Benutzerin:Gramhild/Briefspiel: Unterschied zwischen den Versionen
| Zeile 4: | Zeile 4: | ||
'''[[Handlungsort ist::Greifenfurt:Gut_Dreihügeln|Dreihügeln]], 11 Peraine 1035 BF'''<br> | '''[[Handlungsort ist::Greifenfurt:Gut_Dreihügeln|Dreihügeln]], 11 Peraine 1035 BF'''<br> | ||
„Nein Mutter, das seht Ihr falsch.“ Bisher hatte [[Hauptdarsteller ist::Greifenfurt:Edelgunde Gramhild von | „Nein Mutter, das seht Ihr falsch.“ Bisher hatte [[Hauptdarsteller ist::Greifenfurt:Edelgunde Gramhild von Schroffenstein|Gramhild]] alle Beleidigungen hingenommen, aber wenn jemand schlecht über ihre Kinder oder Hunde sprach, war das zu viel, selbst wenn es sich um ihre Ziehmutter handelte. „Der Kandidat, den ich für mich ins Auge gefasst habe, ist schlicht zu hohen Standes, als dass ich es wagen würde, ihm auch nur den Vorschlag einer Ehe zu unterbreiten. Und was meine Töchter betrifft, so meinte ich das genau wie ich es sagte. Sie werden mit ihrem zukünftigen Gemahl ihr Leben verbringen und hoffentlich glücklich werden müssen, nicht ich. Bisher habe ich nicht einmal die Sicherheit, dass dieses [[Ortsnennung ist::Greifenfurt:Junkertum Dreihügeln|Junkertum]], dass ich bekommen habe, nach meinem Tod überhaupt an meine Töchter geht. [[Akteursnennung ist::Greifenfurt:Adran von Schmalfurt|Adran]] könnte genauso gut wieder einen bäuerlichen Perlvogt einsetzen. Also werde ich mein Möglichstes tun, ihn von der Eignung meiner Kinder zu überzeugen und ihnen gleichzeitig bei der Wahl eines Mannes zu helfen, den sie sich aussuchen!“ Über ihre Hunde sprach sie nicht, denn ihr war klar, dass [[Hauptdarsteller ist::Greifenfurt:Yadviga Keilholtz zu Schroffenstein|Yadviga]] diese nur gegen sie verwendet hatte, weil sie genau wusste, dass diese ihr wunder Punkt waren. | ||
Yadviga seufzte tief, dann stellte sie vorsichtig das Glas ab und sah ihrer Ziehtochter tief in die Augen. Hatte die alte Dame gerade eben noch auf eine angenehme Weise fahrig gewirkt, so schien sie nun von einer klaren Härte, wie sie einem Diamanten gut zu Gesicht gestanden hätte. Und doch lag in ihren Augen ein leichtes Bedauern wie ein Frühlingsregen. „Nein, mein Kind, genau in diesem Punkt irrst du. Du kannst entweder Adran davon überzeugen, dass die Töchter seiner Junkerin eine richtige Wahl für eine Perlvogtei sind, oder du setzt ihnen bei der Wahl ihres Bräutigams keine Grenze. Beides zusammen kommt schwerlich zusammen. | Yadviga seufzte tief, dann stellte sie vorsichtig das Glas ab und sah ihrer Ziehtochter tief in die Augen. Hatte die alte Dame gerade eben noch auf eine angenehme Weise fahrig gewirkt, so schien sie nun von einer klaren Härte, wie sie einem Diamanten gut zu Gesicht gestanden hätte. Und doch lag in ihren Augen ein leichtes Bedauern wie ein Frühlingsregen. „Nein, mein Kind, genau in diesem Punkt irrst du. Du kannst entweder Adran davon überzeugen, dass die Töchter seiner Junkerin eine richtige Wahl für eine Perlvogtei sind, oder du setzt ihnen bei der Wahl ihres Bräutigams keine Grenze. Beides zusammen kommt schwerlich zusammen. | ||
Version vom 7. Mai 2013, 21:59 Uhr
Muttertag
Teil 12 - Vom Stande
Dreihügeln, 11 Peraine 1035 BF
„Nein Mutter, das seht Ihr falsch.“ Bisher hatte Gramhild alle Beleidigungen hingenommen, aber wenn jemand schlecht über ihre Kinder oder Hunde sprach, war das zu viel, selbst wenn es sich um ihre Ziehmutter handelte. „Der Kandidat, den ich für mich ins Auge gefasst habe, ist schlicht zu hohen Standes, als dass ich es wagen würde, ihm auch nur den Vorschlag einer Ehe zu unterbreiten. Und was meine Töchter betrifft, so meinte ich das genau wie ich es sagte. Sie werden mit ihrem zukünftigen Gemahl ihr Leben verbringen und hoffentlich glücklich werden müssen, nicht ich. Bisher habe ich nicht einmal die Sicherheit, dass dieses Junkertum, dass ich bekommen habe, nach meinem Tod überhaupt an meine Töchter geht. Adran könnte genauso gut wieder einen bäuerlichen Perlvogt einsetzen. Also werde ich mein Möglichstes tun, ihn von der Eignung meiner Kinder zu überzeugen und ihnen gleichzeitig bei der Wahl eines Mannes zu helfen, den sie sich aussuchen!“ Über ihre Hunde sprach sie nicht, denn ihr war klar, dass Yadviga diese nur gegen sie verwendet hatte, weil sie genau wusste, dass diese ihr wunder Punkt waren.
Yadviga seufzte tief, dann stellte sie vorsichtig das Glas ab und sah ihrer Ziehtochter tief in die Augen. Hatte die alte Dame gerade eben noch auf eine angenehme Weise fahrig gewirkt, so schien sie nun von einer klaren Härte, wie sie einem Diamanten gut zu Gesicht gestanden hätte. Und doch lag in ihren Augen ein leichtes Bedauern wie ein Frühlingsregen. „Nein, mein Kind, genau in diesem Punkt irrst du. Du kannst entweder Adran davon überzeugen, dass die Töchter seiner Junkerin eine richtige Wahl für eine Perlvogtei sind, oder du setzt ihnen bei der Wahl ihres Bräutigams keine Grenze. Beides zusammen kommt schwerlich zusammen.
Das Vogteiwesen bedeutet, dass dem Bauern ein Herr vor die Nase gesetzt wird, dem er zu gehorchen hat und bei dem er sicher sein kann, dass dieser genau weiß, was das Beste für ihn ist. Er muss ihn akzeptieren und darf seine Befähigung und auch sein Recht, über ihn zu herrschen, niemals anzweifeln. Denn wenn der Vogt irgendwann dem Bauern sagen muss: Stirb für die Mark, dann muss der Bauer wissen, dass hier jemand einen Befehl gibt, der über so kleinliche Dinge wie Selbstsucht erhaben ist. Er muss wissen, dass der, der ihm einen Befehl erteilt, dies nicht tut, um ihm zu beweisen, dass er die bessere Position erhalten hat. Er muss wissen, dass der, der den Befehl gibt, von den Göttern genau zu diesem einen Zwecke bestimmt worden ist.
Wie soll Adran deine Töchter im Amt eines Perlvogtes akzeptieren, wenn sie unter ihrem Stande heiraten und sich mit dem gemeinen Volk verbünden? Und – weit schlimmer noch – wie soll ein Untertan einen Befehl akzeptieren, der ihm von jemandem gegeben wird, dessen einziger Verdienst die Kraft seiner Lenden ist und der in allem anderen mit ihm selber auf gleicher Stufe steht?“
Einige Augenblicke ließ sie die Worte auf sich wirken, bevor sie sich eine erneute Erwiderung zurecht legte. „Mutter, Adran ist durch seine Reisen in jungen Jahren durchaus dazu in der Lage zu beurteilen, ob jemand tüchtig ist oder nicht, egal ob die Person nun von Stande oder niederer Herkunft ist. Ich gebe zu bedenken, dass er *mir* das Amt der Perlvögtin angeboten hat, obwohl er sicher etliche Adlige besseren Standes mit reinerer Blutlinie zur Auswahl gehabt hätte, einfach weil er es mir zutraute und mir vertraut. Zudem ist ja nicht gesagt, dass Rahjamunde und Rondraja sich Bürgerliche oder Bauern suchen, die sie ehelichen wollen. Gerade bei Rondraja sehe ich einen ehrgeizigen Tatendrang, dass sie sich der Mark und dem Adel beweisen will. Da wird sie wohl kaum einen Bräutigam unter ihrem Stande suchen.“
Die Züge Yadvigas spiegelten deren Ringen um eine passende Antwort. Kurz schien es, als wolle sie widersprechen, dann stahl sich die Luft mit einem tiefen Seufzen zwischen den fest zusammengepressten Lippen hervor und gleichzeitig wirkte es, als altere sie in Sekunden, als werde sie plötzlich genau die alte Frau, die sie ja durchaus war. Alle Energie, aller Trotz, den sie jedem Einzelnen in ihrer Umgebung wie auch dem Leben selbst entgegenwarf, schien in sich zusammenzufallen und einer unendlichen Resignation Raum zu schaffen. Ein weiteres Seufzen folgte, gab einem Lächeln ein wenig Raum, konnte aber einem Ausdruck tiefster Traurigkeit nicht Stand halten. Es dauerte mehrere Herzschläge, bis sich die Alte wieder im Griff hatte.
