Geschichten:Reichsforster Ränke - Belagerungsalltag

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Burg Hornbach, 20. Travia 1045 BF

Die Belagerung dauerte nun schon beinahe vier Wochen an, und auf der Burg gingen langsam die Vorräte zur Neige. Wie üblich besprach der Pfalzgraf zur Mittagszeit kurz die Lage mit Ritter Sigman.

"Wenn die nicht bald einlenken, dann könnte es hier echt ungemütlich werden. Die Vorräte reichen trotz Rationierungen kaum noch für die nächsten Tage und die Männer werden immer unruhiger. Hab gestern zwei von den Waffenknechten darüber faseln hören, sich mal eine der jungen Zofen zu schnappen. Denen habe ich erstmal ordentlich eine gescheuert. Ich weiß aber nicht, wie lange wir das noch unterbinden können, Udilbert!"

"Nur Geduld und kühlen Kopf bewahren. Ich denke, die werden ähnlich stark auf dem Zahnfleisch gehen wie wir. So ne große Truppe über nen längeren Zeitraum zu versorgen geht schließlich auch ordentlich ins Geld. Nicht mehr lange und der Hirschfurten wird uns ein Angebot machen, Sigman. Warte es nur ab!"

"Wenn du meinst..."

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In den Gemächern im Obergeschoss der Pfalz traf der junge Knappe Danos zufälligerweise die Zofe Dythlind. Er spürte, wie sein Herz schneller zu pochen begann, denn er war über beide Ohren in sie verliebt. Er nahm all seinen Mut zusammen und sprach sie an. "Ver... verzeihung. Ihr seid Dythlind, richtig? Ich bin Danos... Danos von Treleneck. Ich bin der Knappe von... von.."

"Oh, ja, ich weiß, Danos. So wie Graf Danos von Luring, der Ritterliche, richtig?" lächelte sie.

Danos merkte, dass er errötete, was ihm sehr peinlich war.

"Ja... äh... genau."

Für eine Weile konnte er sie nur anstarren und bewunderte, wie schön sie doch war. Sie schaute auch etwas verlegen und strich sich eine blonde Haarsträhne hinter das Ohr.

"Nun denn, ich muss wieder zu meiner Herrin, Danos. Also..." Sie wandte sich zu gehen.

"N...nein, bitte wartet noch", rief er ihr nach.

"Ja?" Sie drehte sich nochmal um.

"Können wir... ich meine... wenn das alles hier vorbei ist, meint Ihr, dass wir uns mal wiedersehen könnten? Also... ich meine...nur wenn Euch das nichts ausmacht."

Sie blickte erst eine Weile zu Boden, sah ihn dann wieder an und lächelte: "Das würde ich wirklich sehr gerne, Danos."

Danos wäre fast vor Freude in die Luft gesprungen.

"Wunderbar. Das... das freut mich wirklich sehr."

"Also, bis dann!" hauchte sie und ging diesmal wirklich.

Danos schwebte auf Wolke sieben. Das war ja viel besser gelaufen, als erhofft. Auch wenn er sich wie ein Trottel aufgeführt und beinahe kein Wort herausbekommen hatte. Aber nun lächelte er selig.

Plötzlich hörte er einen Hilferuf! Dythlind? Als er nach draussen auf den Wehrgang lief, sah er entsetzt, wie Elgor, einer von Udilberts Waffenknechten, die junge Dythlind gepackt und fest an sich herangezogen hatte.

"Nun zier dich nicht so, Kleine! Sei einfach ein bisschen nett zu mir, klar? Dann muss ich dir auch nicht wehtun!" Er machte sich daran ihr an die Wäsche zu gehen.

"Hilfe, Danos!" rief sie verzweifelt. Sie hatte offenbar große Angst.

Danos packte die Wut. "LASS SIE LOS, DU SCHWEIN!" rief er, und stürmte auf Elgor zu. Kaum hatte er ihn erreicht, trommelte er mit den Fäusten auf den großen Mann ein, so dass dieser Dythlind loslies, die sich rasch ausser Reichweite begab.

"Bist du völlig bescheuert?" knurrte er, holte aus und verpasste Danos einen harten Schwinger vors Kinn.

Danos taumelte, ruderte mit den Armen und stürzte zwischen den Zinnen des Wehrganges hindurch in die Tiefe. Mit einem hässlichen Knacken schlug er unten auf. Er war sofort tot.

"NEIIIIIIIN!!!!!" schrie Dythlind entsetzt und brach weinend zusammen.

"Das... war nur deine Schuld!" schautzte Elgor sie an und ging bedrohlich auf sie zu.

"Halt! Was war hier los?" rief Sigman von Karrenstein, der durch die Schreie alamiert worden war.

Elgor reagierte rasch: "Das Mädchen da hat einfach den Knappen des Pfalzgrafen von der Brüstung gestossen, Herr! Ich konnte nichts mehr für ihn tun!" gab Elgor an.

"Lüge!" rief Dythlind empört. "Der da wollte sich an mir vergehen. Danos kam mir zu Hilfe, und da hat ihm der Kerl eine geknallt, wodurch er über die Brüstung gestürzt ist! Jetzt ist er tot", schluchzte sie.

Sigman kam langsam auf Elgor zu. Obschon dieser ihn um einen halben Kopf überragte, wurde er sichtlich nervös: "Die...die lügt doch, will wohl nur ihren kleinen Hals retten... Ihr...Ihr glaubt der doch nicht, oder?"

"Es ist so wie das Mädchen sagt!" warf Hagen von Rallerau ein, der gerade hinzugekommen war. "Ich hielt Wache auf dem Südturm. Von dort konnte ich die Szene genau beobachten. Er hat den Knappen auf dem Gewissen, nicht sie!"

"Dafür wirst du hängen, Elgor!" knurrte Sigman leise aber gefährlich und nahm ihm sein Schwert ab.

"Von Rallerau, helft mir bitte den Kerl ins Burgverlies zu bringen. Heute abend machen wir ihm den Prozess!"


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20. Tra 1045 BF zur mittäglichen Traviastunde
Belagerungsalltag
Einmarsch in Randersburg


Kapitel 8

Autor: Nimmgalf