Benutzer:Treumunde/BriefspielPerricum: Unterschied zwischen den Versionen

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===Zeichen der Zeit===
==Auf Linarias Spuren==
 
 
Ende Rondra 1047 BF, nach dem Markgrafenturnier zu Perricum
 
In der Dämmerung des Abends, als die letzten Sonnenstrahlen durch die rot-weißen Zeltwände drangen, saß Korhilda von Sturmfels in ihrem improvisierten Eisbad. Das Holzfass, gefüllt mit eiskaltem Wasser, hatte sie sich nach dem anstrengenden Turnierfinale verdient.
Ihre Rüstung lag neben ihr, die Metallplatten noch warm und verbeult vom Kampf gegen Rukus von Rabicum. Es war ein Duell der besten Perricumer Turnierritter der letzten Jahrzehnte gewesen, und Korhilda hatte jeden Tropfen ihrer Kraft aufgebracht, um den Sieg zu erringen. Es war die Wachablösung innerhalb Perricums, die sich seit dem Finalkampf der Baronin von Wasserburg bei der Großfürstlichen Turney in Auenwacht im Travia 1046 BF mit großen Schritten ankündigte.
 
Die blauen Flecken auf ihrer Haut erzählten die Geschichte der vergangenen Tage. Lanzenstöße, der Sturz vom Pferd am Anfang des Turniers – all das hatte seinen Tribut gefordert. Doch die Wasserburger Baronin war eine unbändige Kämpferin, eine ehrbare Pfortenritterin, die schon viele Schlachten außerhalb von Turnierfeldern geschlagen hatte. Und sie war stur, sie wollte nicht aufgeben. Ihre Knochen mochten schmerzen, aber ihr Wille war unbeirrt.
 
Ihr Gatte, Leobrecht von Ochs, kniete neben ihr und verband ihre Wunden. Seine Hände waren stark und dennoch geschickt, und Korhilda fühlte sich sicher in seiner Nähe. Der Reichsvogt der Efferdstränen kannte das Verbinden ihrer Verletzungen - als Korhilda noch seine Adjutantin und Kommandeurin der Schlunder Truppen auf dem Arvepass war, als die Borbaradianischen Horden den Pass bedrohten, hatte er dies ein ums andere Mal bereits gemacht.
 
“Du hast großartig geritten, Hilda”, flüsterte er und strich ihr eine Strähne ihres nassen Haares aus dem Gesicht. “Der Sieg gehört dir.”
 
“Es war hart, Leobrecht. Ich weiß, Du nennst mich töricht…”, Korhilda lächelte müde.
 
Leobrecht küsste sie sanft, mit einem besorgten Blick. “Doch du musst auf dich aufpassen. Dieses Turnier in Perricum war das sechste innerhalb von vier Monaten. Du verausgabst dich.”
 
Korhilda seufzte. “Es mag sich unsinnig für Dich anfühlen, aber ich will es mir noch einmal beweisen. Du weißt ich, ich war in jungen Jahren eine sehr talentierte Turnierreiterin und ...”
 
Die beiden schauten sich tief in die Augen, als ihr Gatte ihr ins Wort fiel. „… und dann hast Du Dein Leben und Deine Wünsche mir und unseren Kindern untergeordnet. Ich hätte Dich mehr unterstützen sollen, als Du 1029 BF in Eslamgrund triumphiertest. Doch was habe ich getan? Ich habe Dich auf die Tränen geschleppt und Dich dazu gebracht, gegen den Giganten zu streiten.“
 
Die Sturmfelserin wollte sich zu ihm drehen und ihn liebkosen. Ihre Knochen schmerzten so sehr, dass sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht wieder in das Fass gleiten ließ. „Du hast mich nirgendwo hingeschleppt. Ich bin gegangen – freiwillig. Doch ich spüre, ich kann mich jetzt beweisen. Mir die Reputation erlangen, die ich mir gewünscht habe.“
 
„Linaria wäre so stolz auf Dich“, entgegnete der Reichsvogt.
 
„Sie hat mich immer bestärkt, dass ich auf ihren Pfaden wandeln kann. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, sie und ihr Bruder Linnart war die Besten, die der Schlund jemals zu bieten hatte.“
 
Der alte Ochse öffnete währenddessen ein kleines Kistchen. „Anaxios hat es mir mitgegeben, willst Du nicht vielleicht davon Gebrauch machen?“
 
Die Wasserburger Baronin schüttelte den Kopf. „Nein, auf alchimistische Tränke verzichte ich. Jetzt habe ich mich durchgekämpft, um mich dann mit seinen Elixieren zu heilen. Das wäre nicht ehrenhaft. Ich möchte, ich muss es mir beweisen.“
 
Leobrecht schüttelte den Kopf. „Was willst Du dir denn beweisen? Du hast bei der Großfürstlichen Turney knapp im Finale gegen Nimmgalf von Hirschfurten verloren. Du hast in Eslamsgrund Lechmin Rondara von Luring besiegt und Dein zweites Jahr errungen. In Puleth, beim Königsturnier, Glaubert von Eschenrod in die Schranken verwiesen. Bei den Göttern, Hilda, das ist leichtsinnig und kindisch.“
 
„Ich“ wollte Korhilda antworten, doch ihr Gatte hatte nicht vor mit seiner Standpauke aufzuhören. „Die Barden singen schon Lieder über Dich. Also im Ernst, Hilda, du wirst in einem Atemzug mit Glaubert von Eschenrod und Nimmgalf von Hirschfurten genannt. Mehr geht nicht. So denke auch an Deine Kinder und Enkel. Und an mich. Ich alter Greis möchte nicht an Deinem Grab stehen und Dein Ableben betrauern, nur weil Du Dir etwas beweisen musst.“
 
Leobrechts Stimme bebte, während Korhilda liebevoll seine Hand nahm. „Ich verstehe.“ Es herrschte minutenlang Totenstille zwischen den Beiden, bis sie wieder das Wort erhob. „Hilf mir bitte aus dem Fass und in ein Kleid. Wir sollten den Markgrafen und den anwesenden Adel nicht warten lassen. Du schuldest mir noch einen Tanz auf dem Abschlussball.“
 
Der Reichsvogt schlang seine Arme um ihren Körper und half seiner Frau und ihrem malträtierten Körper aus dem Eisfass. Korhilda umarmte ihn und ihre Stimme flehte ihn an. „Ich habe noch ungefähr zehn Turnierjahre vor mir, bevor das Alter meinen Körper daran hindern wird. Bitte unterstütze mich und meinen Wunsch, mein Können auf der Tjostbahn zu zeigen. So wie ich Dich immer unterstützt habe – auf dem Arvepass, gegen den Giganten. Bitte.“
 
Sein schweres Atmen war zu hören. „Du siehst in Deinem roten Kleid anmutig aus. Und als stolzer Gatte kann ich es mir doch nicht nehmen lassen eine erfolgreiche Turnierreiterin auf den Ball zu begleiten. Wenn ich es nicht tue, macht das noch ein anderer. So weit wollen wir das doch nicht kommen lassen.“
 
Korhilda strich im zärtlich über den stattlichen ergrauten Kaiser-Alrik-Bart. „Ich pass auf mich auf, versprochen.“
 
 
 
 
==Zeichen der Zeit==


Hochgeehrter Freund,
Hochgeehrter Freund,

Version vom 23. Juni 2024, 17:52 Uhr

Auf Linarias Spuren

Ende Rondra 1047 BF, nach dem Markgrafenturnier zu Perricum

In der Dämmerung des Abends, als die letzten Sonnenstrahlen durch die rot-weißen Zeltwände drangen, saß Korhilda von Sturmfels in ihrem improvisierten Eisbad. Das Holzfass, gefüllt mit eiskaltem Wasser, hatte sie sich nach dem anstrengenden Turnierfinale verdient. Ihre Rüstung lag neben ihr, die Metallplatten noch warm und verbeult vom Kampf gegen Rukus von Rabicum. Es war ein Duell der besten Perricumer Turnierritter der letzten Jahrzehnte gewesen, und Korhilda hatte jeden Tropfen ihrer Kraft aufgebracht, um den Sieg zu erringen. Es war die Wachablösung innerhalb Perricums, die sich seit dem Finalkampf der Baronin von Wasserburg bei der Großfürstlichen Turney in Auenwacht im Travia 1046 BF mit großen Schritten ankündigte.

Die blauen Flecken auf ihrer Haut erzählten die Geschichte der vergangenen Tage. Lanzenstöße, der Sturz vom Pferd am Anfang des Turniers – all das hatte seinen Tribut gefordert. Doch die Wasserburger Baronin war eine unbändige Kämpferin, eine ehrbare Pfortenritterin, die schon viele Schlachten außerhalb von Turnierfeldern geschlagen hatte. Und sie war stur, sie wollte nicht aufgeben. Ihre Knochen mochten schmerzen, aber ihr Wille war unbeirrt.

Ihr Gatte, Leobrecht von Ochs, kniete neben ihr und verband ihre Wunden. Seine Hände waren stark und dennoch geschickt, und Korhilda fühlte sich sicher in seiner Nähe. Der Reichsvogt der Efferdstränen kannte das Verbinden ihrer Verletzungen - als Korhilda noch seine Adjutantin und Kommandeurin der Schlunder Truppen auf dem Arvepass war, als die Borbaradianischen Horden den Pass bedrohten, hatte er dies ein ums andere Mal bereits gemacht.

“Du hast großartig geritten, Hilda”, flüsterte er und strich ihr eine Strähne ihres nassen Haares aus dem Gesicht. “Der Sieg gehört dir.”

“Es war hart, Leobrecht. Ich weiß, Du nennst mich töricht…”, Korhilda lächelte müde.

Leobrecht küsste sie sanft, mit einem besorgten Blick. “Doch du musst auf dich aufpassen. Dieses Turnier in Perricum war das sechste innerhalb von vier Monaten. Du verausgabst dich.”

Korhilda seufzte. “Es mag sich unsinnig für Dich anfühlen, aber ich will es mir noch einmal beweisen. Du weißt ich, ich war in jungen Jahren eine sehr talentierte Turnierreiterin und ...”

Die beiden schauten sich tief in die Augen, als ihr Gatte ihr ins Wort fiel. „… und dann hast Du Dein Leben und Deine Wünsche mir und unseren Kindern untergeordnet. Ich hätte Dich mehr unterstützen sollen, als Du 1029 BF in Eslamgrund triumphiertest. Doch was habe ich getan? Ich habe Dich auf die Tränen geschleppt und Dich dazu gebracht, gegen den Giganten zu streiten.“

Die Sturmfelserin wollte sich zu ihm drehen und ihn liebkosen. Ihre Knochen schmerzten so sehr, dass sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht wieder in das Fass gleiten ließ. „Du hast mich nirgendwo hingeschleppt. Ich bin gegangen – freiwillig. Doch ich spüre, ich kann mich jetzt beweisen. Mir die Reputation erlangen, die ich mir gewünscht habe.“

„Linaria wäre so stolz auf Dich“, entgegnete der Reichsvogt.

„Sie hat mich immer bestärkt, dass ich auf ihren Pfaden wandeln kann. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, sie und ihr Bruder Linnart war die Besten, die der Schlund jemals zu bieten hatte.“

Der alte Ochse öffnete währenddessen ein kleines Kistchen. „Anaxios hat es mir mitgegeben, willst Du nicht vielleicht davon Gebrauch machen?“

Die Wasserburger Baronin schüttelte den Kopf. „Nein, auf alchimistische Tränke verzichte ich. Jetzt habe ich mich durchgekämpft, um mich dann mit seinen Elixieren zu heilen. Das wäre nicht ehrenhaft. Ich möchte, ich muss es mir beweisen.“

Leobrecht schüttelte den Kopf. „Was willst Du dir denn beweisen? Du hast bei der Großfürstlichen Turney knapp im Finale gegen Nimmgalf von Hirschfurten verloren. Du hast in Eslamsgrund Lechmin Rondara von Luring besiegt und Dein zweites Jahr errungen. In Puleth, beim Königsturnier, Glaubert von Eschenrod in die Schranken verwiesen. Bei den Göttern, Hilda, das ist leichtsinnig und kindisch.“

„Ich“ wollte Korhilda antworten, doch ihr Gatte hatte nicht vor mit seiner Standpauke aufzuhören. „Die Barden singen schon Lieder über Dich. Also im Ernst, Hilda, du wirst in einem Atemzug mit Glaubert von Eschenrod und Nimmgalf von Hirschfurten genannt. Mehr geht nicht. So denke auch an Deine Kinder und Enkel. Und an mich. Ich alter Greis möchte nicht an Deinem Grab stehen und Dein Ableben betrauern, nur weil Du Dir etwas beweisen musst.“

Leobrechts Stimme bebte, während Korhilda liebevoll seine Hand nahm. „Ich verstehe.“ Es herrschte minutenlang Totenstille zwischen den Beiden, bis sie wieder das Wort erhob. „Hilf mir bitte aus dem Fass und in ein Kleid. Wir sollten den Markgrafen und den anwesenden Adel nicht warten lassen. Du schuldest mir noch einen Tanz auf dem Abschlussball.“

Der Reichsvogt schlang seine Arme um ihren Körper und half seiner Frau und ihrem malträtierten Körper aus dem Eisfass. Korhilda umarmte ihn und ihre Stimme flehte ihn an. „Ich habe noch ungefähr zehn Turnierjahre vor mir, bevor das Alter meinen Körper daran hindern wird. Bitte unterstütze mich und meinen Wunsch, mein Können auf der Tjostbahn zu zeigen. So wie ich Dich immer unterstützt habe – auf dem Arvepass, gegen den Giganten. Bitte.“

Sein schweres Atmen war zu hören. „Du siehst in Deinem roten Kleid anmutig aus. Und als stolzer Gatte kann ich es mir doch nicht nehmen lassen eine erfolgreiche Turnierreiterin auf den Ball zu begleiten. Wenn ich es nicht tue, macht das noch ein anderer. So weit wollen wir das doch nicht kommen lassen.“

Korhilda strich im zärtlich über den stattlichen ergrauten Kaiser-Alrik-Bart. „Ich pass auf mich auf, versprochen.“



Zeichen der Zeit

Hochgeehrter Freund,

Inmitten der festlichen Tage, die den Großfürstlichen Hoftag zu Schloss Auenwacht umgeben, möchte ich Euch eine Einladung zukommen lassen.

Es ist mir eine Ehre, Euch zu einer Fünf-Karten-Boltan Runde einzuladen, die in der Abgeschiedenheit eines Separees, verborgen hinter den dicken Mauern nahe des Schlosses, stattfinden wird.

Bei dem Schein des Madarunds und unter dem Wächterblick der Sterne, soll unser Spiel beginnen, wenn die Phexensstunde schlägt.

In der Stille des Separees, wo nur das Rascheln der Karten zu hören sein wird, mögen wir uns versammeln. Lasst uns in reichstreuer Verbundenheit und bei einem Trunk des besten Wandlether Wiesenschlösschens, aus den Kellern der besten Brauerei des Königreiches, die Karten legen und das Schicksal herausfordern.

Eure Geschicklichkeit im Spiel und Euer scharfer Verstand werden ebenso gefordert sein wie Eure Fähigkeit, im Lichte der Kerzen die Zeichen der Zeit zu deuten. Möge Phexens Glück Euch hold sein und der Abend uns allen eine willkommene Ablenkung von den Pflichten des Tages bieten.

Ich erwarte Eure Antwort, auf dass das Fünfass siegt.

Leobrecht von Ochs Reichsvogt der Efferdstränen

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