„Nun denn. Dann hoffe ich mit dir, dass du Recht hast damit, dass die jungen Damen ihr Standesbewusstsein über jugendliche Flausen setzen, auch wenn ich zumindest von einer ‚Goldschmiedin von Stand‘ gar nichts mehr erwarten mag. Und wenn du mir zugehört hättest, dann wüsstest du, dass es in meiner Rede nicht um die Frage ging, ob Adran weiß, was er tut.
Warum geht es nicht in die Köpfe von euch jungen Dingern rein, dass ein Adliger, der sich ‚gemein‘ aufführt, das Allergefährlichste ist, was es geben kann? Hat euch das Mühlinger-Massaker denn gar nichts gelehrt?“
Teil 13 - Vom Brande
Dreihügeln, 11 Peraine 1035 BF
Durch die unerwartet ruhige Antwort der alten Frau verrauchte auch Gramhilds Zorn sehr schnell. Einige Lidschläge überlegte sie, doch war ihre Erwiderung bereits beherrscht und wohl überlegt. „Doch Mutter, das hat es. Ich würde in einem Jahr der Entbehrungen keine großen Feierlichkeiten ausrichten wollen, ohne eine angemessene Speisung meiner Vasallen sichergestellt zu haben. Ich mag ihnen die Obrigkeit sein, die auch Strafen im Namen des Barons zu verhängen hat. Doch verlangt auch meine Lehenspflicht, ihnen in der Not mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und Vorbild zu sein. Dies gebietet auch meine Demut vor Praios.
Diese Menschen hier in Dreihügeln schenken mir zumindest für Greifenfurter schon nach kurzer Zeit Loyalität und Respekt, weil ich mir ihre Sorgen anhöre, ihnen versuche hilfreich zur Seite zu stehen und zumindest ihrer Meinung nach gerechte Urteile fälle, wenn mir Streitigkeiten vorgetragen werden. In ihren Augen habe ich also diesen Respekt verdient. Doch ich kann ihn nicht verlangen, ich bekomme ihn geschenkt durch das, was ich für sie darstelle: eine vor Praios, Peraine und Travia strenge, aber umsichtige Herrin. Mit keinem von ihnen habe ich mich verbrüdert, wie Ihr es nennt, noch habe ich dies vor.“
Yadviga nickte hierauf lediglich. „Mehr darf man nicht erwarten. Aber auch nicht weniger. Du kannst eine gerechte und strenge Herrin sein, aber du bleibst Herrin, egal was geschieht. Das ist die praiosgefällige Ordnung. Und wenn die Ernte schlecht ist oder Streit ausbricht, werden sie deinen Rat um so größer schätzen, je klarer die Ordnung gewahrt und die Sphäre des Herrn von der Sphäre des Knechtes geschieden ist.“ Und insgesamt machte sie einen durchaus zufriedenen Eindruck.
Dem wusste Gramhild nichts hinzuzufügen, also saß sie ein Weilchen da, sinnierte über die heute aufgeworfenen Themen und nickte schließlich ebenfalls. „Möchtet Ihr noch einen Brand, Mutter? Sonst stelle ich ihn in meinen Schrank zurück.“ Die Tonflasche in der Hand stand die Junkerin auf und bot der Älteren das noch geöffnete Gefäß dar. Sich selbst goss sie keinen weiteren Schluck mehr ein, wollte sie doch am Abend noch über ein paar Dinge nachdenken. „Wie geht es eigentlich Eurer Tochter Edelgunda und ihren Kindern? Ich hoffe, sie sind alle wohlauf?“
Dass sie damit auch indirekt einen anderen wunden Punkt ihrer Mutter ansprach, wurde ihr erst zu spät bewusst. Immerhin hatte die Enkelin Sigane sich ebenfalls einen Bauersjungen als Bräutigam ausgesucht, auch wenn der statt eines Kriegerbriefes den Ritterschlag von Prinz Edelbrecht erhalten hatte. So war er aber doch aus der Akademie verwiesen worden, wenn sie sich recht entsann. Wie hieß der Junge noch gleich? Ahngrimm, oder so ähnlich?
