vetter Unswin, bestand sie noch aus den diversen Knappen und Pagen der hohen Herren. Sie hatten von Gareth aus den Weg durch Waldstein, den Elfenpfad, gewählt. Ardo war vor allem neugierig, wie weit die bauliche Instandsetzung dieses Handelsweges auf der garetischen Seite fortgeschritten war. Die elfische Gräfin hatte sich damals sehr entschieden gegen den weiteren Ausbau ausgesprochen, was den hochfliegenden Plänen des Waldsteiner Adels und den angrenzenden Greifenfurter Baronen etwas den Wind aus den Segeln genommen hatte. So stimmte es Ardo sehr froh zu sehen, dass die Waldsteiner Edlen sich unter dem Einfluss Leomars von Zweifelsfels doch mehrheitlich gegen den Wunsch ihrer Gräfin zu stellen schienen und das einzig Richtige taten, was den Handel in dieser Region voranzubringen vermochte. Der Karrenweg Richtung Greifenfurt war an vielen Orten verbreitert und bis zur Stadt Osenbrück sogar vollständig mit Feldsteinen befestigt worden. Auch zwei neue Gasthäuser waren dem Kressenburger aufgefallen, die bei seiner letzten Durchreise noch nicht fertig gestellt gewesen waren. Auch das letzte Teilstück durch das Gebiet der Junker von Hagenbronn war trotz der schwelenden Feindschaft friedlich verlaufen. Drei gut gerüstete Ritter samt ihrem Gefolge schüchterten die Büttel genug ein, dass sie sich diesmal kaum mehr als ein paar unfreundliche Blicke und ein mürrischen Knurren gewagt hatten. So war die Heimreise vom Kaiserturnier in Gareth deutlich angenehmer gewesen, als Baron Ardo es erwartet hatte.

Im heimatlichen Kressenburg öffneten sich schnell alle Tore vor ihnen. Ardo merkte vor allem am Baufortschritt des Praios-Tempels, dass er schon wieder für mehrere Monde fern seines Lehens gewesen war. Die üblichen Schuldgefühle überkamen ihn und zum wiederholten Male nahm er sich vor, in Zukunft deutlich mehr Zeit bei seiner Gemahlin und den Kindern zu verbringen. Sie waren auch kaum auf den Burghof geritten und von den Pferden gestiegen, als eine kleine lärmende Kleinkinderschar aus den Stallungen stürmte und sie umringte. Kurz danach traten zwei jungen Edeldamen dazu. Die eine zierlich von Gestalt und von fast elfenhafter Anmut. Die andere nicht minder schön, doch von eher muskulöser Statur, der man die Kriegerin auf eine halbe Meile Entfernung ansah, die zudem einen etwa fünf Monde alten Säugling auf dem Arm hielt.

Noch bevor Wulfhart und Ardo ihre Gemahlinnen begrüßen konnten, trat eine dritte, noch etwas jüngere Frau dazu, gewappnet und in den Farben der Mark gewandet. Das eher gezwungene Lächeln, das sie zur Schau stellte als sie Ardo sah, sagte dem Baron, dass seine Tante nicht auf einen Freundschaftsbesuch vorbeigekommen war. Nachdem sich der größte Trubel des Willkommens gelegt hatte, nahm die Ritterin der Mark den Baron dann auch kurz zur Seite, um ihre Botschaft los zu werden.

„Die Greifin wünscht dich umgehend zu sehen, Neffe! Ich weiß, du bist gerade erst heimgekehrt, aber es wird das Beste sein, du lässt dein Pferd sofort wieder satteln und begleitest mich jetzt sofort, damit wir noch vor Sonnenuntergang in der Residenz sein können.“

Keilholtzer Neuordnung

Geordnete Verhältnisse

Ich, Ardo von Keilholtz ä.H., Baron zu Kressenburg, verfüge Folgendes als meinen letzten Willen:
 
 
 
 
1. Als Erbe der Baronswürde bestimme ich meinen Vater Wulfhelm von Keilholtz.

2. Ihm nachfolgen soll mein Erstgeborener Answin Shazar. Sollte dieser sein Erbe nach dem Willen der Zwölfen nicht antreten können, so bestimme ich an seiner Statt eines meiner nachgeborenen Kinder in der Reihenfolge ihrer Geburt.
3. Sollte nach der Götter Willen keines meiner Kinder das Erbe antreten können, so bestimme ich meine Geschwister aus der ersten Ehe meines Vaters in der Reihenfolge ihrer Geburt, mir nachzufolgen. Bedingung dafür sei, dass sie und ihre Nachkommen den Namen der Familie Keilholtz fortführen.
4. Sollte nach der Götter Willen keines meiner genannten Geschwister das Erbe antreten können, so bestimme ich die Geschwister meines Vaters und ihre Nachkommen in der Reihenfolge ihrer Geburt. Bedingung dafür sei, dass sie und ihre Nachkommen den Namen der Familie Keilholtz fortführen.
5. Sollte es dem Herrn Boron gefallen mich und meinen Vater zu sich rufen, bevor mein rechtmäßiger Erbe die Mündigkeit erreicht, so bestimme ich meine Gemahlin Praiadne Leuinherz Keilholtz zur Verweserin der Baronie Kressenburg, bis mein Erbe dieses antreten kann.
6. Meiner Gemahlin Praiadne Leuinherz Keilholtz sei das Edlengut Greifenwehr bis zu ihrem Tode als Wittibengut zugesprochen, auf das es ihr im Leben an nichts mangele.
7. Meine derischen Besitztümer vermache ich meinem rechtmäßigen Erben, ausgenommen der nachfolgend genannten.
8. Aus meiner Privatschatulle erhält die Praioskirche Zwölf mal Zwölf Dukaten um den Bau des neuen Kressenburger Tempels voranzutreiben.
9. Meine Gemahlin Praiadne Leuinherz Keilholtz erhält mein Gebetsbüchlein, auf das es ihr in dunklen Stunden Trost spende.
10. Mein Bruder Firnward von Keilholtz erhält mein Schwert Orkentod.
11. Meine Knappin Mechthild von Kieselholm erhält mein Streitross Boromil. Sollte das treue Tier mit mir verstorben sein, so erhält sie ein Streitross aus der Zucht des Märkischen Marstalls.
12. Es ist mein Wunsch und Wille in der Krypta des Praios-Tempels Sankt Garafan vor dem Tore zu Kressenburg meine letzte Ruhestatt zu finden. Dieselbe soll sein die Grablege meiner Familie auf immerdar.

Gegeben am 1. Tag des Herrn Phex im Jahre 1037 nach Bosparans Fall
 
 
 
 
Gesiegelt und bezeugt

Badilak von Praiostann
Ardo von Keilholtz ä.H.

Praiomel von Kieselholm

DEUS VULT

Bauarbeiten

  • Bauholz: aus Kressenburg
  • Stein: ggf. eigener Steinbruch (Neuerschließung mit Folgenutzung, mit Volker abklären) oder aus dem Finsterkamm (Spieler?)
  • Versorgung der Arbeiter: zusätzliche Getreidelieferungen aus Eslamsroden und Hexenhain
  • Gold: aus Gareth?
  • Marmor: Eslamsgrund? oder andere Quelle?
  • Arbeiter: Tagelöhner aus der Region (Mark und Waldstein), ggf.dauerhafte Erhöhung der Einwohnerzahlen durch Zuzug? (mit Volker abklären)

Gästeliste zur Einweihung

Geladene Gäste: