Geschichten:Das Hochzeitsturnier in Samlor - Runde 2

Aus GaretienWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Etwa eine Stunde nach Mittag ging die zweite Runde des Hochzeitsturnieres auf dem Gelände der Reit- und Lanzenschule zu Samlor los.

Partie 1: Geron von Hogenthal gegen Korhilda von Sturmfels

Der Himmel über der Tjostbahn war von einer schwermütigen Dämmerung bedeckt, die Korhildas Stimmung nur umso deutlicher widerspiegelte. Auf ihrem prächtigen Rappen saß sie mit einer Haltung, die Stolz und Pflichtbewusstsein verriet, auch wenn ihre Augen sich immer wieder zur Tribüne wandten – leer, verlassen, ohne den vertrauten Anblick ihrer Familie. Ihr Ehemann Leobrecht, ihre Kinder und Enkel – alle waren fort, um der Beerdigung von Gerwulf von Bärenau beizuwohnen, der Großvater ihrer Schwiegertochter Iralda und ein Freund Leobrechts. Korhilda war hierhergekommen, um ihrer gesellschaftlichen Pflicht gegenüber dem befreundeten Haus Hirschfurten nachzukommen. Doch ohne die vertrauten Rufe und Anerkennung derer, die sie liebte, fühlte sie sich einsam und nicht auf der Höhe ihrer Kraft.

Als das Signal ertönte, ritt sie auf die Tjostbahn und grüßte höflich ihren Kontrahenten, Geron von Hogenthal. Der waldsteiner Ritter war ein mittelmäßiger Tjoster, aber in seinen Augen lag ein Funke Entschlossenheit, der Korhilda für einen Moment irritierte. Sie richtete sich auf, konzentrierte sich – sie war die haushohe Favoritin, sie durfte nicht scheitern.

Der erste Durchgang verlief nach Plan. Mit Präzision und einer Wucht, die nur von ihrer Erfahrung zeugen konnte, brachte Korhilda ihre Lanze zum Treffer und sicherte sich den Punkt. Doch Geron schien durch ihre Überlegenheit nicht entmutigt, und im zweiten Durchgang lieferten sich die beiden ein Gleichstand, ein Ausdruck seiner unerwarteten Beharrlichkeit.

Im dritten Durchgang spürte Korhilda, wie ihr Schild sich unmerklich verklemmt hatte. In der Hitze des Moments versuchte sie, ihn hochzuziehen, doch die Zeit war gegen sie. Gerons Lanze traf ihre Brustplatte mit einer solchen Kraft, dass der Aufprall sie förmlich aus dem Sattel katapultierte. Sie blieb benommen liegen, die Welt um sie herum verschwommen und gedämpft. Das Publikum hielt den Atem an, schmerzerfüllt, doch mit eiserner Willenskraft rappelte sie sich auf, den Staub und die Schande von sich abschüttelnd.

Mit erhobenem Haupt trat sie an ihren Kontrahenten heran und reichte ihm die Hand. „Ihr habt euch Euren Sieg redlich verdient, Geron von Hogenthal. Möge Eure Lanze weiterhin von solcher Stärke sein.“ Die Menge tobte, bejubelte den krassen Außenseiter, der die Favoritin besiegt hatte.

Partie 2: Firnwulf von Hirschfurten gegen Felian von Perainsgarten

Erneut sah man Baron Nimmgalf den inneren Zwiespalt an, erneut trat einer seiner Verwandten gegen seinen neuen Bundesbruder und Mit-Herz im Orden von Korgond an. Firnwulf grüßte vor dem Ritt noch seine Verwandtschaft auf der Tribüne und wurde von den meisten Anwesenden auch lautstark angefeuert. Doch gleich im ersten Lanzengang machte Felian von Perainsgarten klar, dass er über deutlich mehr Erfahrung verfügte als der junge Ritter, und stieß ihn gekonnt aus dem Sattel. Dabei landete Firnwulf unglücklich auf dem rechten Arm, so dass er im Anschluss an die Partie erst den Heiler ausuchen musste. Nimmgalf bedauerte dies, doch wußte auch genau, dass Verletzungen zum Turnieren nun mal dazu gehörten. Er hoffte nur, dass Firnwulfs Verletzung nicht allzu schlimm war und belückwünschte seinen Bundesbruder Felian zum Einzug ins Halbfinale.

Partie 3: Leomar von Breitefurten gegen Oderik von Schwingenfels

In dieser Partie maßen sich zwei Junker, der eine aus Waldstein, der andere aus Hartsteen. Während Junker Oderik nur ein mittelmäßiger Treffer gelang, der seine Lanze brechen ließ, stieß der Waldsteiner mit hoher Wucht zu, und beförderte den Hartsteener so recht schnell aus dem Sattel. Damit zog Leomar von Breitefurten ebenfalls ins Halbfinale ein.

Partie 4: Tsaiane von Talbach gegen Ardo von Keilholtz

Nach dem Ausscheiden von Korhilda zu Beginn der zweiten Runde war für viele Experten dieses Duell das entscheidende. Denn wer hier als Sieger hervorging, durfte sich auch schon berechtigte Hoffnungen auf den Gesamtsieg machen. Beide Tjoster hatten einen exzellenten Ruf, zum einen der Greifenfurter Baron, der schon viele Turniere gewinnen, und auch schon einige male gegen den berühmten Baron Nimmgalf bestehen konnte, zum anderen die Kommandantin der Reichsforster Kavallerie, die ebenfalls zur Elite der Garetischen Ritterschaft zählte, hatte sie doch erst letztes Jahr das Grafenturnier zu Luring gewinnen können.

Ardo hatte anscheinend nicht vergessen, mit welcher Härte Tsaiane gegen ihren letzten Gegner vorgegangen war, und wollte ihr entsprechend antworten. So kam es, dass er einen perfekt gezielten Stoß ausführte, der Tsaiane hart vor die Brust traf, sie seitlich ins rutschen brachte und schließlich aus dem Sattel stürzen ließ. Die Zuschauer, allen voran Irnfrede von Luring-Hirschfurten spendeten Applaus, wobei doch bei einigen die Enttäuschung darüber, dass diese Spannung erwartete Partie so schnell schon wieder vorbei war, nicht zu überhören war.