Yadvigas Blick war umschleiert, doch war ihr nicht entgangen, dass Gramhild ihre Frage ohne Gedanken an die Umstände gestellt hatte. Der prüfende Blick wich tiefer Traurigkeit, während sie sich den Brand mit aufmunternder Geste auffüllen ließ. „Die Familie wächst und gedeiht. Ich hoffe darauf, noch ein paar weitere Enkelchen auf meinen Knien schaukeln zu können, bevor Golgari bei mir anklopft. Bis dahin scheint es an mir, die Traditionen aufrecht zu halten.“ Kurz verharrte sie, dann straffte sie sich. „Doch genug der altersgreisen Worte. Lass die Flasche ruhig bei mir stehen. Ist ein anständiges Tröpfchen und kaum etwas vermag eine alte Frau wie mich besser von innen zu wärmen. Wenn du noch ein paar Fläschchen übrig hast, tausche ich es gern gegen Schlehenbrand. War ganz gelungen im letzten Jahr, das Zeug. Und wenn du noch von deinen Hunden zwei übrig hast… Alrik vom Waldhof hat den seinen übern Winter verloren. Braucht zwar nur nen besseren Wachhund für die Schafe, aber die deinen werdens wohl tun. Und vielleicht bringt mich ein Welpe auch noch mal auf Trab. Lange her, seit mein eigener die Grätsche gemacht hat, Boron hab ihn selig. Könnte mal wieder auf Fasanenjagd gehen, da wär es nett, sich nicht nen Finsterkammer Wolfsjäger ausleihen zu müssen…“
Gramhild stellte erstaunt fest, dass ihre Ziehmutter ihr gerade so ganz nebenbei zwei der größten Komplimente gemacht hatte, zu denen sie fähig war. Ihr Schlehengeist war legendär und wurde im Finsterkamm wenn nicht mit Gold, so doch mit Silber aufgewogen. Und wenn sie durchblicken ließ, dass sie selber einen der Hunde übernehmen würde, bei der ihr eigenen Neigung, im Zweifel nur das Beste für den eigenen Hof zu dulden, war auch das eine Anerkennung so groß, dass die Alte sie niemals offen ausgesprochen hätte.
Hochzeit auf Dreihügeln
Gästeliste
Brautleute:
- Wulfhart von Keilholtz, Bräutigam
- Rahjamunde Praioslieb von Schroffenstein-Grünfels, Braut
geladene Gäste:
- Trautmunde Traviatreu, Travia-Geweihte
- Kornibert Erntegut von Nardeshain, Peraine-Geweihter
- Roderich von Keilholtz, Peraine-Geweihter, Bruder des Bräutigams, Subprior des Peraine-Klosters Sankt Therbûn im Walde
- Baron Adran von Schmalfurt zu Nardesfeld
- Baron Ardo von Keilholtz zu Kressenburg, ältester Sohn des Bräutigams, mit seiner Gemahlin Praiadne Keilholtz
- Baron Greifwin Treuherz Keilholtz zu Eslamsroden
- Baron Anselm Hilberan von Hundsgrab-Bugenbühl mit Familie
- Junkerin Edelgunde Gramhild von Schroffenstein, Mutter der Braut
- JunkerinYadviga Keilholz zu Schroffenstein
- Edelgunda Dorothea Keilholtz, Erbin des Junkertums Schroffenstein einschließlich ihres Gemahls
- Sigane, Tsaiana und Sonnfried Keilholtz, Kinder von Edelgunda Keilholtz
- Edle Ingrimma Keilholtz, Verwalterin des Junktertums Weidensee
- Edle Gunelde von Zweifelfels, Mutter des Bräutigams
- Algrim und Yanis Keilholtz, zweiter und dritter Sohn von Ingrimma Keilholtz
- Rondwin von Keilholtz, zweiter Sohn des Bräutigams, Leutnant der Greifenfurter Truppen
- Travhelm von Keilholtz, dritter Sohn des Bräutigams, Travia-Geweihter
- Firnward von Keilholtz, vierter Sohn des Bräutigams, Krieger in Ausbildung
- Lisande von Keilholtz, Tochter des Bräutigams, Pagin am Hof des Barons von Hundsgrab
- Rondraja Tsafreud von Schroffenstein-Grünfels, Schwester der Braut, Offizierin der Greifenfurter Garde
außerdem:
- Baron Tyrian Gelfert von Schelentorf-Zalgo zu Zalgo
- ggf. die Greifin nebst Gemahl
- Firnwulf von Hirschfurten, Page Ardos
- Mechthild von Kieselholm, Knappin Ardos
- Edelbrecht Roban zu Stippwitz, Page Wulfharts
- Leuthardt von Eslamsberge-Krolock, Wulfharts Knappe
- Sianka Madaela Falcomar di Rastino, (almadanische) Knappin Tyrians
