Geschichten:Und der Wald schweigt – Baduar
Tannenwäldchen unweit von Tannhus, Peraine 1044 BF
Manchmal glaubte man etwas zu sehen, was gar nicht da war. Manchmal da spielt einem der eigene Verstand einen Streich. Und manchmal, ja manchmal da sah man etwas und war sich sicher, dass es kein Traum sondern Wirklichkeit war, aber man zweifelte dennoch. Man zweifelte, weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte, weil dass was man sah, doch nicht wirklich da sein konnte. Und was sollte man auch anderes tun, wenn der eigene Verstand an seine Grenzen stieß? Konnte man ihm dann überhaupt noch trauen?
So erging es auch Drego von Altjachtern als er von der weißen Hirschkuh träumte. Ruhig stand das edle Tier auf jener Lichtung, auf der sie ihr Lager aufgeschlagen hatten, und säugte ein weißes Kitz. Ihre dunklen Augen hatte das Muttertier fest auf ihn gerichtet. Es schien ihn intensiv zu mustern, abzuwägen, stellte er eine Gefahr dar? Einige Male drehte es die großen Ohren, lauschte in den Regen hinein. War er auch wirklich keine Gefahr? Schließlich senkte es ganz langsam sein Haupt und begann an den zarten Grashalmen zu zupfen. Erst zupfte das Tier neben ihm die Grashalme, immer näher und näher kam es und dann...
Drego schreckte auf und wischte sich angewiderte durch das Gesicht. Irgendetwas sehr feuchtes hatte ihn getroffen. Warm und leicht rau war es gewesen. Und dazu dieser Geruch. Ein seltsamer Geruch. Ein Geruch wie von... von... von einem nassen Hund. Er blickte auf. Und schaute in das Gesicht eines großen, weißes triefnassen Hundes. „Baduar?“, wisperte Baron Drego erfreut. Der Hund fiepste zustimmend, drückte sich an seinen Gegenüber und ließ sich erst einmal ausgiebig durch den nassen Pelz kraulen. Irgendwann hatte der Hund jedoch genug. Dann sprang er aufgeregt hin und her und deutete seinem Gegenüber ihm zu folgen. Und Baron Drego folgte dem Hund unbemerkt in den Wald hinein. Seine Knappen blieben schlafend zurück.