- verschiedene Kammerdiener und Zofen, Mägde und Knechte
- eine Faust Grenzreiter
- die Dörfler
- eine Hand voll Fahrender
Hochzeitsvorbereitungen
Dreihügeln, 05. Travia 1036 BF
Der erste Most war gekeltert und lagerte im kühlen Keller unter dem Gutshaus. Reisende Händler hatten diesen Sommer ein gutes Geschäft hier im Dorfe machen können, denn allerlei Gewürz und zusätzliche Töpfe und Pfannen wurden ihnen hier schier aus den Händen gerissen. Zwei bunte Planwagen standen etwas abseits des Dorfes nahe der Fallobstwiese, denn die wenigen Fahrenden, die durch diese Gegend reisten, wollten sich die Gelegenheit ebenfalls nicht entgehen lassen. Umsichtig, wie sie war, hatte die Junkerin angeordnet, dass immer zwei Burschen oder Mädel aus dem Dorfe dafür sorgten, dass es den Musikanten und Akrobaten an nichts mangelte, damit sie sich auf die Vorbereitung ihrer Darbietungen konzentrieren konnten. (Zudem konnte man so darauf achten, dass die Fremden nicht von der überreifen und reichlichen Tracht der Obstbäume zu sehr "abgelenkt" würden.) Rege Betriebsamkeit herrschte in dem Örtchen, denn jeder wollte sein Haus in den bestmöglichen Zustand bringen, bevor die ersten auswärtigen Adligen eintrafen. Zudem war ja noch die Ernte einzuholen. Der Baron hatte sich persönlich angemeldet, also wollte man sich in bestem Lichte zeigen. Unerwartet war ein Laienbruder des nahegelegenen Klosters Nardeshain erschienen, der seine Hilfe angeboten hatte und dankbar von den Dörflern aufgenommen worden war.
Trotz der emsigen Vorbereitungen schienen einige Ältere auch die Muße zum Angeln zu finden. Tatsächlich aber hatte Gramhild einen Wachdienst angeordnet, da sie die wertvollen Perlmuschel-Bestände ungetastet wissen wollte. In diesen turbulenten Tagen könnte man sonst leicht den Überblick verlieren.
Auch am Gutshof neben dem Dorfanger werkelten verschiedene Hände, um Dach und Läden auszubessern, die Wand neu zu weißen oder den Kamin zu putzen. Immer wieder kam es zu Zänkereien zwischen den Dörflern, weil etwas in der Eile zu Bruch ging. Doch meist halfen die Bauern sich gegenseitig, wie sie es sonst auch taten. Besonders hier wollte man möglichst bald fertig werden, denn jeden Tag konnten die ersten Gäste eintreffen. Man rechnete hier bereits fest damit, dass die ersten Kressenburger vielleicht schon in den nächsten Tagen eintreffen würden. Und überhaupt waren es ja nur noch 10 Tage bis zum Travia-Bund der Junkerstochter!
Keinen der Dörfler störte es, dass man die junge Dame bisher noch nicht mal kannte. Die Herrin hatte man ja auch nicht gekannt, bis sie vom Baron zur Junkerin ernannt worden war. Und die hatte sich ja in den letzten zwei Jahren als tüchtige Gutsfrau herausgestellt, die sich auch nicht zu schade war, einfach mal mit anzupacken, wenn es nötig war. Außerdem hatte sie ja ihre Hunde mitgebracht, die seitdem die Arbeit mit den Tieren deutlich erleichterten. So hatte man sich an die "Neue" gewöhnt, während sie sich beste Mühe gab, die Sorgen ihrer Leute zu verstehen und sich um sie zu kümmern.
Es gab zwar auch welche, die hinter vorgehaltener Hand munkelten, dass man auf diese Giftspritze von Mutter auf der Feier gern verzichten könnte, doch von der Herrin selbst kam nie auch nur ein böses oder abfälliges Wort über ihre Ziehmutter Yadviga. Die Junkerin konnte ohnehin schwerlich schlecht von ihr sprechen, da sie generell deren Erwähnung vermied.
Am Nachmittag diesen ungewöhnlich warmen TRAviatages nun kamem zwei Burschen von der Baumwache einen der Hügel hinabgerannt und riefen lauthalt: "Sie kommen, sie kommen!" Die Junkerin indes blickte sich nur in die von ihnen gestikulierte Richtung um. "Ja, wer denn überhaupt?"
Langsam näherte sich ein Reiter, in dessen Gefolgschaft noch ein junges Mädel auf Schusters Rappen und ein Diener mit Maultier am Führstrick trotteten. Hinten an seinem Pferd konnte man ein Schild erkennen, auf dem ein goldenes Mühlrad auf rotem Grund über einer blauen Spitze zu erkennen waren. Ein wenig runzelte Gramhild die Stirn, bevor sie eine Magd schickte, ein Gästezimmer zu richten. 'Was will denn der Zalgoer hier?'
Unerwartete Geschenke
Dreihügeln, 07. Travia 1036 BF
Kurz vor der Mittagszeit kam ein Bote der Grenzjäger in das Dorf geritten und wandte sich ohne Umwege zum Gutshaus. Dort schwang er sich von seinem Pferd und eilte die zwei Stufen zum Eingang hinaus und klopfte energisch an die Tür. Nur wenige Herzschläge später öffnete eine erschrocken dreinblickende Magd dem jungen Mann entgegen. "Was gibt's denn so Eiliges?" Als sie seine Bänder an der Schulter sah, öffnete sie die Türe aber weiter, um ihn einzulassen.
Noch während der Reiter mit einen schnellen Blick durch die große Gaststube die Lage einzuschätzen versuchte (eine weitere Magd deckte gerade einen Tisch für mehrere Personen ein, während eine etwas ältere Frau bereits einige Krüge mit Dünnbier befüllte), antwortete er. "Ich bin Firnwart von den Grenzjägern. Der Baron schickt mich. Ich soll mich bei der Junkerin melden."
Die Dame hinter dem Tresen blickte auf und schaute mit gerunzelter Stirn herüber. "Ist was mit dem Hund?" Der Bursche musste unwillkürlich schmuzeln. "Nicht dass ich wüsste, Wohlgeboren, nein. Aber gestern Abend hat ein Flussschiff bei uns festgemacht. Sie sagten, sie hätten drei Fässer Ferdoker für Euch. Das sei von einem Zwerg aus Wandleth für Euch geschickt worden. Deswegen sollt Ihr möglichst schnell einen Karren schicken, das Bier abzuholen. Sonst kann der Baron nicht für dessen Sicherheit und den unversehrten Transport garantieren." Das Schmunzeln auf dem Gesicht des Soldaten drohte zu einem breiten Grinsen zu entgleisen, während die Gutsherrin verdutzt dreinschaute.
"Bier aus Ferdok? Von einem Zwerg aus Wandleth?" Einen Moment später lockerte sich auch ihre Miene und sie begann laut zu lachen. "Dieser verrückte Kerl! Hat er mein Kind doch liebgewonnen, hätt's nur nie offen zugegeben..." Dann schaute sie den Burschen wieder an und nickte ihm freundlich zu. "Ist recht. Nach dem Essen schick ich dir den Henner mit dem Wagen mit. Bring dein Tier solange nach hinten in den Stall und iss mit, bevor es zurück nach Schmalfurt geht."
Vor der Feier
Dreihügeln, Abend des 12. Travia 1036 BF
Einige Forellen schwammen bereits in mehreren mit frischem Quellwasser durchstömten Becken, um auf den Tag der Feierlichkeiten zu warten. Eine handvoll Jungbullen stand noch in den Stallungen des Junkertums, um über der vor der Grenzreiter-Feldküche extra ausgehobenen Grube gegart zu werden. Morgen in der Frühe würde man sie schlachten und zum Ausbluten aufhängen, damit man sie für den Spieß vorbereiten konnte. Käse und Wurst sowie einige Schinken und reichlich Brot waren bereits vorbereitet worden, um es der Gästeschar an nichts mangeln zu lassen.
Die meisten Gäste waren bereits eingetroffen und mit den letzten rechnete man eigentlich jeden Moment. So hatte der Baron die versammelnten Adligen am Morgen aufgefordert, ihn auf eine Treibjagd zu begleiten. Einige - vierbeinige - Schwarzpelze würden hier in der Gegend durch den Wald streifen und sich hervorragend an einer Hochzeitstafel machen, wenn sie denn erstmal erlegt seien. So war man denn losgezogen, hatte einige der Hunde Gramhilds und zusätzliche Treiber mitgenommen und war in die umliegenden Wälder gezogen.
Da die Junkerin sowohl auf dem Pferd als auch auf der Jagd nicht besonders geschickt war, hatte sie dieses Vergnügen ihren Töchtern den Gästen überlassen und war weiter bei der Organisation der Feierlichkeiten verblieben. Am Nachmittag hatten einige Bauern sie irritiert, die verschiedene Steine aus dem ganzen Dorfe zusammentrugen. Dabei hatten sie damit begonnen, Stücke einer Trockensteinmauer zu entfernen. Als sie schließlich nachfragte, wozu das denn bitte dienen solle, zuckten die Bauern nur mit den Schultern. "Ja, weißt du, Herrin, ein Schmied hat vor vielen Jahren mal für ein Wurfspiel Steine geschlagen. Die waren alle extra abgewogen für die Runden. Und für Männer und Frauen. Wir brauchen die doch sonst nie. Da sind die hier wohl eingebaut worden. Die Zeichen da zeigen das." Die Burschen deuteten auf einige Symbole, die grob in die Steine geschlagen waren und wohl mal die zwölf Götter darstellen sollten. Mit einem Seufzen wendete sich Gramhild wieder anderen Tätigkeiten zu und ließ die Männer weitermachen.
Ausgelassen kam die Gesellschaft am Abend aus dem Wald zurück. Erfolgreich hatte man eine Rotte Wildschweine getrieben und zur Strecke gebracht, was einen Keiler, vier Bachen und ein knappes Dutzend Jungtiere als Beute brachte. Einer der Schäferhunde humpelte zwar schwer und ein weiterer der Treiberhunde war im Wald geblieben, aber alles in allem war man ganz zufrieden mit dem Tage und freute sich auf ein anständiges Dunkelbier aus den Kellern des Gutshauses. Den Transport der Jagdbeute hatte man den Bauern und Jagdhelfern des Barons überlassen, die vor Ort bereits damit begonnen hatten, die Schweine auszunehmen und in Beutel zu verpacken, um sie einfacher ins Dorfe verbringen zu können.
Feierlichkeiten
Dreihügeln, 15. Travia 1036 BF
Nach und nach waren in den letzten Tagen die Gäste angekommen. Baron Adran hatte die Junkerin ihre eigenen Kammern überlassen, damit die junge Familie des Kressenburger Barons die etwas größeren Gästezimmer für hohe Herrschaften nehmen konnten. Alle anderen Edlen waren auf die kleineren Gästezimmer oder verschiedene Bauernhäuser verteilt oder in mit Teppichen und Decken aufgebauten Zelten untergebracht. Die Dorfgemeinschaft selbst war etwas "zusammengerückt", damit all die fremden Gäste eine brauchbare Unterkunft zur Verfügung hatten. Der Laienbruder aus dem nahen Kloster hatte inzwischen die Umsorgung einer von dort angereisten Geweihten übernommen, der bei der Zeremonie zusammen mit Travhelm von Keilholtz den Bund der Brautleute besiegeln sollte.
Auf dem Dorfanger vor dem Gutshaus war also an diesem Morgen ein großer Tisch aufgestellt worden, auf dessen mit einem großen arangenen Tuch bedeckten Oberfläche reichlich mit Gänsefedern und frischen Speisen wie Käsetörtchen, Brot und Braten, aber auch Most und Wein aufgedeckt worden war. Travhelm von Keilholtz und die Peraine-Geweihte Mechthild von Nardeshain zur Praiosstunde den Traviabund besiegeln sollten.
Rahjamunde, die ältere Tochter der Junkerin und damit einstige Nachfolgerin als Perlvögtin, sollte - in Ermangelung ihres bereits verstorbenen Vaters - von Baron Adran persönlich zum Traualtar gebracht werden. Früh hatten einige Mägde begonnen, die junge Dame zu baden, ihr die Haare zu bürsten und sie in die feinsten und edelsten Gewänder zu hüllen, die ihr zur Verfügung standen. So trug sie heute ein rotes Kleid aus feinem Leinen, das an den Seiten mit zahlreichen Ranken und Blüten bestickt war. Vorsichtig hatte man ihre Wangen mit ein wenig Puder betupft und die Lippen mit ein wenig roter Farbe hervorgehoben, so dass ihre Blässe noch vornehmer wirkte. Kunstvoll hatte man ihren Reif, den sie selbst als Gesellenstück gefertigt hatte, in ihre Haare geflochten, die am Hinterkopf in einem hübschen Zopf mündeten, der sich mit spät blühenden Blumen verziert über ihre linke Schulter nach vorn legte. Als der Baron sie so an der Hütte abholte, verneigte er sich leicht vor der anmutig erscheinenen Braut und murmelte einige wohlmeinende Worte über die Schönheit der Jungend, bevor er Rahjamunde seinen Arm anbot.
Die Gäste waren bereits auf dem Dorfplatz versammelt. Zur Schonung der älteren Herrschaften hatte man die Bänke aus der Schankstube des Gutshauses nach draußen gebracht, so dass einige der Gäste tatsächlich nahe des Traualtares sitzen konnten. Die übrigen Personen hatten sich stehend versammelt und einige Männer standen noch nahe des ebenfalls in seine besten Gewänder gehüllten Herrn, der trotz seines ergrauenden Haares nervös wie ein Schuljunge die Hände hinter dem Rücken gefaltet hatte, um sie nicht ständig zu reiben. Wulfhart von Keilholtz schaute immer wieder zu dem Hause, in dem er seine Angebetete wusste, hatte sie aber in den letzten Tagen seit ihrer Ankunft kaum zu Gesicht bekommen. Zwar hatte man ihm erklärt, dass er sie vor der Heirat zwei volle Tage nicht sehen dürfte, sonst verhieße das Unglück, doch war es ihm - zu seiner eigenen Überraschung - zunehmend schwer gefallen, je näher der Tag ihres Bundes rückte.
Nun aber wurde Rahjamunde zu ihm geführt. Seine Söhne Ardo, Rondwin und Firnward zogen sich ein wenig zurück, um den anderen Gästen ebenfalls einen guten Blick als Zeugen dieses Traviaschwurs zu ermöglichen. Die Geweihten Travhelm und Mechthild hielten trotz der kurzen gemeinsamen Vorbereitungszeit eine wundervolle Rede und legten gemeinsam zur Segnung ihre Hände auf die Schultern der Brautleute und sprachen: "Möge Euer Bund den Göttern wohlgefällig sein, dass ihr Euch stets verbunden fühlt und einander achtet. Möge die Herrin TSA euren Bund mit Kindern segnen und ihr beide Glück und Zufriedenheit in der gemeinsamen Zukunft finden." Nach diesen Worten brach ein großer Jubel unter den Gästen und Dörflern aus und ohne Rücksicht auf Formalitäten konnte Rahjamunde sich nicht mehr halten und schlang die Arme um ihren Mann und küsste ihn vor allen Anwesenden mitten ins Gesicht!
Zur Feier des Tages
In ausgelassener Stimmung saßen die Gäste beim Essen und genossen die ihnen aufgetragenen Gänge. Immer wieder kam es zwischen den einzelnen Speisen zu kurzen Phasen der Aktivität. So wurde nach Suppe und Fisch zum Steinstoßen aufgefordert. Die Regeln dieses Spiels waren denkbar einfach: Man nahm einen Stein, stieß ihn zusammen mit den anderen möglichst weit und trank dann einen Schnaps. Jede Runde wurden die Steine schwerer. Wer am häufigsten schaffte, den Stein am weitesten zu werfen, gewann.
Nachdem Baron Adran, der älteste Bauer und einer der Gäste - die Wahl fiel auf Baron Greifwin - gemeinsam die jeweils gekennzeichneten Steine der unterschiedlichen Gewichtsklassen mittels einer Waage auf ihre Gleichheit überprüft worden waren, nahmen alle Beteiligten einen Stein und stellten sich in einer Reihe auf. Seitlich dazu stellte sich Adran von Schmalfurt, der als Schiedsrichter fungierte. Selbstverständlich bekam er auch seinen Schnaps! Doch zur Sicherheit seiner Füße hatte er sich seine Kettenschuhe angezogen. Es konnte ja mal zu Querschlägern kommen. Das hatte bereits sein Vater so gehandhabt, sicher ist sicher.
Wer macht mit? Bitte Rückmeldung! Ich würfle das dann anhand des Basis-FK aus!
Zeitvertreib:
- Steinstoßen (Adran als Kampfrichter in Kettenschuhen, je Runde wird der Stein immer schwerer, danach gibt es immer eine "Erfrischung")
- Tanz zur Musik der Fahrenden Musiker (Tanzbeschreibungen?)
Nardesfelder Landwehr
Dreihügeln, irgendwann im Herbst
Es war mal wieder an der Zeit: Die Ernte war vorrüber, die Abgaben sollten zum Baron gebracht werden, die jungen Burschen sollten auf Burg Schmalfurt vorstellig werden. Es war mal wieder Zeit, dass der Rondra-Geweihte, der den Burgschrein dort pflegte, die Burschen im Umgang mit den Waffen schulte. Also wurden die Halbstarken mit den Wagen die zwei Tage dauernde Reise nach Schmalfurt geschickt.
Weitere Beschreibung in Schmalfurt:
- von Landwehr-Burschen, die aus verschiedenen Teilen der Baronie kommen, um Steuerabgaben zu bringen und eine grundlegende Waffenausbildung zu erhalten.
- Beschreibung des Städtchens